Betriebsrat rechnet mit längeren Wartezeiten im Wiener AKH

2. Jänner 2015, 11:04
191 Postings

Jedoch trotz neuem Gesetz regulärer Betrieb - In Tirol Gespräche mit Kliniken

Wien/Innsbruck - Mit dem Jahreswechsel ist nun auch das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte in Kraft, das eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden vorsieht. Während sich der Großteil der Wiener Spitäler auf eine Übergangsregelung geeinigt hat, steht eine solche im AKH noch aus. Trotzdem gebe es derzeit keine Probleme, wie eine Sprecherin des AKH am Freitag betonte.

Auch wenn es vor allem am ersten Tag des neuen Jahres ein sehr hohes Patientenaufkommen gegeben habe, sei es im Vergleich zu Vorjahren nicht zu längeren Wartezeiten gekommen. Der Betrieb laufe derzeit regulär. Ob das neue Gesetz Auswirkungen zeige, werde man erst im Laufe des Jänners sehen.

Reduzierte Ressourcen

Anders sieht die Lage aus, fragt man Martin Andreas, Betriebsrat des AKH: "Man merkt schon, dass reduzierte Ressourcen vorhanden sind", meinte er. Vor allem in den Ambulanzen rechne man durchaus mit längeren Wartezeiten für Patienten, wie auch Aushänge zeigen würden, die Patienten auf mögliche längere Wartezeiten hinweisen. Noch befinde man sich aber ohnehin nicht im Normalbetrieb, auch Andreas möchte erst nach den Feier- und Fenstertagen des neuen Jahres ein endgültiges Fazit ziehen.

Proteste möglich

Bis dahin wird jedenfalls weiterverhandelt: Am Tisch sitzen die Spitalsärzte sowie das Rektorat der für die AKH-Mediziner zuständigen MedUni Wien. Kurz vor Silvester scheiterte die bisher letzte Verhandlungsrunde. Kommt es zu keiner Einigung, befürchtet der Betriebsrat Kapazitätsprobleme und kann sich auch weitere Protestmaßnahmen vorstellen.

Gespräche in Tirol

Die Verantwortlichen des Tiroler Krankenanstaltenbetreibers Tilak führen zu Jahresbeginn Gespräche mit den einzelnen Kliniken, um den jeweiligen Status zu erheben. Diese sollen bis Mitte Jänner abgeschlossen sein, sagte Tilak-Sprecher Johannes Schwamberger am Freitag.

Dann soll feststehen, wo welcher Bedarf durch das neue Arbeitszeitgesetz besteht bzw. wie viele Mediziner sich bereit erklären, länger als die in der neuen Regelung vorgesehenen 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Mitte Jänner werde man auch abschätzen können, wie sich die Einigung der Medizinischen Universität mit dem wissenschaftlichen Personal auf den Krankenbetrieb auswirken werde, erklärte Schwamberger.

Wahlmodelle an der Med-Uni

Die Med-Uni hatte sich Anfang Dezember mit dem Betriebsrat über die verlängerten Dienste und die stufenweise Reduktion der Ärztearbeitszeit geeinigt. Die Vereinbarung sehe unter anderem vor, dass neben einem Wochentag für Forschung und Lehre auch Wahlmodelle mit Freizeitabgeltung für Nachtdienste möglich sind, hieß es damals.

Arbeitsgruppe bis Juni

Wie viele Mediziner tatsächlich bereit sein werden, mehr als die im neu geltenden Arbeitszeitgesetz vorgesehenen 48 Stunden zu arbeiten, konnte der Tilak-Sprecher nicht abschätzen. Die Zahl soll aber Mitte bis Ende Jänner am Tisch liegen. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) hatte vor den Feiertagen zu einem Runden Tisch geladen, mit dem Ergebnis, dass eine Arbeitsgruppe bis Juni die sich aus dem neuen Arbeitszeitgesetz ergebenden Problemfelder erarbeiten soll. Gleichzeitig appellierte Tilg, die sogenannte "Opt-out"-Regelung durch Abschluss von Betriebsvereinbarungen grundsätzlich zu öffnen und damit den Ärzten die Einzelentscheidung für eine Übergangsregelung zu ermöglichen.

Keine Lösung in Kärnten und Oberösterreich

In Kärnten und Oberösterreich ist im Gehaltsstreit zwischen den Spitalsärzten und dem Land weiterhin keine Lösung in Sicht. Derzeit gebe es keinen Gesprächstermin mit Ärztekammerpräsident Josef Huber, sagte der Vorstand der Kärntner Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft Kabeg, Arnold Gabriel, am Freitag. Der Betrieb in den Spitälern laufe derzeit aber ohne Probleme.

Die Dienstpläne in den Kabeg-Spitälern wurden nach der neuen Höchstarbeitszeit von 48 Wochenstunden erstellt, in der kommenden Woche will Gabriel aber mit dem Betriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung abschließen.

In Oberösterreich sind die Verhandlungen zwischen Ärzteschaft und Land im Laufen, eine Lösung zeichnete sich zuletzt noch nicht ab. Die Ärztekammer pocht auf 48 Stunden Höchstarbeitszeit und warnte im Vorfeld, dass es zu Leistungseinschränkungen kommen könne. Die Spitäler haben auf die neue Regelung bereits mit neuen Dienstplänen reagiert, ließen sich aber bisher wenig in die Karten schauen, was mögliche Einschränkungen betrifft.

Seit 1. Jänner 2015 ist das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte in Kraft, das eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden (in einem Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen, Anm.) vorsieht. Weil damit Nachtdienste und Überstunden wegfallen, werden von den Medizinern Gehaltseinbußen befürchtet. Sie fordern deshalb eine Aufstockung der Grundgehälter um 30 Prozent. (APA, 2.1.2015)

  • Seit 1. Jänner 2015 ist das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte in Kraft, das eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden vorsieht.
    foto: apa/fohringer

    Seit 1. Jänner 2015 ist das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte in Kraft, das eine Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit von 60 auf 48 Stunden vorsieht.

Share if you care.