Steven Gerrard geht in die USA

3. Jänner 2015, 13:33
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Captain Fantastic kehrt Liverpool nach 17 Profijahren den Rücken – Langjähriger Reds-Kapitän wechselt im Sommer in die Major League Soccer

Liverpool – Es soll vereinzelt Anhänger des FC Liverpool geben, die sich vorzustellen versuchten, wie es wäre, wenn Steven Gerrard nicht mehr für die Reds spielte, die ernsthafte Zweifel am ewigen Kapitän hatten, der dem Anhang viel abverlangte in der vergangenen Saison. Die Mannschaft war auf dem Weg zum ersten Meistertitel seit 1990 gewesen. Am drittletzten Spieltag der Premier League empfingen die drei Zähler vor Titelverteidiger Manchester City an der Spitze liegenden Reds Chelsea an der Anfield Road – und verloren 0:2. Kapitän Gerrard hatte den ersten Gegentreffer kurz vor der Pause verschuldet. "Es war, wie wenn man die Luft aus einem Heißluftballon lässt", sollte Coach Brendan Rodgers später sagen. Liverpool gab noch einen Punkt ab und schloss zwei Zähler hinter ManCity als Vizemeister ab.

Es folgte eine WM, in der England schon in der Vorrunde scheiterte. Gerrard erklärte nach 113 Länderspielen seinen Rücktritt, um sich ganz auf seinen Verein zu konzentrieren. Der wird auch in der aktuellen Saison nicht Meister. Zur Halbzeit fehlen 17 Zähler auf Spitzenreiter Chelsea. Zeit für Gerrard, zu gehen. Der 34-Jährige verlässt im Sommer, nach 17 Profijahren, den Klub, zu dem er als Achtjähriger gestoßen war.

Sein Entschluss wurde publik, nachdem Coach Rodgers verlautet hatte, dass der Mittelfeldlegende eine Vertragsverlängerung um ein Jahr in Aussicht gestellt worden war. Aussortiert wird Gerrard also nicht. Möglich, dass Captain Fantastic ein gesichtswahrender Abgang geboten wurde. "Auf Wiedersehen zu sagen wird sehr schwierig. Aber ich glaube, es ist das Beste für alle Beteiligten", ließ er wissen. Und natürlich, dass es ihm eine Ehre gewesen sei, die Fans "auf dem Platz zu vertreten, als Spieler und als Kapitän. Ich habe jede Sekunde davon genossen."

Triumph und Tränen

Das waren viele. In bisher 695 Partien schoss Gerrard 180 Tore für Liverpool, der Mann aus dem Vorort Huyton gehörte zur Legende des Vereins wie dessen Hymne "You'll never walk alone". Sein Auftritt im Finale der Champions League 2005, als die Reds gegen Milan ein 0:3 egalisierten und im Elferschießen gewannen, ist ebenso Klubgeschichte wie seine Tränen beim Gedenken 25 Jahre nach der Stadionkatastrophe von Hillsborough, bei der 1989 ein zehnjähriger Cousin Gerrards das jüngste der 96 Todesopfer war.

Gerrard gelobte, niemals zum Gegner zu werden. Am Samstag bestätigte er einen Wechsel in die USA. Dem Liverpool-Star ist es dadurch erlaubt, Verhandlungen mit MLS-Teams aufzunehmen. Los Angeles Galaxy, die New York Red Bulls und der New York City FC haben bereits Interesse bekundet. Für einen Vier-Jahres-Vertrag bei LA Galaxy könnte Gerrard bis zu 20 Millionen Pfund (25,6 Mio. Euro) erhalten, berichteten englische Medien am Samstag. Er kündigte außerdem an, irgendwann in einer anderen Funktion nach Liverpool zurückzukehren.

Bis dahin werden selbst jene Fans unter einem Phantomschmerz leiden, die sich vorzustellen versuchten, wie es wäre, wenn Gerrard nicht mehr für den FC Liverpool spielte. (lü/red., DER STANDARD, 3.1.2015)

  • Die 700 Pflichtspiele für den FC Liverpool macht Steven Gerrard sicher voll. Dann ist der 34-Jährige vorerst weg.
    foto: epa/peter powell

    Die 700 Pflichtspiele für den FC Liverpool macht Steven Gerrard sicher voll. Dann ist der 34-Jährige vorerst weg.

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