Kleines Glücksspiel: Kräftemessen

Kommentar1. Jänner 2015, 17:06
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Wien verbietet, was Niederösterreich erlaubt

Seltsames passiert beim sogenannten kleinen Glücksspiel, und es ist nicht leicht einordenbar. Zuerst verbietet die Wiener Stadtregierung in einer Aufwallung von moralischer Entrüstung ab 1. Jänner 2015 neue Konzessionen für das Automatenglücksspiel. Und obwohl der Hauptbetroffene, der Novomatic-Konzern mit seinen Admiral-Lokalen, auf dem (wahrscheinlich rechtlich haltbaren) Standpunkt steht, einwandfreie Konzessionen mit Laufzeiten teilweise bis 2020 zu besitzen, zieht das Unternehmen pünktlich zum Jahreswechsel den Stecker und nimmt seine Automaten vom Stromnetz.

Ganz weltmännisch argumentiert die Firma damit, dass nur ein legales Angebot wirksamen Jugend- und Spielerschutz ermöglicht. Schon wahr! Außerdem weiß jeder Spieler, jede Spielerin und erst recht die Firma Novomatic, dass jenseits der Wiener Grenze andere Gesetze gelten. Sollte die Lust nach einem Spiel übermächtig werden, gibt es im niederösterreichischen Umland genug Angebot für den Zocker. Den Landesgesetzen sei Dank.

Es ist klar, dass Spielsüchtige bestmöglich geschützt werden sollen. Aber es ist fraglich, ob ein allgemeines Verbot von Automaten - wie von der Stadtverwaltung angestrebt - den gewollten Effekt auf die Zockerei hat. Die Gefahr besteht, dass einfach Spieler abwandern. In illegale Angebote in Hinterzimmern oder ins Internet. Oder einfach nach Niederösterreich. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 2.1.2015)

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