Jacobsen gewinnt, Schlieri Vierter, Kraft gesamt top

1. Jänner 2015, 15:02
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Stefan Kraft liegt in der Torunee weiterhin voran. Michael Hayböck verteidigt die Führung im Weltcup. Radetzkymarsch wird beim Neujahrsspringen aber keiner gespielt

Garmisch-Partenkirchen - Winterwonderland! Das Jahr 2015 hat in Tirol und im angrenzenden deutschen Landkreis Garmisch-Partenkirchen einen Traumstart hingelegt. Nach tagelangen Schneefällen machte sich die Sonne stark, es war ein grandioser Tag zum Skifahren, Langlaufen, Snowboarden, Rodeln, Spazieren - und natürlich zum Vierschanzentourneeschauen. Letzteres hat zumindest in Garmisch-Partenkirchen und in vielen sogenannten TV-Haushalten Tradition, wo das Neujahrskonzert nahtlos ins Neujahrsspringen übergeht.

Beim Springen freilich lässt sich von vornherein nicht sagen, wie es ausgehen wird. Radetzkymarsch hat es in Garmisch am Donnerstag keinen gespielt, auch die österreichische Hymne blieb aus. Denn den Sieg trug der Norweger Anders Jacobsen davon, der den Schweizer Simon Ammann und den Slowenen Peter Prevc auf die Plätze verwies.

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Gregor Schlierenzauer, als Vierter bester Österreicher, verpasste das Podest um 1,2 Punkte. Stefan Kraft, der Sieger von Oberstdorf, verteidigte als Sechster die Tournee-Gesamtführung, erster Verfolger ist jetzt Prevc mit 1,1 Punkten Rückstand. Michael Hayböck, der Zweite von Oberstdorf und Siebente von Garmisch, fiel insgesamt auf Rang drei zurück, dafür aber baute er, weil ein Muster an Konstanz, seine Gesamtführung im Weltcup noch aus.

"Es wäre angerichtet gewesen", hatte Schlierenzauer nach dem ersten Durchgang gesagt, mit dem er nicht ganz zufrieden war. Im zweiten flog keiner so weit wie er (139,5 Meter), also blickte er auf einen "sehr lässigen Wettkampf" zurück. Hayböck war "grundsätzlich sehr zufrieden", ärgerte sich nur über eine verpatzte Landung im zweiten Durchgang. "Das sind Punkte, die ich nicht gerne liegenlasse." Kraft freut sich darüber, "dass ich mit dem Trikot des Führenden nach Innsbruck komme".

Homebase

Die 63. Auflage der Tournee entpuppt sich als überaus spannende Angelegenheit. Neben Prevc, dessen weite Flüge mit beeindruckender Haltung einhergehen, haben sich auch Jacobsen, der nun Vierter ist, der ewige Japaner Noriaki Kasai (5.) und Schlierenzauer (7.) in der Gesamtwertung nach vorne geschoben. Mag sein, es scheint so, als hätten Kraft, Prevc und Hayböck schon etwas Respektabstand zu den anderen. Die Tournee ist halb durch, der deutschen folgt nun die österreichische Hälfte mit den Springen in Innsbruck (4. Jänner) und Bischofshofen (6. Jänner). Kraft sagt: "Jetzt geht's nach Hause, das beflügelt uns zusätzlich." Wobei das ÖSV-Team erstmals kein eigenes Quartier in Garmisch bezogen hatte, sondern aus Tirol angereist war.

Das "For Friends", ein neues Luxushotel in Mösern bei Seefeld, ist heuer erstmals und gleich für zwei Bewerbe sozusagen die Homebase der Österreicher. Seefeld liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Garmisch und Innsbruck, das trifft sich nicht schlecht. "Wir ersparen uns einmal Ein- und Auspacken", sagt Schlierenzauer. "Das ist schon ziemlich angenehm."

Abends, im For Friends, hat ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin noch einmal die Neujahrssprünge analysiert. Und er sah sich in seiner Ansicht bestätigt, "dass es ein paar kleine Fehler beim Absprung gegeben hat". Welche Fehler genau? "Am Schanzentisch in Garmisch kommt man gerne ein bisserl über die Zehen." Kuttin geht davon aus, dass zumindest Peter Prevc den Österreichern ordentlich zusetzen wird, und zwar "bis zum Ende der Tournee".

"Welche Hauptrolle?"

Kürzlich saßen Kraft und Hayböck bei einem Pressetermin neben Schlierenzauer. Und sie wurden gefragt, wie sie damit umgehen würden, plötzlich die "Hauptrolle" im Team zu spielen. "Welche Hauptrolle?", fragte Kraft da zurück. "Ich hab' gerade einmal ein Weltcupspringen gewonnen. Der Herr neben mir hat mir da einiges voraus." Und der Herr neben Kraft, der Stubaier Gregor Schlierenzauer, mit 53 Erfolgen der Weltcuprekordler, lächelte in sich hinein. "Ich bin", sagt er, "auf meinem Weg zurück." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 2.1.2015)

Gesamtwertung Vierschanzen-Tournee
(nach zwei von vier Bewerben):

1. Stefan Kraft (AUT) 561,9 Punkte
2. Peter Prevc (SLO) 560,8
3. Michael Hayböck (AUT) 554,8
4. Anders Jacobsen (NOR) 540,7
5. Noriki Kasai (JPN) 534,0
6. Andreas Kofler (AUT) 524,2
7. Gregor Schlierenzauer (AUT) 523,2
8. Roman Koudelka (CZE) 522,4
9. Rune Velta (NOR) 520,8
10. Kamil Stoch (POL) 518,7

  • Am Neujahrstag zu gut für die Konkurrenz: Anders Jacobsen.
    foto: reuters/michael dalder

    Am Neujahrstag zu gut für die Konkurrenz: Anders Jacobsen.

  • Optimales Ausflugswetter in Garmisch-Partenkirchen.

    Optimales Ausflugswetter in Garmisch-Partenkirchen.

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