Ukrainischer Präsident Poroschenko: "Härtestes Jahr seit 70 Jahren"

1. Jänner 2015, 14:53
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Krim-Annexion für Putin "Meilenstein" - Serbien übernimmt OSZE-Vorsitz

Belgrad/Kiew/Moskau - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat in seiner Neujahrsansprache versucht, eine Botschaft der Zuversicht an seine Landsleute zu senden. Das zu Ende gehende Jahr sei "das härteste seit 70 Jahren" gewesen, sagte Poroschenko in seiner Rede an die Nation. Dennoch: "Die Gerechtigkeit ist auf unserer Seite." Die Ukraine werde diesen "patriotischen Krieg" gewinnen, auch wenn 2015 kein einfaches Jahr werde, so Poroschenko.

Er sei aber positiv gestimmt, dass es als ein Jahr der Reformen in die Geschichte eingehen werde, die das Land schließlich in die EU führen würden. Umgeben war der Präsident bei seiner Ansprache anders als sonst üblich von rund 15 Menschen, darunter von Soldaten, die im umkämpften Osten der Ukraine im Einsatz waren. An Russland gerichtet sagte der Staatschef, der "Feind" habe das Leben, das Territorium, die Freiheit und die Unabhängigkeit der Ukrainer "gefährdet".

"Liebe fürs Vaterland" gezeigt

Kremlchef Wladimir Putin hat in seiner Neujahrsansprache hingegen die zentrale Bedeutung der Krim-Annexion für Russland einmal mehr bekräftigt. "Dieses Ereignis wird immer einer der wichtigsten Meilensteine in der vaterländischen Geschichte sein", sagte Putin in seiner Neujahrsansprache am Mittwoch. In der Entscheidung der Krim-Bewohner für eine Rückkehr in ihre Heimat habe sich ihre Liebe fürs Vaterland gezeigt, meinte der russische Präsident.

Unter anderem wegen der Krim-Annexion haben die EU und die USA Sanktionen verhängt, die eine heftige Wirtschaftskrise in Russland ausgelöst haben. Deshalb stimmte Putin seine Landsleute auch auf ein hartes Jahr 2015 ein: "Das Jahr wird so, wie wir es uns selbst machen. Es hängt davon ab, wie effektiv, kreativ und wirkungsvoll sich jeder von uns einsetzen wird."

Serbien will "seriös" agieren

Serbien übernimmt mit Beginn des neuen Jahres den einjährigen Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und könnte neue Bewegung in den festgefahrenen Konflikt im Osten der Ukraine bringen. Belgrad kündigte an, die Ukraine-Krise und die regionale Zusammenarbeit zum Schwerpunkt des Vorsitzes zu machen.

Außenminister Ivica Dacic erklärte in serbischen Medien, Belgrad wolle ein ehrlicher, objektiver und unparteiischer Vermittler in der Ukraine-Krise sein. "Wir werden beweisen, dass wir ein seriöser Staat sind, der in der Lage ist, eine solche Organisation zu leiten", unterstrich er ferner im Hinblick auf die Tatsache, dass es gar nicht so lange her ist, dass Serbien selbst zu den Sorgenkindern der internationalen Staatengemeinschaft zählte.

Serbien strebt mittlerweile als Beitrittskandidat in Richtung EU, pflegt traditionell aber immer noch starke Bande zu Russland. Das Land könnte sich deshalb als Brücke zwischen der EU und Russland profilieren.

Zeitgleich mit der Übernahme des OSZE-Vorsitzes startete der kremltreue TV-Sender Russia Today im neuen Jahr ein eigenes Programm in Serbien. (red/dpa, DER STANDARD, 2.1.2015)

  • Präsident Petro Poroschenko bereitete die Menschen in seiner Neujahrsansprache auf weitere unruhige Zeiten vor.
    foto: ap/mykola lazarenko

    Präsident Petro Poroschenko bereitete die Menschen in seiner Neujahrsansprache auf weitere unruhige Zeiten vor.

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