Was uns im Tech-Jahr 2015 erwartet

1. Jänner 2015, 09:47
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Smartphones mit mehr Durchhaltevermögen, Entscheidungsjahr für Smartwatches und der Aufbruch in die virtuelle Realität

Das Jahr 2014 liegt hinter uns. Die vergangenen 365 Tage waren auch in der IT-Welt bewegt. Es gab neue und spannende Produkte – von großen Herstellern wie Samsung und Apple bis hin zu Newcomern wie dem chinesischen Start-up OnePlus -, große Übernahmen und neue Services, die sich am Markt etabliert haben.

2015 dürfte aber nicht minder interessant werden. Der WebStandard wagt einen Blick in die USB-Kristallkugel.

foto: derstandard.at/pichler

Smartphones

Schon länger klagen Konsumenten darüber, dass sich bei Mobiltelefonen in puncto Innovation kaum noch etwas tut. Etwas bessere Bildschirme, ein wenig aufgewertete Kameras, ein Quäntchen mehr Leistung. Dementsprechend schwer zu rechtfertigen sind die Premiumpreise für so manche Highend-Smartphones, wenn selbst ihre Vorvorgänger mit den meisten Aufgaben noch problemlos klar kommen.

Das Hardware-Wettrüsten wird auch 2015 nicht aufhören. Mehr und mehr Smartphones werden 2K-Displays bieten und die Auflösungen der Kameras werden von vielen Herstellern in den Bereich von 16 bis 20 Megapixel gesteigert.

Aber es gibt Anzeichen, dass sich noch mehr bewegt. Längere Akkulaufzeit, die im Gegensatz zu ultrahohen Displayauflösungen einen tatsächlichen Mehrwert bieten, sind schon 2014 in den Fokus der Hersteller gerückt. Viele Flaggschiffe warben auch mit einem softwareseitigen Energiesparmodus, um aus der Restladung der Batterie möglichst lange Betriebsdauer herausholen zu können.

foto: derstandard.at/pichler

Technologien wie DRAM und sparsamere Prozessoren werden auch auf Seiten der Hardware 2015 zu weiteren Verbesserungen führen. Während man auf derzeit in Entwicklung befindliche, vielversprechende neue Akku-Technologien wohl noch das eine oder andere Jahr warten muss, rechnen wir mit der Vorstellung der ersten Smartphones, die mit üblichen Batteriekapazitäten bei normaler Nutzung zwei Tage lang durchhalten, statt jeden Abend an die Steckdose zu müssen.

Ebenfalls für 2015 zu erwarten: Mehr Highend-Smartphones zu Mittelklassepreisen. Was etwa das OnePlus One vorgemacht hat, werden wohl auch andere Hersteller wagen – zumal Googles Nexus-Reihe nun deutlich teurer geworden ist und Platz in diesem Segment schafft. Dazu könnte auch der eine oder andere chinesische Hersteller in den Markt drängen und auch kleine Marken wie Wiko befinden sich dank erschwinglicher Preise am aufsteigenden Ast.

foto: derstandard.at/pichler

Mobile Computing

Die letzten Jahre brachten den Aufstieg und Fall der Subnotebooks (auch Netbooks genannt). Erfreuten sie sich zuerst aufgrund ihrer Kompaktheit hoher Beliebtheit, boten alsbald Tablets eine noch transportablere Lösung, ohne die Nutzer hinsichtlich ihrer Verwendungsmöglichkeiten zu sehr zu limitieren.

Nun stehen die kleinen Laptops in ihrer nächsten Evolutionsstufe an der Schwelle, sich einen Fixplatz am Computermarkt zu erobern. 2015 könnte das Jahr der Convertibles werden, zumindest sind die Weichen dafür gestellt.

Einerseits liefert Intel mittlerweile Chips auf Basis normaler x86-Architektur, die den Bau kleiner, sparsamer Geräte ermöglichen, die ihren Nutzern die Erledigung einfacher Arbeiten und den Genuß von Multimedia-Inhalten erlauben, andererseits hat Microsoft mit "Windows 8.1 mit Bing" sein Lizenzmodell so geändert, dass sich die Verwendung des Betriebssystems den Preis des Endgeräts nicht mehr merklich belastet.

Als Resultat dessen findet man nunmehr Netbooks mit drehbaren Displays und intelligente Kombinationen aus Tastaturdock und Tablet für wenige hundert Euro am Markt. Die ersten Generationen der Convertibles waren nicht nur an Hardware-Defiziten, sondern auch an hohen Preisen gescheitert.

foto: apa

Fernseher

Nicht die besten Zeiten stehen wohl den Herstellern von TV-Geräten bevor. Features wie 3D-Wiedergabe oder Auflösungen jenseits des Full-HD haben die Konsumenten weitestgehend kalt gelassen. Daran werden auch OLED-Displays und gekrümmte Bildschirme nicht viel zu ändern vermögen.

Denn einerseits müssen die Produzenten der Kundschaft die Vorteile der neuen Technologien erst schmackhaft machen und andererseits sprechen die Preise für die Geräte aktuell noch nicht den Massenmarkt an. Dementsprechend sind es Early Adopter, die dieses Geschäft vorläufig stützen müssen.

Auch 2K- und 4K-Auflösung taugt derzeit noch nicht als überzeugendes Kaufargument. Der visuelle Fortschritt ist zwar evident, doch es fehlt immer noch inhaltlicher Vielfalt in entsprechender Qualität. Immerhin: Zumindest im 2K-Bereich dürfte sich das 2015 merklich bessern.

foto: reuters

Wearables

Nach Pionierarbeit in den vorhergehenden Jahren, vor allem durch die "Pebble", haben Smartwatches 2014 einen ersten kleinen Schritt in Richtung Massenmarkt gesetzt. 2015 wird für die Begleiter am Handgelenk wohl ein entscheidendes Jahr.

Bald wird Apple mit der "Watch" erstmals auf diesen Markt vorstoßen. Der Konzern aus Cupertino, der über eine treue Anhängerschaft verfügt, bewirbt seine Smartwatch aber nicht nur als Elektronikprodukt. Man buhlt auch um Aufmerksamkeit in der Mode- und Lifestyleszene. Der Erfolg oder Misserfolg der Watch wird auch anderen Herstellern erste Einschätzungen ermöglichen, ob Smartwatches das Potenzial haben, mehr als ein reines Nischenprodukt zu werden.

Dafür spielt freilich auch der technische Fortschritt eine Rolle. 2015 werden Plattformen wie Android Wear weiter reifen und und Funktionalität zulegen. Gleichzeitig werden die Hersteller nach besseren Kompromissen zwischen Handlichkeit, Design und Akkulaufzeit suchen, zumal die aktuelle Generation vor allem in letzterem Punkt noch Luft nach oben hat. Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine smarte Uhr zuzulegen, sollte sich noch in Geduld üben.

Abgesehen von Experimenten ist im Wearable-Bereich sonst keine Revolution zu erwarten, wenngleich Überraschungen nie ausgeschlossen werden können. Die nach ihrer Enthüllung lange Zeit gehypte Datenbrille Google Glass hat jedenfalls eine ungewisse Zukunft vor sich. Mit einer Consumer-Version ist - wenn überhaupt - wohl 2015 nicht zu rechnen.

foto: reuters

Virtual Reality

Neben neuem Spielefutter ist die bedeutendste Entwicklung für Spielefreunde im neuen Jahr wohl der Aufbruch ins Virtual Reality-Zeitalter. Laut Chef von Oculus VR Brendan Iribe soll die aktuelle Entwicklerversion der Oculus Rift-Brille schon weitestgehend jener Version entsprechen, die man als erste finale Ausgabe auf den Markt bringen. Einen genauen Termin für den Release gibt es zwar noch nicht, aber eine ungefähre Preisangabe von 400 Dollar. Ein Marktstart 2015 ist wohl als sehr wahrscheinlich anzunehmen.

Die erste Consumer-Version wird hauptsächlich experimentierfreudige Spieler anziehen, denn noch gibt es nur wenige zugkräftige Games, die das VR-Gerät offiziell unterstützen oder unterstützen werden. Bis zum erreichen der von Oculus-Eigentümer Facebook definierten, kritischen Masse von 100 Millionen Nutzern werden noch einige Lenze ins Land ziehen.

foto: reuters

Auf dem Pfad in tiefere Spiele-Immersion wandeln neben Oculus aber auch einige kleinere Firmen, zum Beispiel VRVana mit Totem VR, aber auch Branchenriesen. Sonys "Project Morpheus" wird ebenso für 2015 erwartet wie eine noch unbenannte Brille von Microsoft.

Mit einer für den mobilen Bereich ausgelegten Lösung vorgeprescht ist bereits Samsung. Die in den USA mittlerweile käuflich erwerbbare Gear VR – an deren Entwicklung Oculus beteiligt war - richtet sich aber noch an Entwickler und weniger an Endkunden. Es wäre nicht überraschend, wenn noch in diesem Jahr eine zweite Generation folgt.

Ein Massenphänomen wird die Technologie aber trotz aller Ambitionen noch nicht werden. Jedoch wird die Grundlage dafür gelegt, bald die Kinderschuhe auszuziehen und noch in diesem Jahrzehnt eine neue Art des Spielens und Kommunizierens zu etablieren.

Ihre Prognosen?

Das Tech-Jahr 2015 wird freilich noch viel mehr Facetten zeigen, als hier angesprochen. Und wer Prognosen wagt, kann sich natürlich auch irren, ist der Wandel in der Branche doch bekanntlich ein schneller.

Was erwarten oder erhoffen Sie sich in Sachen IT-Welt von jenem Kalenderabschnitt, der die Halbzeit dieses Jahrzehnts einläutet? (Georg Pichler, derStandard.at, 01.01.2015)

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