Sinn- und Besinnlichkeit

Einserkastl30. Dezember 2014, 17:31
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Dating Plattform verzeichnet Rekordzahlen zu Silvester

Da schreibt man ein völlig harmloses Einserkastl über Singles am Heiligen Abend, die zwischen Eierlikör, Sissi-Filmen und Weihnachtsinseln schwanken (natürlich nur im übertragenen Sinn), und schon hat man den Scherb'n auf: "Casual Sex an Silvester boomt", schreibt mir die Medienstelle einer Seitensprungagentur, wobei es auf Österreichisch noch immer "zu Silvester" heißt, bitte schön.

Immer zu Jahresbeginn sind Rekordzahlen zu verzeichnen, verkünden die Menschenfreunde der "Casual Dating Plattform" freudig. Aber offenbar ist ihnen diese Spitze noch nicht spitz genug ist, darum haben sie sich an mich gewandt. Soll sein. Es ist doch nett zu hören, dass auf die weihnachtliche Besinnlichkeit die silvesterliche Sinnlichkeit folgt, und das besonders in "religiösen Ländern". Das ist interessant. Denn so viele Länder, die religiös sind und in denen trotzdem Weihnachten gefeiert wird, gibt es doch gar nicht mehr. Saudi-Arabien scheidet da ja eher aus.

"Bildmaterial" wäre auch downloadbar, aber für eine Spamophobe kommt das gar nicht infrage. Außerdem: Wenn das angebotene "Champagner-Paar" nur Champagner trinkt, ist es fad, im anderen Fall möchte ich nicht wissen, was mir demnächst an Werbung in den Computer schneit. Und der Kollege, der hinter mir sitzt, schaut eh schon komisch. Dabei sollte ihm ein bisschen Erotik lieber sein als die sonst üblichen Jihadistenwebsites. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 31.12.2014)

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