Börsenjahr 2014: In der Ferne gut verdient

31. Dezember 2014, 12:00
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Wer 2014 auf Außenseiter gesetzt hat, konnte an der Börse viel verdienen. Zum Jahreswechsel keimen Sorgen auf, Experten beruhigen

Wien - Das Börsenjahr 2014 war geprägt von Rekorden, Volatilität und Korrekturen. Eine Mischung, die es Anlegern nicht leicht gemacht hat, die richtigen Titel zu finden. Wer sich in die Ferne wagte, konnte trotz aller Turbulenzen und trotz geopolitischer Risiken aber gut verdienen.

Mit einem Plus von 65,5 Prozent (auf Jahressicht und in Euro gerechnet) führt der Shanghai Composite Index das Ranking der weltweit wichtigsten Börsenindizes an. Fast 57 Prozent konnten an der Börse in Venezuela verdient werden - wenngleich der aktuell niedrige Ölpreis dem Land nun schwer zusetzt.

Nach Einschätzung von Analysten droht dem OPEC-Mitglied in wenigen Monaten der Bankrott. Auch Ratingagenturen halten einen Zahlungsausfall für nicht ausgeschlossen. Im März muss Venezuela rund eine Milliarde US-Dollar (815 Mio. Euro) an Staatsanleihen zurückzahlen. Insgesamt werden 2015 mehr als 30 Mrd. Dollar an Zahlungen fällig. Ein Plus von 50 Prozent konnte mit dem pakistanischen Karachi 100 Index verdient werden.

Krisenland Russland

Am meisten Geld verloren haben Anleger, die in Russland (minus 38,8 Prozent), der Ukraine (minus 32,2 Prozent) und in Griechenland (minus 29,8 Prozent) ihr Glück versucht haben. Enttäuscht hat auch der deutsche Dax, der zum Jahresende die Marke von 10.000 Punkten nicht überschritten hat - das war von vielen Analysten im Jahresverlauf spekuliert worden. Wenig erfreulich war das Jahr auch für die Wiener Börse. Der Leitindex ATX verlor im Jahresverlauf 15 Prozent.

In einem Ranking von Bloomberg, das die 103 wichtigsten Indizes zusammenfasst, liegt der ATX weit abgeschlagen auf Rang 96. Am heimischen Parkett konnte der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel mit einem Plus von 64,5 Prozent am meisten zulegen.

Der Kurs der Raiffeisen Bank International (RBI) hat sich hingegen halbiert. Die Bank kämpft mit den Folgen der Russland-Krise. Auch in der Ukraine droht Ungemach. Dort erwartet die RBI für ihre ukrainische Tochter Abschreibungen von mehr als einer halben Milliarde Euro, sagt Bankchef Karl Sevelda dem "Kurier".

Die Krise um Russland und die Ukraine, samt der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, haben in der zweiten Jahreshälfte auch für Korrekturen gesorgt. Vor allem der Rubelverfall (der Wertverfall summiert sich seit Jahresbeginn auf mehr als 50 Prozent) hat für einen Zulauf in den Dollar gesorgt - was wiederum den Euro gedrückt hat.

Amerika erholt sich

Die wirtschaftliche Erholung von Amerika und die damit verbundene Stärkung des Dollars hat zu einer großen Umverteilung des investierten Geldes geführt. Investoren haben in den ersten Monaten des Jahres ihr Geld im großen Stil aus den Schwellenländern abgezogen und in den USA investiert. Die Lage der Schwellenländer wurde durch Argentinien verschärft. Das Land kämpft mit Zahlungsschwierigkeiten, die aus einem Schuldenstreit rund um die Pleite Argentiniens 2002 resultieren. Während sich die Regierung mit den meisten Gläubigern auf einen Schuldenerlass und einen Umtausch von Anleihen einigte, kauften Hedgefonds Schuldtitel mit einem hohen Abschlag und verlangen eine volle Auszahlung. Das lehnte Argentinien ab, eine Lösung ist vorerst nicht in Sicht.

Rohstoffanleger hatten es 2014 auch nicht leicht. Das weltweite Überangebot ist es, das den Rohölpreis aktuell zu schaffen macht. Die Ölpreise sind seit dem Sommer um fast die Hälfte eingebrochen und sind so niedrig wie zuletzt im Frühjahr 2009. Das starke Wachstum der US-Schieferölproduktion sorgt zudem für ein hohes Angebot auf den Weltmärkten, zumal die OPEC bisher nicht mit einer Produktionskürzung auf den Preisverfall reagiert hat.

Gold legte in Euro zu

Wer sein Geld in Euro verdient und in Gold investiert hat, darf zufrieden sein: Im Londoner Goldhandel wurde die Feinunze (31,10 Gramm) zuletzt bei 1187,89 Dollar (973,92 Euro) gehandelt - damit liegt der Preis in Dollar gerechnet zwar gering unter dem Wert zu Jahresbeginn, in Euro ist er aber um zwölf Prozent gestiegen.

2014 gab es an den Börsen aber auch einen regen Neuzulauf. Mehr als 1200 Unternehmen (darunter Zalando, Rocket Internet oder die Buwog in Wien) wagten sich heuer rund um den Globus auf das Börsenparkett. Insgesamt holten sich diese Unternehmen 257 Milliarden Dollar von den Investoren. Vor allem der Börsengang von Alibaba hat für Aufsehen gesorgt. Am 19. September holte sich der chinesische Internethändler in New York 25 Milliarden Dollar und legte damit den weltgrößten Börsengang hin. Alibaba-Gründer Jack Ma wurde schlagartig zum reichsten Chinesen und ist mittlerweile auch der reichste Mann in ganz Asien.

Zu den Erfolgsmeldungen gehören heuer auch die US-Indizes, die mehrmals neue Höchststände verzeichnet haben. Sowohl der Dow Jones als auch der breiter gefasste S&P500 haben sich im Jahresverlauf deutlich verbessert.

foto: ap/michael probst
Wer in US-Aktien investierte, konnte sich 2014 über neue Höchststände freuen

Weltwirtschaft soll um 3,4 Prozent zulegen

Was aber erwartet Anleger für die kommenden Monate? Das Strategieteam von Axa-Investment-Managers erwarten, dass die Weltwirtschaft um 3,4 Prozent wächst - und damit ein wenig stärker als 2014 (3,3 Prozent). Für zusätzliches Aufwärtspotenzial von bis zu 0,25 Prozentpunkten könnte nach Ansicht der Axa-Ökonomen ein anhaltend niedriger Ölpreis sorgen. Wachstumsmotor unter den Industrieländern dürften auch 2015 die USA bleiben. "Das billigere Benzin und die niedrigere Inflation bescheren den US-Haushalten real ein höheres verfügbares Einkommen", heißt es im Ausblick.

Bescheidene Wachstumsraten werden hingegen für die Eurozone und Japan erwartet. In Europa keimt wegen der Neuwahlen in Griechenland nun aber die Sorge vor einem Wiederaufflammen der Euroschuldenkrise auf. Abzuwarten bleibt, ob und wann die EZB beginnt, Anleihen aufzukaufen. Von der US-Notenbank Fed wird hingegen 2015 eine leichte Zinsanhebung erwartet. Die Volatilität sollte sich 2015 zumindest wieder normalisieren, heißt es. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 31.12.2014)

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