Ökonom hät Euro-Austritt für Athen für ungefährlich

30. Dezember 2014, 16:18
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Der EU steht ein turbulentes Jahr bevor. Schuld daran ist vor allem Griechenland

Wien – EU-Wirtschafts- und -Währungskommissar Pierre Moscovici kritisierte vor dem Hintergrund der vorgezogenen Präsidentenwahl Vorschläge einiger griechischer linker Politiker, die Schulden des Landes nicht zu zahlen, als "selbstmörderisch". Es wäre schade, falls nach Jahren der Krise wieder das Thema "Grexit" (Austritt aus der Eurozone) hochkomme.

Der Ökonom Michael Hüther hält einen geordneten Austritt Griechenlands aus der Eurozone für ungefährlich. "Ich glaube, die Währungsunion könnte heute einen Austritt Griechenlands verkraften. Die Effekte der Ansteckung anderer Länder wären gering", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln der "Welt". "Eine griechische Regierung unter Alexis Tsipras von der linken Syriza-Partei wäre gegenüber der EU in einer schlechten Verhandlungsposition", so Hüther.

Es gab Fortschritte

"Die Erpressbarkeit Europas ist deutlich geringer als vor drei Jahren. Andere Länder wie Irland und Portugal haben sich aus der Krise gearbeitet, und es gab institutionelle Fortschritte wie die Banken-Union." Die griechische Bevölkerung werde sich bei dem Wahlgang "dreimal überlegen, ob sie einen anderen Weg einschlagen will", so der Ökonom. "Bei einem Euroaustritt droht dem ganzen Land eine gewaltige Verarmung und der Austritt aus der EU."

240 Mrd. Euro haben die EU und der Internationale Währungsfonds IWF bisher für die Griechenlandhilfe lockergemacht. Wie hoch der Anteil Österreichs daran ist, lässt sich nicht genau sagen, da ein Teil der Mittel im Eurorettungsschirm EFSF liegt, mit dem auch andere Krisenstaaten unterstützt werden, so das Finanzministerium. Der Haftungsrahmen der Euroländer für den EFSF beträgt 141,8 Mrd. Euro. An bilateralen Darlehen erhielten die Griechen von Österreich 1,557 Mrd. Euro. Die Haftungen Österreichs für den EFSF liegen bei rund drei Prozent der Gesamtsumme, unterstützt werden damit Irland, Portugal und Griechenland.

"Keine Sorgen"

Geht es nach Exfinanzministerin Maria Fekter (ÖVP), dann braucht sich Österreich jedenfalls keine Sorgen zu machen, dass die Kredite nicht zurückgezahlt werden. "Denn wir zahlen nur Geld, wenn wir sicher sein können, dass wir es – auch wenn es etwas länger dauert – wieder zurückbekommen. (...) Griechenland setzt seine Konsolidierung und seine Reformen fort und erreicht einen deutlichen Primärüberschuss in den öffentlichen Haushalten, sodass es seine Verpflichtungen erfüllen kann", so Fekter im Juni 2011 im Parlament. (red, APA, DER STANDARD, 31.12.2014)

  • Ende Februar läuft das Hilfsprogramm für Griechenland aus, allerdings steht eine letzte Tranche von sieben Milliarden Euro noch aus.
    foto: ap/thanassis stavrakis

    Ende Februar läuft das Hilfsprogramm für Griechenland aus, allerdings steht eine letzte Tranche von sieben Milliarden Euro noch aus.

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