Keltische Männer in hohen Positionen bekamen mehr Fleisch zu essen als ihre Frauen

1. Jänner 2015, 12:00
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Untersuchungen an Skeletten aus über 2.000 Jahre altem keltischem Gräberfeld in der Schweiz

Bern - Ausgrabungen bei einem mehr als 2.000 Jahre alten keltischen Gräberfeld im schweizerischen Kanton Bern lieferten zahlreiche neue Erkenntnisse über die Ernährungsgewohnheiten der Kelten. Unter anderem zeigten die Untersuchungen der Skelette aus dem 5. bis 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, dass Männer, besonders in sozial hohen Stellungen, öfter tierische Nahrung zu sich nahmen als Frauen.

Manchen der Männer wurden Waffen mit ins Grab gelegt. Die Wissenschafter vermuten deshalb, dass es sich bei ihnen um Krieger handelte. Diese Skelette wiesen besonders hohe Werte an tierischen Proteinen auf. Auch bei alten Menschen waren die Werte leicht erhöht. Grundsätzlich war die Basis der Ernährung allerdings für die gesamte Bevölkerung pflanzlich, Fisch wurde anscheinend nicht konsumiert.

Die Skelette stammen aus dem keltischen Gräberfeld von Münsingen-Rain im Kanton Bern. Sie wurden bereits 1906 ausgegraben und befinden sich heute im Historischen Museum in Bern. Insgesamt fand man 220 reich ausgestattete Gräber. "Ziel des Projektes war es, Informationen über Ernährung, Migrationsverhalten und soziale Stellung der Menschen damals zu erhalten", sagt Sandra Lösch, Leiterin der Abteilung Anthropologie. Sie und ihr Team untersuchten die Skelette des Gräberfelds. Mittels Massenspektrometer konnten die Forschenden die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel in den Knochen bestimmen. Laut Lösch waren auch Knochen von Kindern darunter, jedoch zu wenige, um über deren Ernährungsgewohnheiten statistisch signifikante Aussagen zu treffen.

Als die Kelten Rom plünderten

Das 4. und 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sind durch Migrationen keltischer Gruppen aus dem Gebiet nördlich der Alpen gekennzeichnet. In dieser Zeit drangen keltische Kriegerverbände bis nach Rom vor und plünderten und verwüsteten die Stadt. Die in Münsingen bestatteten Männer könnten Teil einer Kriegerelite gewesen sein, wie Lösch sagt: "Die Produktion tierischer Nahrungsmittel verschlingt mehr Ressourcen als jene pflanzlicher Nahrung. Fleisch wurde deshalb vor allem von Individuen in höheren sozialen Stellungen konsumiert." Die biochemische Analyse lasse somit den Schluss zu, dass die mit Waffen bestatteten Männer eine hohe Position innehatten.

Den Erkenntnissen der Wissenschafter nach war die Münsinger-Gruppe eine relativ homogene Gemeinschaft, es gab nur wenige Zuzügler. Die Daten weisen auch auf eine Veränderung der Nahrungszusammensetzung in den späteren Phasen des Gräberfeldes hin. Klimatische Schwankungen könnten damals die Vegetation beeinflusst haben, was sich in der Ernährung der Bevölkerung bemerkbar machte. Als nächstes möchten die Forscher andere keltische Gräberfelder aus der Schweiz untersuchen. Unter anderem wollen sie Vergleiche zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen durchführen und nach regionalen Unterschieden und Gemeinsamkeiten suchen. (red, derStandard.at, 1. 1. 2015)

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