Flüchtlinge aus dem Kalten Krieg gefährden US-Kuba-Annäherung 

1. Jänner 2015, 09:00
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US-Behörden hoffen auf Auslieferung von "Black-Panther"-Aktivisten - Kuba will Bombenleger vor Gericht stellen

Im April könnten sich beim Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten in Panama US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege Raul Castro treffen. Nach der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Staaten, die in Lateinamerika als historischer Schritt begrüßt wurde, könnte dort eine weitere Annäherung zwischen den bisher verfeindeten Staaten in die Wege geleitet werden.

Ein wichtiger Konfliktpunkt ist der Umgang mit Flüchtlingen: Zu Zeiten des Kalten Krieges gewährte Kuba zahlreichen von den US-Behörden gesuchten Aktivisten politisches Asyl, und konservative Politiker wie der potenzielle Präsidentschaftskandidat Chris Christie verlangen nun deren Auslieferung, bevor über eine weitere Annäherung verhandelt wird.

So müsse zum Beispiel die mittlerweile 67-jährige "Black Panther"-Aktivistin Joanne Chesimard, bekannt als Assata Shakur, in die USA abgeschoben werden, fordert Christie. Chesimard wurde 1977 wegen Polizistenmords verurteilt, konnte aber nach sechs Jahren aus einem US-Gefängnis fliehen und genießt seit 1984 politisches Asyl in Kuba.

fotos: ap, new jersey state police
"Assata Shakur" nach ihrem Verfahren 1977 und auf einem undatierten Fahndungsfoto.

Chesimard war die erste Frau auf der FBI-Liste der meistgesuchten Verbrecher, für ihre Festnahme ist ein Kopfgeld von zwei Millionen Dollar ausgeschrieben.

Dutzende Flugzeugentführungen

Neben Mitgliedern der afroamerikanischen Untergrundbewegung "Black Panthers" stehen vor allem Kämpfer für die Unabhängigkeit Puerto Ricos auf der Wunschliste der US-Behörden. Darunter befinden sich mehrere Flugzeugentführer. Bevor 1973 Metalldetektoren an den zahlreichen US-Flughäfen installiert wurden, wurden regelmäßig Flugzeuge gekapert und zur Landung auf der nur gut 200 Kilometer vom US-Bundesstaat Florida entfernten Insel gezwungen: allein im Jänner 1969 waren es zwölf Fälle.

Die Hijacker gingen oft davon aus, in Kuba sicher zu sein: "Ich erwartete, als Held empfangen zu werden", sagte William Potts, der als "Lt. Spartacus von der Black Liberation Army" 1984 eine Passagiermaschine nach Havanna entführte. Er hoffte, dort eine militärische Ausbildung absolvieren zu können, wurde aber auf dem Flughafen verhaftet und zu einer 13-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Nach seiner Freilassung durfte er allerdings in Kuba bleiben, heiratete eine Universitätsprofessorin und zeugte zwei Kinder, bevor er 2013 "aus Heimweh" in die USA zurückkehrte. Im Juli dieses Jahres wurde er dort zu 20 Jahren Haft verurteilt, kann aber wegen der bereits auf Kuba verbüßten Strafe auf vorzeitige Entlassung hoffen.

Kuba will Bombenleger zurück

Insgesamt genießen etwa 90 US-Bürger politisches Asyl auf Kuba. Doch auch die Regierung in Havanna hofft auf eine Auslieferung: Der ehemalige CIA-Agent Luis Posada Carriles war laut FBI 1976 an dem Anschlag auf Flug 455 der kubanischen Luftfahrtgesellschaft Cubana beteiligt, bei dem 73 Passagiere ums Leben kamen.

In Panama versuchte er im Jahr 2000, einen vollbesetzten Hörsaal zu sprengen, in dem Fidel Castro einen Vortrag halten sollte. Außerdem gibt er selbst zu, Anschläge auf kubanische Hotels organisiert zu haben, bei denen ein italienischer Tourist getötet und elf Menschen verletzt wurden.

foto: ap/alan diaz
Bombenleger Luis Posada Carriles mit Unterstützern in Miami.

Posada Carriles erzählte 1988 in einem Interview mit der "New York Times", von der CIA im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausgebildet worden zu sein. Er floh trotz Einreiseverbots 2005 aus Mexiko in die USA und lebt seitdem in Florida. (bed, derStandard.at, 30.12.2014)

  • Fahndungsplakat, Mai 2013
    foto: epa/new jersey state police

    Fahndungsplakat, Mai 2013

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