Facebook entschuldigt sich für Jahresrückblick mit toter Tochter

30. Dezember 2014, 12:58
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Web-Designer kritisierte automatische Erstellung

Wer sich auf Facebook einloggt, bekommt seit einigen Tagen einen bunten Jahresrückblick präsentiert. Ob man will oder nicht, stellt Facebook automatisch Ereignisse und Fotos zum "Year in Review" zusammen. Wer will, kann die Präsentation anpassen und mit anderen teilen. Für Web-Designer Eric Meyer war der Rückblick allerdings keine schöne Erinnerung. Facebook hat als Titelbild das Foto seiner verstorbenen Tochter gewählt.

"Unabsichtliche algorithmische Grausamkeit"

In einem Blogeintrag schreibt Meyer über seine Erfahrung mit dem Jahresrückblick. Im Juni war seine Tochter an ihrem sechsten Geburtstag verstorben. Ihr Foto war von vielen Personen gelikt worden, weshalb es automatisch als Titelfoto für den Rückblick gewählt wurde. Er wisse natürlich, dass es kein "beabsichtigter Angriff" durch Facebook gewesen sei. Die "unabsichtliche algorithmische Grausamkeit" sei das Resultat eines Codes und nicht eines gedankenlosen Menschen.

Für viele Personen würde das auch funktionieren und sie an schöne Ereignisse erinnern. Aber Menschen, die eine geliebte Person verloren oder andere Krisen durchlebt haben, würden sich vielleicht nicht so gerne daran zurück erinnern.

Kritik

Facebook hätte seiner Ansicht nach ein weniger aufdringliches Vorgehen wählen können. Der Rückblick taucht in der eigenen Timeline mehrfach auf, mit dem Hinweis, dass man ihn mit Freunden teilen könne. Über ein Drop-down-Menü rechts über dem Beitrag kann man auswählen, dass man ihn nicht mehr sehen möchte. Meyer kritisiert, dass viele Nutzer wohl nicht wüssten, dass sie ihren Rückblick verbergen können. Auch könnte Facebook zuerst fragen, ob überhaupt ein Jahresrückblick generiert werden soll.

Entschuldigung

Beim größten sozialen Netzwerk ist der Blogeintrag nicht spurlos vorübergegangen. Projektmanager Jonathan Gheller sagte zur "Washington Post", dass er mit Meyer Kontakt aufgenommen habe und es ihm "aufrichtig leidtue". Das zuständige Facebook-Team arbeitete daran, wie man den Rückblick für nächstes Jahr verbessern könne.

In einer Antwort auf die Entschuldigung schreibt Meyer, dass er das Entwicklerteam nicht angreifen wollte. Das Design der Algorithmen sei nicht dazu ausgelegt, Situationen wie seine zu berücksichtigen. Das sei aber nicht nur ein Fehler von Facebook. Vielmehr sei allgegenwärtig im Web, dass Worst-Case-Szenarien kaum bis gar nicht berücksichtigt werden. Das zu ändern werde viel Zeit und Übung in Anspruch nehmen. (red, derStandard.at, 30.12.2014)

  • Der automatische Jahresrückblick von Facebook kommt nicht bei jedem gut an.
    foto: dado ruvic / reuters

    Der automatische Jahresrückblick von Facebook kommt nicht bei jedem gut an.

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