31C3: Vortrag enthüllt neue Details zu NSA-Stationen in Österreich

30. Dezember 2014, 12:01
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Journalist Erich Möchel seziert anhand der Snowden-Dokumente, was NSA in Österreich treibt

17.000 akkreditierte Diplomaten, zahlreiche internationale Organisationen wie Uno, IAEA und Opec sowie eine aus historischer Perspektive brisante Lage zwischen Ost und West: Kein Wunder, dass Wien immer wieder als Metropole für Spione bezeichnet wird. Logischerweise mischt auch der US-Militärgeheimdienst NSA kräftig in Wien mit. Der investigative Journalist Erich Möchel (ORF) hat die Aktivitäten der Abhöragenten nun in einem Vortrag am 31C3 in Hamburg zusammengefasst.

Weiße Häuschen überall

Laut Möchel gibt es in Wien momentan drei wichtige NSA-Stationen. Zum einen wäre da die US-Botschaft im neunten Wiener Gemeindebezirk: Auf ihrem Dach findet sich ein ominöses weißes Häuschen, wie es schon auf US-Botschaften weltweit zu sehen war (etwa in Berlin) – es dient zum Abhören. Dokumente aus dem Fundus von NSA-Whistleblower Edward Snowden zeigen, was sich in diesen Kästen befindet. Die NSA gibt in diesen internen Folien auch klar an, dass sich solche Einheiten des "Special Collection Service" in "diplomatischen Einrichtungen" der USA (respektive von Partnerländern wie Großbritannien, Neuseeland, Australien oder Kanada) befänden.

Ausbau

Ein ähnliches Häuschen befindet sich auf dem IZD Tower, wo sich eine weitere US-Botschaft, die für die Vereinten Nationen zuständig ist, angesiedelt hat. Der dritte Standort ist die "NSA-Villa" in Pötzleinsdorf, die laut Möchel einst als analoge Überwachungsstation gedient haben soll. Mittlerweile befinde sie sich langsam in Auflösung, Mitarbeiter sollen Richtung IZD Tower übersiedelt werden. Die dortige US-Einrichtung, die sich in den obersten Stockwerken befindet, wird gerade ausgebaut. Dazu machte eine kuriose Stellenanzeige eines Architekten auf Facebook die Runde, der eine "clevere Person, die Englisch spricht", suchte.

Ideal verbunden

Die drei einzelnen Stationen sind durch ihre Standorte ideal durch ein Breitband-Netzwerk miteinander verbunden. Der Funkturm Exelberg diene dabei als Relais-Station, so Möchel in seinem Vortrag. Ein Großteil der Datenverarbeitung dürfte dabei im IZD Tower stattfinden. Denn obwohl das Hochhaus gerade einmal zehn Jahre alt ist, wurde vergangenen Frühling überraschend eine Klimaanlage installiert. Ein starkes Indiz für massive Computer, die beim Rechnen heißlaufen. Mysteriös sei auch, so Möchel, dass Mobiltelefone im Umkreis des IZD Tower oftmals nicht funktionieren. Das könnte mit Anti-Spionage-Tools zusammenhängen.

Glasfaser eher uninteressant

Dass die NSA auch österreichische Internetdaten absaugt, glaubt Möchel nicht – zumindest nicht in Österreich. Denn alle Daten fließen ohnehin nach Frankfurt, wo US- und deutsche Geheimdienste gemeinsam den Internetverkehr abschöpfen. Zusätzlich wandern die Daten über die britische Küste gen USA, wo der britische GCHQ eine weitere Absaugstation betreibt. In Österreich lasse sich nur "relativ schlecht" ein geeigneter Abschöpfpunkt im Netz finden, so Möchel. Allerdings zeigten Snowden-Dokumente, dass die NSA zumindest vereinzelt Netzwerke der Telekom Austria infiltriert haben soll. Die Mobilfunknetze interessieren die Agenten aus Fort Meade dagegen umso mehr.

Königswarte: Gemeinsam lauschen

Schließlich widmet sich Möchel der Königswarte, die er bereits in einigen Artikeln analysiert hat. Der ORF-Journalist ist sicher, dass die dortigen Abhöreinrichtungen auf zivile Satelliten gerichtet sind, um etwa Kommunikation zwischen Schiffen oder auf Großbaustellen abzuhören. Laut Möchel koste der Betrieb der Anlage jährlich mindestens zehn Millionen Euro, was angesichts der Budgetnot im Bundesheer Fragen aufwerfe. Abschließend zeigte sich Möchel empört, dass die österreichische Regierung offenbar derartig eng mit den US-Behörden kooperiert. Die Neutralität werde mit Füßen getreten, so Möchel. Er will demnächst neue Recherche-Ergebnisse präsentieren.

  • Der investigative Journalist Erich Möchel recherchiert seit Monaten zu den NSA-Stationen in Wien.
    foto: sum/std

    Der investigative Journalist Erich Möchel recherchiert seit Monaten zu den NSA-Stationen in Wien.

  • Folien aus dem Snowden-Archiv zeigen, was sich in den ominösen weißen Kästchen auf Botschaftsdächern befindet.
    foto: screenshot

    Folien aus dem Snowden-Archiv zeigen, was sich in den ominösen weißen Kästchen auf Botschaftsdächern befindet.

  • Über den Sendeturm Exelberg sollen die NSA-Standorte laut Möchel kommunizieren.
    foto: cc by sa 3.0 / vnbn

    Über den Sendeturm Exelberg sollen die NSA-Standorte laut Möchel kommunizieren.

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