Heftiger Streit im Rennstall Ferrari

30. Dezember 2014, 09:37
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Der neue und der ehemalige Präsident des Formel-1-Wettbewerbers Ferrari liegen sich in den Haaren

Der frühere und der neue Präsident der berühmtesten Sportwagenfirma der Welt, Ferrari, liegen sich in den Haaren. Sergio Marchionne, Fiat-Chrysler-CEO und seit kurzem auch Ferrari-Chairman, hat erstmals Ex-Präsident Luca di Montezemolo öffentlich für die jüngste sportliche Misere des traditionsreichen Formel-1-Rennstalls verantwortlich gemacht.

Montezemolo, seit wenigen Wochen Alitalia-Präsident, setzte sich sofort zu Wehr: Der Vorwurf stimme nicht, die mäßigen Ergebnisse des Formel-1-Teams der letzten Jahre seien nicht in seinen Entscheidungen begründet. Die Aussage Marchionnes zeuge von mangelndem Respekt für ihn und das Ferarri-Team. Tatsache ist, dass Ferrari für 2014 zwar keine sportliche, aber eine wirtschaftliche Rekordbilanz aufweist.

Polemik kein Ansporn

"Polemik über die Vergangenheit ist kein Ansporn für die Zukunft", meinte Ferrari-Großaktionär Piero Ferrari. Er hält zehn Prozent des von seinem Vater gegründeten Rennstalls, die restlichen 90 Prozent kontrolliert Fiat Chrysler Automobiles (FCA). Befürchtet wird, dass der Streit zwischen Ex- und derzeitigem Ferrari-Chairman einen Imageschaden bewirken könnte.

Und dies kann sich der Autokonzern kurz vor dem im ersten Halbjahr 2015 geplanten Börsengang nicht leisten. Denn Sergio Marchionne plant Ferrari aus dem FCA-Konzern auszugliedern und vorerst zehn Prozent an die Börse in New York zu bringen. Der Börsenwert wird auf 15 Mrd. Dollar geschätzt.

Cash-Abgang

Marchionne will sich vor der Abspaltung an Ferraris Cash-Beständen bedienen. Er plant, 2,25 Mrd. Euro Barmittel bei Ferrari abzuziehen. Diese sollen zum FCA-Schuldenabbau und zur Finanzierung der geplanten Modelloffensive genutzt werden. Ein Börsengang von Ferrari war von verschiedenen Investoren immer wieder gefordert, von Montezemolo aber stets abgelehnt worden.

Nachdem Ferrari-Chairman Montezemolo mit Fiat-Chef Marchionne über die neue Strategie nicht einig war, nahm Montezemolo den Hut. Keinesfalls soll das Spin-off mit Beteiligung der FCA-Aktionäre dazu führen, dass andere Autokonzerne den Stolz der italienischen Autoindustrie übernehmen, meinte Marchionne. Er liefert sich seit Jahren Scharmützel mit VW, nachdem Patriarch Ferdinand Piëch mehrfach Interesse an der Fiat-Marke Alfa Romeo gezeigt hatte. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 30.12.2014)

  • Sportlich läuft es für Ferrari nicht, wirtschaftlich schon.
    foto: epa/valdrin xhemaj

    Sportlich läuft es für Ferrari nicht, wirtschaftlich schon.

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