15 Vorsätze für das Medienjahr 2015

30. Dezember 2014, 05:30
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Neue Presseförderung, neues ORF-Gesetz, neue "ZiB" - und Österreich-Inhalte von "NZZ " bis RTL

Wien - Was Medien 2015 erwartet und erwarten: Vorsätze und Brandsätze, Dauerbrenner und Hoffnungen. Dazu am Ende dieser Serie die Aussichten auf das Fernsehjahr. Erst ein paar Vorsätze:

1. Blätter und Pages fördern

Der Zeitungsverband VÖZ will eine neue Presseförderung durchbringen. Medienminister Josef Ostermayer (SPÖ) verlangt seit Jahren ein gemeinsames Modell der Verleger. Vor Weihnachten bekam er es. Der Journalist schreibt von "umfassender Infrastrukturförderung". Das klingt vor allem nach Vertriebsförderung, die bisher allen Tages- und Wochenzeitungen querbeet zugutekommt. Der VÖZ fordert seit Jahren 50 Millionen Euro Presseförderung, künftig auch für digitale Medien; heuer waren es nur noch 8,7 Millionen.

Um vielfach mehr Förderung zu finanzieren, kursiert lange die Idee der Haushaltsabgabe: Seit in Deutschland alle Haushalte unabhängig vom Empfang zahlen müssen (und das GIS-Pendant nach Meldedaten einhebt), stiegen die Einnahmen um dreistellige Millionenbeträge. Müssen alle Haushalte Gebühren zahlen, ließe sich mit den Mehreinnahmen wohl höhere Presseförderung finanzieren - auch wenn die ORF-Tochter GIS hier längst auf Meldedaten zugreifen kann. Kanzleramt und ÖVP, die eine Rundfunk-Haushaltsabgabe bisher skeptisch sahen, bestätigen den Empfang eines VÖZ-Papiers, bewerten es nun und schweigen über Inhalte. VP-Mediensprecher Gernot Blümel sieht aber "interessante Aspekte, etwa Digitalpresseförderung".

2. Höhere Rundfunkgebühr

Apropos Gebühr: ORF-General Alexander Wrabetz versprach Mitte Dezember: Für 2015 ist keine Gebührenerhöhung budgetiert. Wenn sie nicht mit dem neuen ORF-Budget im Frühjahr 2015 (wegen Neuanstellungen) doch kommt, muss der ORF 2016 berechnen, ob die Gebühren auch künftig reichen. Und spätestens 2017 anpassen - also erhöhen.

3. Neues ORF-Gesetz

SPÖ und ÖVP sollen an kleinen Erleichterungen für ORF und Privatsender basteln, etwa weniger Beschränkungen für Sponsorings in Sportübertragungen, die der ORF übernimmt. Privatradios sollen in Funkhäusern zusammenarbeiten dürfen, ohne damit ihre Lizenzen zu gefährden. ORF-Novellen kommen gerne ganz klein in den Nationalrat und entpuppen sich auf dem Weg ins Plenum dann als "Trägerraketen" für größere Änderungen. Da reicht die Fantasie von ORF-Forderungen wie einem zusätzlichen (digitalen) Jugendradio; ORF-Apps, die nicht zugleich als ORF-Website angeboten werden müssen; die Medienbehörde soll nur noch neue ORF-Angebote prüfen, die mehr als zehn Millionen Euro kosten; Promotion für ORF 3 auf anderen Kanälen. Bis zu einer neuen ORF-Führung, womöglich mit zwei oder mehr Vorständen statt eines Alleingeschäftsführers und Anpassungen an die geplante neue ORF-Struktur mit einem zentralen Infochef.

4. Neues Outfit für die "Zeit im Bild"

Im Februar will der ORF Österreichs meistgesehene Nachrichtensendung rundumerneuern.

5. Kochshow für den ORF

Ernsthaft dürfte der Küniglberg an einer Hauptabend-Kochshow arbeiten. (Vorbild-)Format "Master Chef" läuft in dutzenden Ländern. Vielleicht findet etwa Roland Trettl - nach Dietrich Mateschitz' Ikarus - Zeit zu jurieren.

6. Radio-Player

Privatsender wie Kronehit, Antenne Steiermark und Life Radio planen einen gemeinsamen Online-Radioplayer für Livestreams.

7. Video-Plattform

ORF-Newsvideos auf Zeitungsplattformen, von der Werbung sollen beide profitieren. Das viele Monate gewälzte Projekt soll 2015 aus der Rubrik Dauerbrenner in die Umsetzung wechseln.

8. ORF-Flix

Filme und Serien gegen Geld bietet der ORF auf Flimmit.at an: 2015 will er das Portal überarbeiten und wie geplant die Mehrheit übernehmen. Wenn die EU-Wettbewerbsbehörde mitspielt, die zuletzt prüfte, ob sie die Übernahme genauer prüfen will. Dann ein Fall für die Rubrik Brandsätze 2015.

9. Programm für Österreich

hat sich Vermarkter Walter Zinggl auf einem der RTL-Fernsehkanäle für 2015 vorgenommen. Eher nicht auf RTL oder Vox.

10. Content für Österreich

Die Neue Zürcher Zeitung will am 21. Jänner ihren digitalen Österreich-Ableger NZZ.at offiziell starten. Die Seite mit Bezahlinhalten aus Stammhaus und Österreich-Redaktion gilt als NZZ -Test für den deutschen Markt.

11. Gedrucktes für Österreich

ist für 2. April avisiert: Ein slowakischer Verlag kündigt eine österreichische Ausgabe des US-Wirtschaftsmagazins Forbes an.

12. Gedrucktes für Deutschland

Verlagsriese Bauer plant im Frühjahr eine deutsche Version des US-Promimagazins "People".

13. Den Magazinriesen drehen

Horst Pirker, seit Juni Chef der News-Gruppe, will Österreichs größtes Magazinhaus 2015 wieder auf Vordermann bringen; der Abschluss für 2014, wohl mit Verlust, wird Lasten auch der vergangenen Jahre schlucken.

14. "News" ganz neu

Chefredakteurin Eva Weissenberger soll das Wochenmagazin höher positionieren, wohl mit einigen neuen Kräften im Team.

15. Neuer Chef für "Kleine"

Die Kleine Zeitung Kärnten braucht nach Weissenberger einen Chefredakteur, offenbar wieder eine Frau. Für den Fall tippt man im Mutterhaus auf Carina Kerschbaumer, Elisabeth Zankel, beide Kleine Graz, oder Antonia Gössinger, Klagenfurt. (fid, DER STANDARD, 30.12.2014)

  • Was Publikum und Branche erwartet.
    foto: standard

    Was Publikum und Branche erwartet.

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