Grüner Volker Plass stößt Debatte über Polit-Charakter an

30. Dezember 2014, 05:29
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Zehn Thesen für bessere Politiker: Allgemeinbildung und Engagement wichtiger als Fachkenntnisse

Wien - Zu den Weihnachtsfeiertagen hat Volker Plass die Arbeit in seinem Einpersonenunternehmen ruhen lassen, hat einen Familienbesuch bei der 100 Jahre alten Großmutter gemacht und anschließend über das Leben und die Politik nachgedacht. Plass ist nämlich neben seiner Tätigkeit in der Werbebranche (und als Autor des einschlägigen Buches Stadtschriften über die Typografie der Werbung an Geschäftslokalen) auch Politiker - als Spitzenkandidat der Grünen Wirtschaft bei der Wirtschaftskammerwahl 2015.

Zu Weihnachten stellte er auf seiner Facebook-Seite eine nach eigener Definition wahrscheinlich unvollständige Liste von "Zehn Eigenschaften, die gute Politikerinnen haben sollten" vor - und löste damit eine Grundsatzdiskussion aus, die nicht nur in seiner eigenen Partei aufgegriffen wurde.

Hier die Thesen von Plass:

  • Empathie: "Als Politiker muss man die Menschen mögen, sonst macht man den Job nicht gut. Da Wähler fast so unmöglich sind wie Politiker, hält man es anders nicht lange mit ihnen aus."
  • Lebenserfahrung: "Politiker sollten vor ihrem Einstieg in die Politik einen politikfernen Beruf ausgeübt haben. Am besten in der Privatwirtschaft."
  • Bildung: "Entgegen der weit verbreiteten Annahme setzt Politik nicht unbedingt Experten-Wissen voraus. Gute Politiker können im Prinzip jedes Ressort leiten. Trotzdem unabdingbar: eine solide Allgemeinbildung, ein Grundverständnis für Zahlen, Fremdsprachen-Kenntnisse sowie die prinzipielle Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden."
  • Netzwerk: "Erstklassige Politiker haben nicht nur erstklassige Mitarbeiter, sondern auch ein weites, wenn möglich internationales Netzwerk von Beratern, auf deren Meinung sie Wert legen. Einige Künstler befinden sich darunter."
  • Charisma: "Politik wird von Menschen vermittelt. Und politische Kommunikation läuft (leider) nur zu einem sehr geringen Teil über Fakten und Inhalte, sondern vorrangig über Emotionen. Wer das nicht aushält, kann es ja in der Wissenschaft versuchen."
  • Offenheit: "So einfach, aber bei Spitzen-Politikern dennoch so selten vorhanden: immer wieder die eigene Meinung zu hinterfragen, Menschen mit anderen Meinungen zuzuhören, die eigene Unwissenheit zugeben zu können."
  • Unabhängigkeit: "Darunter ist nicht nur absolute Unbestechlichkeit zu verstehen. Politiker sollten auch konkrete berufliche Lebensziele für die Zeit nach der Politik haben."
  • Weitsicht: "Gute Politiker sollten 30 bis 50 Jahre vorausdenken. Das ist eine der schwierigsten Herausforderungen, da die Wähler langfristiges Denken zwar einfordern, aber jene Politiker, die es damit wirklich ernst meinen, nur allzu gern gleich bei der nächsten Wahl abstrafen."
  • Enthusiasmus: "Wer für seine Sache nicht brennt, wer nicht gestalten, sondern nur verwalten will, ist in der Politik fehl am Platz. Das betrifft besonders die Fähigkeit, andere Menschen für neue Ideen zu motivieren."
  • Kompromissfähigkeit: "Politik ist die Kunst, Interessengegensätze zu verhandeln. Diplomatisches Geschick und Geduld sind hier Goldes wert, stehen jedoch in unmittelbarem Spannungsverhältnis zum vorherigen Punkt." (Conrad Seidl, DER STANDARD, 30.12.2014)
  • Grüner Vordenker Plass: Politiker brauchen nicht nur erstklassige Mitarbeiter, sondern auch ein Netzwerk, in dem unter anderem Künstler vertreten sein sollten.
    foto: urban

    Grüner Vordenker Plass: Politiker brauchen nicht nur erstklassige Mitarbeiter, sondern auch ein Netzwerk, in dem unter anderem Künstler vertreten sein sollten.

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