Studie: Minister sollten offen über Probleme reden

30. Dezember 2014, 05:30
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Zielstrebig, gewillt, über Probleme zu reden, und anpassungsbereit wünschen sich die Österreicher die Regierungsmitglieder

Wien - Vielleicht ist es ja besser, wenn die Bevölkerung nicht so genau weiß, welche Probleme auf unser Land zukommen. Diese Hypothese testete die Politik- und Medienforscherin Sabine Beinschab vom Österreichischen Gallup-Institut Anfang Dezember. 500 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte wurden befragt - doch nur jeder Elfte wollte sich der Aussage anschließen.

In ihrer Studie "Erwartungen an Minister" hat Beinschab ein Idealbild von Regierungsmitgliedern entworfen, wie sie sich die österreichische Bevölkerung wünscht: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit stehen dabei an erster Stelle.

"Knapp 90 Prozent der Bevölkerung wünschen sich, dass Minister auch Probleme bzw. unangenehme Dinge klar an die Bevölkerung kommunizieren", heißt es in der Studie - allerdings: Nur elf Prozent glauben, dass Minister derzeit Informationen zeitgerecht an die Bevölkerung weitergeben.

Sehnsucht nach Transparenz

Beinschab zum STANDARD: "Man erwartet, dass die Bevölkerung zuerst über Probleme informiert wird und sich die Politiker daraufhin rasch um eine Lösungsfindung kümmern. Die Menschen haben eine Sehnsucht nach Transparenz."

Den Befragten wurden folgende Alternativen vorgelegt:

  • Delegation an die Experten: "Die Politik sollte ohne Information an die Bevölkerung Probleme und unangenehme Themen unmittelbar beheben und anschließend die Lösung an die Bevölkerung kommunizieren" - diese Vorgangsweise wird nur von 15 Prozent gutgeheißen.
  • Krisenkommunikation: "Die Politik sollte Probleme und unangenehme Dinge unmittelbar an die Bevölkerung kommunizieren und sich daraufhin um eine Lösungsfindung kümmern" - dem können sich 76 Prozent anschließen (die übrigen neun Prozent machten keine Angabe).

Wichtig sei, dass man die Erfolge auch klar messen könnte, meint die Forscherin, die seit 2007 bei Gallup tätig ist - auch wenn das in der Praxis schwierig ist: "Nachdem wir so lange Stillstand wahrnehmen, sehnt man sich danach, dass endlich etwas passiert."

Zielstrebigkeit versus Populismus

Gewünscht würden zielstrebige Politiker mit klarem Profil - aus der Regierung nennt Beinschab den ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner und aus der Opposition den FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als Beispiele. Für ihre Studie hat sie folgende Aussage abgetestet: "Ein Minister sollte für seinen Bereich klare Ziele setzen und diese nach außen an die Bevölkerung kommunizieren." Dem stimmten 86 Prozent zu, ältere Befragte etwas mehr als jüngere. Gleichzeitig wünschen sich auch 42 Prozent (besonders Bewohner ländlicher Regionen), dass sich Minister laufend an die Meinung der Bevölkerung anpassen. Beinschab: "Da steckt schon ein gewisser Populismus drin." (Conrad Seidl, DER STANDARD, 30.12.2014)

  • Studienautorin Beinschab: "42 Prozent sind der Ansicht, Minister müssten sich laufend der öffentlichen Meinung anpassen. Da steckt schon ein gewisser Populismus drin."
    foto: gallup

    Studienautorin Beinschab: "42 Prozent sind der Ansicht, Minister müssten sich laufend der öffentlichen Meinung anpassen. Da steckt schon ein gewisser Populismus drin."

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