Tom Steyer: Der grüne Milliardär der USA

30. Dezember 2014, 08:00
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Tom Steyer hat sein Vermögen als Investor gemacht – auch mit Kohle. Jetzt steckt er sein Geld in demokratische Wahlkämpfe. Sein Ziel: den Klimawandel aufhalten

Rote Krawatte zu hellem Hemd, Lausbubengesicht und ein einziges politisches Thema: Der Milliardär Tom Steyer schickt sich an, den erzkonservativen Koch-Brüdern, die mit Millionen von Dollar die Kriegskassen der Republikaner füllen, Konkurrenz zu machen. Sein Ziel: den Klimawandel stoppen. Und das lässt er sich auch einiges kosten.

Der 57-jährige ehemalige Hedgefonds-Manager aus San Francisco hat vor den Midterm-Elections im November dieses Jahres laut dem Magazin "Forbes" 74 Millionen US-Dollar in die Unterstützung demokratischer Kandidaten investiert. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Brüdern Charles und David Koch, die über die Organisation Americans for Prosperity mit rund 125 Millionen US-Dollar republikanische Kandidaten unterstützten, die eine strengere Klimapolitik ablehnen.

foto: ap photo/manuel balce ceneta
Tom Steyer ist reich und Demokrat. Mit seinem Vermögen unterstützt der 57-Jährige Kandidaten, die sein Anliegen teilen: den Klimawandel zu stoppen.

Im Gegensatz zu den beiden Brüdern, die an der Spitze eines Unternehmenskonglomerats stehen und ihre politischen Unterstützungsleistungen über Strohmänner und Tarnfirmen an die jeweiligen Empfänger fließen lassen, legt Steyer die Geldflüsse an politische Kandidaten offen. Seine Gelder fließen über die von ihm 2013 gegründete Umweltorganisation NextGen Climate, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, den Klimawandel zu stoppen und nachhaltige Energieressourcen zu fördern.

Investmentfonds machte ihn reich

Sein Vermögen machte Steyer, der in Yale Wirtschaft und Politik studierte und anschließend die Stanford Business School absolvierte, mit dem von ihm 1986 gegründeten Investmentfonds Farallon Capital Management. Das Besondere an Steyers Firma war die Praxis des sogenannten Absolute-Return-Investments. Er versprach seinen Anlegern eine positive Rendite, unabhängig von den jeweils aktuellen Rahmenbedingungen am Finanzmarkt. Vor der Gründung seiner eigenen Firma hat Steyer in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren bei Goldman Sachs und Morgan Stanley gearbeitet.

Kohle mit Kohle gemacht

2012 steigt Steyer bei Farallon Capital Investment aus. Auf der Website der Umweltorganisation NextGen Climate schreibt er über die Gründe dafür: Klimawandel sei nicht schon immer auf seinem Radar gewesen, aber seine Prioritäten hätten sich verschoben. Nachdem er mehr über die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels gelernt habe, habe er auch nicht länger bei seiner Firma bleiben können. Steyers Investmentfonds hat, salopp gesagt, nämlich auch Kohle mit Kohle gemacht, also aus Investitionen in fossile Energie Kapital geschlagen. Das sei ihm durchaus bewusst gewesen, auch deswegen habe er sich 2012 entschieden, Farallon zu verlassen.

keystone truth
Tom Steyer erklärt, warum die Pipeline Keystone XL seiner Meinung nach gestoppt werden muss.

Keystone XL: Eigeninteresse oder Gemeinwohl

Steyers Profite aus dieser Zeit sind natürlich Brennstoff in der Gerüchteküche seiner politischen Gegner. Steyer würde allein aus Eigeninteresse die geplante Pipeline Keystone XL ablehnen, die von Kanada bis nach Texas führen soll. Denn Keystone sei die Konkurrenz für das texanische Unternehmen Kinder Morgan, das Erdgas- und Erdölpipelines betreibt, und Kinder Morgan sei Teil des Investment-Portfolios von Steyers Unternehmen.

Die Website Politifact.com hat diesen Vorwurf auf seinen Wahrheitsgehalt geprüft. Korrekt ist, dass Steyer einen Teil seines Vermögens mit Investitionen in fossile Brennstoffe gemacht hat. 2012 ist er aus seinem Unternehmen ausgeschieden. Mit seinem Rücktritt hat er auch veranlasst, dass sein privates Vermögen, das zum Teil noch in Farallon Capital steckt, nicht in Unternehmen investiert werden soll, die mit Teersand und Kohle ihr Geld machen. Das betrifft auch die Investitionen in Kinder Morgan.

Mittlerweile hat sich Farallon aus dem Geschäft mit fossiler Energie komplett zurückgezogen. Politifact.com zitiert eine Sprecherin des Unternehmens, die sagte, dieser Prozess sei im Juni 2014 abgeschlossen gewesen. Der Vorwurf, Steyer würde weiterhin sein Geld mit Investitionen in Unternehmen verdienen, die fossile Brennstoffe fördern oder transportieren, ist demnach nicht mehr korrekt. Dennoch, einige der Kohleminen und Kohlekraftwerke, in die Farallon investierte, werden noch bis zu 30 Jahre aktiv sein.

Verpflichtung, zu geben

Steyers philanthropisches Engagement begann aber nicht erst mit der Gründung von NextGen Climate im Jahr 2013, schon 2010 engagierte er sich im US-Bundesstaat Kalifornien, als es darum ging, dort ein Klimagesetz durchzusetzen, das den CO2-Ausstoß erheblich reduzieren sollte. Im selben Jahr hat er sich gemeinsam mit anderen Milliardären wie Warren Buffett und Bill Gates dazu verpflichtet, mindestens die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Projekte zur Verfügung zu stellen. Welches Ereignis in seiner Biografie den Wandel zum Philanthropen auslöste, ist allerdings nicht ersichtlich.

foto: reuters/kevin lamarque
Suchbild: US-Präsident Obama und Kongressabgeordnete Nancy Pelosi zu Gast bei Tom Steyer in San Francisco.

Eine Bank und ein Bauernhof

Bereits 2007 hat Tom Steyer gemeinsam mit seiner Frau Kat die Beneficial State Bank gegründet – eine sogenannte Community Development Bank, die zwar wie eine reguläre Bank funktioniert, sich aber zum Ziel gesetzt hat, bei ihrer Kreditvergabe besonderes Augenmerk auf das wirtschaftliche Fortkommen von niedrigen und mittleren Einkommensschichten zu legen. Tom und Kat Steyer betreiben auch eine Ranch in Pascadero, etwa eine Autostunde südlich von San Francisco entfernt, die sich der biologischen Land- und Viehwirtschaft verschrieben hat.

Steyer ist regelmäßiger Gast auf den Parteitagen der Demokraten, wo er sich als Unternehmer und "stolzer Demokrat" präsentiert und auch 2012 eine Brandrede für einen Wandel in der Klimapolitik hielt. Noch unterstützt Steyer Kandidaten, die seine Positionen teilen, aber gerüchteweise überlegt er, selbst zu kandidieren. Vielleicht 2018, wenn der Posten als Gouverneur von Kalifornien zur Wahl steht. (mka, derStandard.at, 29.12.2014)

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