Leitl erwartet Gesetz für Crowdfunding und Start-Up-Finanzierung

29. Dezember 2014, 13:03
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Alternativen nötig, weil Banken mit Krediten geizen

Weil traditionelle Banken nicht können oder dürfen, sollen alternative Finanzierungsquellen für kleinere Firmen und Projekte forciert werden: Crowdfunding, Mittelstandsfinanzierung, Kleinfinanzierungen. Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl drängt. "Wir brauchen gesetzliche Grundlagen für 2015. Das muss sehr kurzfristig gehen, im ersten Halbjahr. Sonst wirkt es nicht mehr für 2015."

Kreditvergabe

Er mache den Banken keinen Vorwurf, sagt Leitl, dass diese die Kreditvergabe eher einschränkten als ausweiteten und wegen der Regulierungen höhere Sicherheiten verlangen müssten. Neue konjunkturstimulierende Mittelstandsfinanzierungen und Crowd-Funding-Strukturen seien ein Gebot der Stunde, wenn man 2015 nicht wieder Monat für Monat steigende Arbeitslosenzahlen verkünden wolle. Bei mehr als 30.000 Firmen-Neugründungen im Jahr würden im Schnitt 60.000 neue Jobs entstehen, für Leitl am derzeit tristen Arbeitsmarkt eine relevante Größe.

Wenn die Chefs großer Banken nun aber selber sagten, sie könnten als klassische Kreditinstitute Start-Ups nicht mehr finanzieren, müssten alle Alarmglocken klingeln, sagte Leitl am Montag zur APA. Voriges Jahr habe sich Österreich noch getröstet, dass man europaweit die besten Arbeitsmarktzahlen habe. Das sei heuer nicht mehr der Fall. Nun würden zudem die Konjunkturprognosen laufend nach unten revidiert.

Beispiel Staudinger

Einer breiteren Öffentlichkeit nahegebracht wurde die Geld-/Kapitalbeschaffung ohne Banken durch den Kampf des Waldviertler Schuhherstellers Heini Staudinger, der bei regionalen Kunden, Bekannten und Freunden Geld fürs Geschäft und nötige Investitionen aufgestellt hat. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte Staudingers Anspar- bzw. Darlehensmodell mittels Crowdfunding als verbotene Bankgeschäfte eingestuft.

Bedenken der Aufseher, bankenunabhängige Spar- und Kreditmodelle würden wieder ein Sammelbecken für jede Menge schwarze Schafe, müssten mit entsprechender Aufsicht ausgeräumt werden, meint man in der Wirtschaftskammer. Leitl: "Aber man kann den Leuten viel mehr Verstand und Eigenverantwortung einräumen als ihnen Politik und Aufsicht zubilligen."

"Staudinger war ein Signal für ein neues Denken, das wir in Österreich dringend nötig haben", sagt Leitl. "Wir sind, was solche Finanzierungen und insgesamt Venture Capital betrifft, in Europa leider weit hinten. Und Europa ist wiederum weit hinter den USA."

"Zum Haareraufen" findet der Kammerpräsident, dass es mit der schon lang verlangten Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft noch nichts geworden ist. (APA, 29.12.2014)

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