Verletzungsfrei durch die Silvesternacht

Video30. Dezember 2014, 17:05
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Jährlich verletzen sich durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörper mehr als 600 Personen in Österreich schwer

Auch heuer wird es wieder laut, hell und spektakulär in der Silvesternacht sein. "Die Österreicher lieben nach wie vor großes Feuerwerk wie Batterien und Raketen," sagt Sabina Wuschitz, Pyrotechnikhändlerin aus Vösendorf. Um das neue Jahr gebührend willkommen zu heißen, werden jährlich mehrere Millionen Euro ausgegeben.

Doch wie schön Feuerwerke auch sind, jährlich verletzen sich durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuerwerkskörper mehr als 600 Personen in Österreich schwer. Verbrennungen im Gesicht und am ganzen Körper sowie schwere Verletzungen an den Händen sind die Folge. Zusätzlich erleiden tausende Bürger schwerste Hörschäden. 97 Prozent der Unfallopfer sind männlich, und ein Viertel der Verletzten ist unter 14 Jahren.

Armin Kaltenegger, Bereichsleiter für Recht und Normen beim Kuratorium für Verkehrssicherheit, ist davon überzeugt, dass viele dieser Unfälle durch wenige Tipps zu verhindern seien. "Wenn beim Einkauf, bei der Vorbereitung und dann bei der Durchführung einige Tipps befolgt werden und der Hausverstand eingeschaltet wird, dann ist man auf der sicheren Seite", so Kaltenegger (für Tipps zu den einzelnen Schritten siehe das Video).

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Grundsätzliches Verbot der Verwendung von F2-Artikeln

Das Pyrotechnikgesetz unterscheidet je nach ihrer Gefährlichkeit vier Kategorien von Feuerwerkskörpern. Lediglich Artikel der ersten beiden Kategorien F1 und F2 können ohne pyrotechnische Sach- und Fachkenntnis erworben und verwendet werden. Unter zwölf Jahren dürfen pyrotechnische Artikel weder gekauft noch verwendet werden (auch nicht der Kategorie F1).

Zur Kategorie F1 gehören Artikel mit sehr geringer Gefahr und einem vernachlässigbarem Lärmpegel: Knallerbsen, kleine Fontänen, Wunderkerzen, kleine Feuerkreisel etc. Diese Artikel dürfen auch in geschlossenen Räumen verwendet werden. Altersbeschränkung: ab zwölf Jahren.

Zur Kategorie F2 zählen Artikel mit geringer Gefahr und einem geringen Lärmpegel. Dazu zählen gekennzeichnete Artikel der Kategorie F2 wie Silvesterraketen, Verbundbatterien, Vulkane, (große) Fontänen etc. Auch Knallkörper (mit Blitzknallsatz) wie beispielsweise Schweizer Kracher (Piraten), deren Verkauf seit dem 1. Juli 2013 verboten, jedoch der Verbrauch von Restbeständen noch bis 2017 erlaubt ist, fällt unter diese Kategorie (siehe Erklärung im Video, welche Knallkörper weiterhin erlaubt sind).

Der Erwerb von F2-Artikeln ist ab 16 Jahren erlaubt. Die Verwendung dieser Artikel ist jedoch im Ortsgebiet und innerhalb beziehungsweise in unmittelbarer Nähe von größeren Menschenmengen (auch außerhalb des Ortsgebietes) grundsätzlich ganzjährig verboten. Um Ausnahmen kann bei den zuständigen Ämtern angefragt werden. "Gerade zu Silvester gibt es aber sicherlich keine strenge Umsetzung des Pyrotechnikgesetzes. Die Polizei kontrolliert hier nicht so streng. Hier wird nur versucht, das Schlimmste zu vermeiden, Unfälle zu verhindern und Brände und der gleichen hintanzuhalten", so Kaltenegger.

Zusätzlich gibt es seit dem Pyrotechnikgesetz 2010 noch pyrotechnische Gegenstände für Bühne und Theater der Kategorien T1 und T2, sonstige pyrotechnische Gegenstände der Kategorien P1 und P2 sowie lose pyrotechnische Sätze der Kategorien S1 und S2. Die Kategorien T1 und P1 dürfen ab 18 Jahren und die Kategorie S1 ab 16 Jahren ohne Fachkenntnis erworben werden. Alle anderen Kategorien erfordern Fachkenntnisse.

Eigenexperimente sind häufige Unfallursache

Eine häufige Unfallursache sind in Österreich nach wie vor die zahlreichen pyrotechnischen Selbstversuche vieler Laien. Durch die Unkenntnis über physikalische Phänomene bei der Manipulation oder der Selbsterzeugung von Feuerwerkskörpern sind viele nicht in der Lage, die Explosionswirkung zu kalkulieren. "Wir raten vor Selbstversuchen dringend ab. Ab nächstes Jahr wird es diesbezüglich noch eine strengere Regelung geben und die Selbstversuche noch ausdrücklicher verboten werden", so das KfV.

Vorsicht vor unseriösen Onlineangeboten

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) warnt des Weiteren vor unseriösen Angeboten im Internet. "Es wird versprochen, dass die Feuerwerkskörper lauter sind, höher und länger fliegen. Auf diese Angebote sollte man aber nicht reinfallen. Denn möglicherweise kriegt man dort etwas, was man im normalen Handel zu Recht nicht bekommt", so der Rechtsexperte des KfV.

Die Versprechungen über vermeintlich leistungsfähigere Feuerwerkskörper gehen einher mit einer erhöhten Verletzungsgefahr, denn bei vielen dieser Onlineartikel wisse man nicht, woher sie kommen und ob sie den österreichischen und europäischen Sicherheitsstandards entsprechen. "Es gibt genügend Produkte, die man bei österreichischen Pyrotechnikhändlern ganz seriös erwerben kann und sich dann auch ganz sicher sein kann, dass bei sachgemäßer Verwendung der eigenen Familie, Freunden und einem selbst nichts passieren kann", so Kaltenegger. (Siniša Puktalović, derStandard.at, 30.12.2014)

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