Lizard Squad: Sony und Microsoft sind "Affen hinter Computern"

28. Dezember 2014, 17:50
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Hackergruppe nutzt "Inkompetenz" von Betreibern – Xbox Live und PlayStation Network zu Weihnachten lahmgelegt

Seit Monaten plagen sich Microsoft und Sony mit regelmäßigen Attacken auf ihre Spielenetzwerke Xbox Live und PlayStation Network. Immer wieder gelang es den Unbekannten, die Dienste zum Teil oder sogar vollständig außer Gefecht zu setzen. Obwohl die letzte Welle an Attacken sogar angekündigt war, konnten die beiden Konzerne nicht verhindern, dass Millionen von Spielern über Weihnachten die Freude an ihren Konsolen gehörig verhagelt wurde.

Lizard Squad, das "Echsenteam", nennt sich die Gruppierung, die sich zu den Lahmlegungs-Aktionen bekennt und denen bislang weder die Behörden noch feindlich gesinnte Hacker etwas anhaben konnten. Daily Dot ist es gelungen, Kontakt zu zwei Mitgliedern herzustellen. Ihre Authentizität wurde mittels Twittereinträgen, IRC-Nachrichten und Homepage-Änderungen verifiziert.

"Echsen" foppen Nutzer und Kim Dotcom

Neben den Angriffen auf Xbox Live und das PSN betrieben Lizard Squad auch User-Erpressung auf Twitter. Für 5.000 Retweets ihrer Botschaft binnen zwei Minuten versprachen sie, ihren laufenden Angriff einzustellen, nur um kurz darauf die Zehntausendfache Weiterverbreitung und das Folgen ihres Twitter-Accounts zu fordern.

Kurzes Aufatmen gab es, als sich der IT-Entrepreneur Kim Dotcom einschaltete und den Hackern 3.000 Premiumzugänge zu seinem Filesharingdienst "Mega" im Gegenzug für einen Angriffsstopp zusicherte. Die "Echsen" willigten ein und kurzfristig waren Xbox Live und das PSN zumindest teilweise wieder zugänglich. Doch bald darauf begann die Attacke von neuem, während Lizard Squad nach eigenen Angaben bereits 300 der 3.000 Mega-Zugänge verkauft und somit 15.000 Dollar erwirtschaftet hatte.

Angriff soll mit bis zu 1,2 Terabit/s erfolgt sein

Mit sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) zwangen die Hacker die Games-Dienste in die Knie. Dabei werden deren Server mit einer großen Menge an sinnlosem Traffic beschossen, dass deren Kapazitäten nicht mehr ausreichen, um sie abzuarbeiten, was sich für Spieler darin äußert, dass der Login unmöglich ist.

Mit bis zu 1,2 Terabit pro Sekunde sollen die Server von Microsoft und Sony bombardiert worden sein, erklären die Vertreter des Kollektivs. Stimmt diese Zahl, dann wäre dies rund drei Mal so viel wie ein im Februar verzeichneter Angriff auf den CDN-Anbieter Cloudflare.

"Affen hinter Computern"

Doch wieso überhaupt diese Angriffe und der damit verbundene Frust für Xbox- und PlayStation-Besitzer? Man würde das zum Spaß machen, so die zusammengefasste Antwort von Lizard Squad. Es gehe darum, die "Inkompetenz" von Microsoft und Sony zu nutzen und zu beweisen, dass jeder, der versprechen würde, sie zu stoppen, ein Lügner wäre.

Microsoft und Sony seien "Affen hinter Computern", die besser Leute anstellen sollten, die wissen, was sie täten. "Würde ich bei Microsoft oder Sony arbeiten", so einer der Hacker mit dem Pseudonym Ryan Cleary selbstbewusst, "könnte ich diese Angriffe auf jeden Fall stoppen". Mehr Bandbreite, spezielles Equipment und korrekte Konfiguration würde es benötigen, auch wenn es letztlich um die "Programmierfertigkeiten" ginge. Das Geld für solche Maßnahmen sollten Sony und Microsoft ohnehin besitzen, meint er.

Angeblich Zugriff auf wichtige Infrastruktur

Zu Lizard Squad sollen einige Leute mit "sehr spezifischen Kenntnissen" gehören, die über direkten Zugang zu wichtiger Infrastruktur der Netzwerke hätten. Auch habe man Zugriff auf Geräte, die direkt mit jenen Unterseekabeln verbunden seien, die Europa und die USA verbinden. Somit könne man Leitungen kontrollieren, über die Daten mit hunderten Gigabit pro Sekunde fließen würden. "Nicht einmal die russische Regierung führt Angriffe aus, die so groß sind wie unsere", protzt Cleary.

Keine Angst vor Enttarnung

Das "Finest Squad", eine rivalisierende Gruppierung, die Lizard Squad enttarnen und stoppen möchte, empfindet man bei Lizard Squad als "Wannabe-Hacker" mit "lächerlicher" Homepage.Die beiden Befragten sind überzeugt, nicht "doxxbar" zu sein. "Doxxen" steht für das Veröffentlichen von Name, Adresse und anderen persönlichen Informationen anderer User im Internet.

Den Würgegriff um Xbox Live und das PlayStation Network hat die Gruppierung mittlerweile gelockert. Nächstes Ziel ist das Anonymisierungs-Netzwerk Tor, dessen Betrieb man aber bislang noch nicht beeinträchtigen konnte. (gpi, derStandard.at, 28.12.2014)

  • Spaß und die "Inkompetenz" von Microsoft und Sony waren für Lizard Squad die Motivation dafür, Xbox Live und das PlayStation Network mehrfach lahmzulegen.

    Spaß und die "Inkompetenz" von Microsoft und Sony waren für Lizard Squad die Motivation dafür, Xbox Live und das PlayStation Network mehrfach lahmzulegen.

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