Kindle Unlimited: Autoren kritisieren Amazons E-Book-Flatrate

28. Dezember 2014, 13:18
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Mehr Leser, doch weniger Verdienst – Angst vor Ausblendung bei Nichtteilnahme

Mit Kindle Unlimited hat Amazon sein Sortiment an Flatrate-Angeboten vor einigen Monaten um E-Books und Hörbücher erweitert. Dies ermöglicht es Kunden, aus einem Angebot an E-Books zu wählen, das mittlerweile mehr als 700.000 Werke umfasst. Dafür verlangt der Online-Handelsriese rund zehn Dollar im Monat. In Deutschland und Österreich werden zehn Euro verlangt.

Doch Autoren, vor allem jene, die ihre Bücher selbst über Amazon veröffentlichen, sind verärgert über den Büchertarif. Sie monieren einen drastischen Einnahmenentfall, wie die New York Times berichtet.

Deutlicher Einnahmenrückgang

Vor einem halben Jahr noch hätten einige Autoren ihren Hauptberuf aufgegeben, mit der Perspektive, künftig vom Schreiben leben zu können, schildert E-Book-Berater Bob Mayer. Nun würden sie wieder in ihre alten Jobs zurückkehren oder kämen finanziell kaum noch über die Runden.

Allgemein kämpft man bereits damit, dass der Umsatz der Branche nach starken Zugewinnen in den Vorjahren seit 2013 nur noch deutlich langsamer wächst. Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Autoren und Bücher. Kindle Unlimited verschlimmere diese Situation.

Autorin Holly Ward, ihren Lesern auch unter "H. M. Ward" bekannt, gibt an, dass ihr Einkommen nach zwei Monaten im Kindle Unlimited-Programm um 75 Prozent zurückgegangen ist. "Ich konnte nicht mehr zusehen", erklärt sie in einem Kindle-Forum und zog sich von Kindle Unlimited zurück. Ihre Bücher sind nun nur noch auf normalem Wege erhältlich.

Furcht vor Werbestopp

Zwar ist für niemanden die Partizipation bei Kindle Unlimited verpflichtend, doch die Autoren fürchten, dass ein Rückzug dazu führen könnte, dass ihre Werke nicht mehr von Amazon beworben werden. Jene Leser, die einst wie verrückt tausende Dollar jährlich für Liebesromane im Jahr ausgegeben hätten, bringen mittlerweile weniger als 120 Dollar im Jahr ein, sagt Ward. "Das kann weder für Amazon, noch für die Autoren gut gehen", meint sie. Während sie zu den wenigen Autoren gehört, die ihre Bücher auch über andere Plattformen anbieten darf, müssen sich fast alle Independent-Verfasser zu Exklusivität verpflichten.

Zuletzt hatte Amazon im Streit mit dem Hachette-Verlag offensiv um selbstverlegende Schreiber geworden. Doch diese fühlen sich mittlerweile wie einer von vielen Zulieferern für den Konzern und befürchten, dass dieser für sie letztlich die Situation im Vergleich zu traditionellen Verlagen nicht verbessern werde. Mittlerweile gibt es Gedanken zur Formung einer Gewerkschaft.

Fluktuation

Amazon betont regelmäßig, dass man 70 Prozent der Einnahmen aus Büchern an die Verfasser weiterreiche – viel mehr als normale Verlagshäuser. Bei Kindle Unlimited fluktuiert der Auszahlungsbetrag pro Leihe jedoch zum Teil heftig. Lag er im Juli etwa noch bei 1,80 Dollar, fiel er im Oktober auf 1,33 Dollar und war im November mit 1,39 Dollar wieder etwas höher. Wie umfangreich das Buch ist spielt dabei ebensowenig eine Rolle wie sein Einzelverkaufspreis.

Das stellt insbesondere jene Autoren vor Probleme, die nicht bereits über eine große, treue Anhängerschaft verfügen, erläutert Mayer. Die Schwemme an neuen Büchern erschwere es zudem, sich mit Qualität durchzusetzen. Wenn man als Autor nun auch selber für das Marketing sorgen müsse, könne man seine Bücher gleich über die eigene Homepage anbieten, meint dazu der ehemalige Anwalt und Autor Michael Henderson.

Doch selbst die Schreiber mit treuer Fangemeinde stehen unter Druck, erinnert Ward. "Wenn man nicht konstant neues Material veröffentlicht, wird man von den Leuten vergessen." (gpi, derStandard.at, 28.12.2014)

  • Selbstverleger sind unglücklich über Einnahmenentfall durch Kindle Unlimited.

    Selbstverleger sind unglücklich über Einnahmenentfall durch Kindle Unlimited.

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