Schwulenhochzeit in Ägypten: Haftstrafe reduziert

27. Dezember 2014, 17:13
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Viele Angehörige der jungen Männer brachen bei Urteilsverkündung zusammen

Kairo - Wegen einer angeblichen Schwulenhochzeit auf dem Nil sind acht Ägypter zu jeweils einem Jahr Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht in der Hauptstadt Kairo senkte am Samstag die Freiheitsstrafe herab, wie die Zeitungen "Al-Ahram" und "Al-Masry al-Youm" berichteten. In erster Instanz im November hatte der Richterspruch wegen "Anstachelung zu unsittlichem Verhalten" noch drei Jahre gelautet.

Zur Urteilsverkündung durch das Berufungsgericht hatten sich Familienangehörige und Freunde der jungen Männer in einem Gerichtssaal in Kairo versammelt. Als die nun einjährige Haftstrafe verkündet wurde, brachen viele von ihnen zusammen, weil sie mit einem Freispruch gerechnet hatten. "Sie haben mir das Herz geraubt", rief eine Mutter. "Mustafa ist verloren, seine Zukunft ist dahin", weinte eine andere.

Das Verfahren beruht auf einem umstrittenen Video, das im Internet für Aufsehen gesorgt hatte und vielfach geteilt wurde. Es wurde auf einem Ausflugsboot auf dem Nil gefilmt und zeigt zwei Männer, die sich unter dem Gejohle von Freunden küssen, Ringe austauschen und einen Kuchen mit einem Bild der beiden anschneiden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde das Video auf einer Schwulenhochzeit gedreht und illegal veröffentlicht. Einer der Verurteilten beteuerte dagegen in einer Fernsehtalkshow, das Video zeige eine Geburtstagsfeier. Anderen Berichten zufolge beteuerten die Angeklagten, dass es sich bei dem Video um einen Scherz gehandelt habe.

Homosexualität nicht strafbar

Da Homosexualität nach dem geltenden Recht des mehrheitlich muslimischen Landes nicht strafbar ist, wurden die Beschuldigten im November in erster Instanz wegen "Veröffentlichung unzüchtiger Aufnahmen" verurteilt. Medizinische Untersuchungen haben nach Angaben des Justizministeriums ergeben, dass die acht Männer keinen gleichgeschlechtlichen Sex hatten.

Obwohl Homosexualität in Ägypten nicht ausdrücklich verboten ist, werden immer wieder Männer wegen "unsittlichen Ausschweifungen" oder "der Verletzung öffentlichen Anstands" verurteilt. Dabei ziehen die Richter Begründungen wie "Verhöhnung der Religion" oder "gegen den Islam verstoßende Sexualpraktiken" heran. Derzeit müssen sich wegen "Unzüchtigkeit" auch 26 Besucher eines Badehauses vor Gericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, sich dort regelmäßig zu homosexuellen Orgien getroffen zu haben. Im April wurden vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt, weil sie nach Darstellung der Anklage "abartige Partys" gefeiert und Frauenkleidung getragen hatten. (APA, 27.12.2014)

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