Kroatien auf zögerlicher Suche nach Adria-Öl

27. Dezember 2014, 15:00
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Kroatien will in der Adria Erdöl und Gas fördern. Sechs Unternehmen – darunter angeblich die OMV – haben ein Angebot gelegt

Eigentlich sollte die Entscheidung längst getroffen sein. Die kroatische Regierung hat 60 Tage Zeit, um die Lizenzen für die Bohrungen nach Öl und Gas in dem kroatischen Teil der Adria zu vergeben. Am 3. November gingen bereits die Angebote von sechs Erdölförderunternehmen ein. Doch das Wirtschaftsministerium in Zagreb zögert seither. Dabei hatte Zeljka Rukavina von der Agentur für Kohlenwasserstoffe (Azu), die für die Ausschreibung zuständig ist, vergangene Woche dem "Standard" noch mitgeteilt, dass die Entscheidung der Regierung über die ausgewählten Anbieter noch heuer erwartet werde.

Frist bis 2. Jänner

Doch nun ist die Regierung offensichtlich auf Weihnachtspause. Sollte Zagreb jedoch die Frist bis 2. Jänner versäumen, könnten die potenziellen Investoren ihre Angebote widerrufen, die Bankgarantien rückfordern und sogar den kroatischen Staat verklagen. Die Sache ist also heikel. Kroatien erwartet Investitionen über zwei Milliarden Euro durch die Konzessionsvergabe. Auch der Ruf als Investitionsstandort steht angesichts der Zögerlichkeit auf dem Spiel.

Die Konzession für die Bohrungen soll für fünf Jahre erteilt werden, danach sollen für 25 Jahre Konzessionen für die tatsächliche Förderung vergeben werden. Sicher ist, dass die sechs Bieter Bohrungen in 15 von 29 Feldern, die vor der kroatischen Küste in der Adria bemessen wurden, durchführen wollen. Die Felder sind zwischen 1000 und 1600 Quadratkilometer groß. Kroatischen Medien zufolge soll es sich bei den Bietern um die heimische Ina, die italienische Eni, die österreichische OMV, die amerikanische Firma Marathon Oil und die britische MedOil handeln. Der Name des sechsten Bieters wurde nicht kolportiert.

Vorbild Italien

Die Eni hat bereits Erfahrung in Kroatien und produziert mit der Ina Gas in der nördlichen Adria. Die Italiener gelten den Kroaten ohnehin als Vorbild. Die Azu verweist etwa darauf, dass es auf der kroatischen Seite im Süden keine Ölexploration im Gegensatz zu Italien gäbe. Italien habe 1405 Bohrlöcher, von denen 67 Öl förderten. Kroatien habe nur 168 Bohrlöcher, von denen 48 Gas produzierten. Grundsätzlich erwartet man, dass im nördlichen Teil der Adria eher Gas gefunden wird, im südlichen Teil eher Erdöl.

Kroatien kann bisher seinen Gasbedarf zu 70 Prozent, den Ölbedarf zu 20 Prozent durch heimische Förderung abdecken. Kroatien möchte nicht nur selbst von Importen unabhängiger werden, sondern auch auf Krk ein Flüssigerdgas-Terminal aufbauen, um zu exportieren. Das norwegische Unternehmen Spectrum hat deshalb im vergangenen Jahr seismische Messungen durchgeführt. Rukavina berichtet, dass nach der neuen Datenlage das vielversprechende Potenzial bestätigt worden sei. Man könne jetzt noch nicht voraussagen, ob Kroatien ein Gasexporteur werde. "Aber sicherlich haben wir große Chancen", so Rukavina zum "Standard".

Schiffsrouten beachten

Bei Bedenken von Umweltaktivisten verweist die Azu auf die strengen EU-Direktiven. Zusätzlich befänden sich die 29 Felder jeweils mindestens zehn Kilometer von der Küste und sechs Kilometer von den Inseln entfernt. Die Investoren müssen auch Schiffsrouten, Touristengebiete, archäologische und Fischereizonen beachten. Kroatien will die Offshore-Förderung von Erdöl und Erdgas ausdehnen. Aber auch ein Onshore-Angebot läuft gerade. (Adelheid Wölfl aus Zagreb, DER STANDARD, 27.12.2014)

  • Kroatien will die Offshore-Förderung von Erdöl und Erdgas ausdehnen. Aber auch ein Onshore-Angebot läuft momentan.

    Kroatien will die Offshore-Förderung von Erdöl und Erdgas ausdehnen. Aber auch ein Onshore-Angebot läuft momentan.

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