Sozialer Wohnbau in Wien de facto "eingefroren"

26. Dezember 2014, 16:22
667 Postings

Sozialexperte fordert eine Arbeitslosenanwaltschaft

Wien - Geht es um die Bekämpfung von Armut, dann werden folgende große Themenbereiche genannt: Gesundheit, Wohnen und Bildung. In diesen Bereichen, so die Armutskonferenz, herrsche kommendes Jahr dringender Handlungsbedarf.

"Wohnen wird das Topthema", ist sich Sozialexperte Martin Schenk sicher. Besonders Wien wachse, "ohne dass es ein ausreichendes Angebot an leistbaren Wohnraum gibt". Der soziale Wohnbau sei de facto "eingefroren", klagt Schenk. Den von Armut Betroffenen würden zwei weitere Maßnahmen helfen: Bei der bedarfsorientierten Mindestsicherung - derzeit rund 800 Euro für eine Einzelperson - müssten die tatsächlichen Mietkosten berücksichtigt werden (wie derzeit in Tirol). Und es brauche einen Ausbau bei der Delogierungsprävention - diese gibt es nämlich noch nicht flächendeckend.

Im Gesundheitsbereich stellt Schenk einen Anstieg vor allem bei den psychischen Erkrankungen, wie etwa Depressionen, fest. Die Armutskonferenz erarbeitet gerade eine Studie, für die Betroffene befragt werden. Was sich schon abzeichnet: Es gibt Schwierigkeiten beim Zugang zu Psychotherapie allgemein und zu Notdiensten auf dem Land. "Entweder wird das nicht bezahlt, oder die Warteschlangen sind ewig lang", sagt Schenk.

Beim Themenkomplex Bildung wird vorgeschlagen, "Brennpunktschulen" finanziell besser auszustatten. Außerdem spricht man sich für Sozialarbeit an den Schulen und für ein Ganztagsystem aus, "weil es entlastet und Fördermaßnahmen leichter möglich sind". Was in Österreich auch fehlt, sei eine Art Arbeitslosenanwaltschaft - also eine unabhängige Beschwerdeinstanz, vergleichbar mit der Patienten- oder Volksanwaltschaft. (pm, DER STANDARD, 27.12.2014)

  • Sozialexperte Martin Schenk: sozialen Wohnbau forcieren.
    foto: diakonie

    Sozialexperte Martin Schenk: sozialen Wohnbau forcieren.


Share if you care.