Russischer Finanzminister: Rubelkrise beendet

26. Dezember 2014, 15:18
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Die Währungsreserven Russlands sind erstmals seit 2009 unter die Marke von 400 Milliarden Dollar gerutscht

Moskau - Die russische Regierung hat ungeachtet eines kräftigen Inflationsanstiegs sowie des rasanten Schwundes der Devisenreserven die Währungskrise für beendet erklärt. Die Turbulenzen auf dem Devisenmarkt seien nach Ansicht der Regierung vorüber und der Rubel erstarke wieder, erklärte Finanzminister Anton Siluanow am Donnerstag.

Der Rubel war vergangene Woche wegen des rasanten Ölpreisrückgangs sowie wegen der westlichen Sanktionen in der Ukraine-Krise auf den tiefsten Stand seiner Geschichte gefallen. Die Währung erholte sich jedoch wieder etwas, nachdem die Behörden entschieden gegen den Kursverfall vorgegangen waren.

Die russischen Gold- und Devisenreserven sind durch die Stützungskäufe auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen. Die Moskauer Notenbank bezifferte die Reserven auf 398,9 Milliarden Dollar (327,1 Mrd. Euro) - ein Rückgang von 15,7 Milliarden Dollar (12,8 Mrd. Euro) innerhalb einer Woche. Zuletzt war die Summe im August 2009 unter 400 Milliarden Dollar gelegen. Die Notenbank hat heuer insgesamt mehr als 80 Milliarden Dollar (65,47 Milliarden Euro) zur Stützung des Rubel ausgegeben.

Nach Angaben der Regierung in Moskau hat der Wertverlust des Rubels die Inflationsrate zuletzt auf 10,4 Prozent erhöht. Bis Jahresende könne die Preissteigerung sogar auf rund elf Prozent steigen. Die Preissteigerung hatte zuletzt während der Finanzkrise 2009 die psychologisch wichtige Schwelle von zehn Prozent überschritten.

Die österreichische Immofinanz bietet inzwischen Mietern ihrer fünf Moskauer Shoppingcenter Hilfe gegen den Rubelverfall an. Wenn offene Beträge bis Februar beglichen werden, erhalten die Retailer eine für drei Monate begrenzte Wechselkurs-Fixierung ihrer Mietzahlungen in Höhe von 40 Rubel pro Dollar bzw. 50 Rubel pro Euro. CEO Eduard Zehetner erklärte, man glaube an den russischen Markt und werde diese lokale Krise gemeinsam mit den Mietern durchstehen. Man erwarte aber nicht, dass sich die Situation in Russland kurzfristig deutlich verbessere.

Leistbar soll für Russen der Genuss von Wodka bleiben. Präsident Wladimir Putin hat von den Behörden eine Begrenzung des Preisanstiegs des inoffiziellen Nationalgetränks gefordert. Auf einem Treffen mit Vertretern der Regierung und der Gouverneure sagte Putin, ein zu hoher Wodkapreis fördere die Schwarzbrennerei, und dieser Alkohol sei noch riskanter für die Gesundheit als der legal hergestellte. Die russische Regierung hat in den vergangenen Jahren immer wieder Anstrengungen unternommen, mittels Preissteigerungen Alkoholmissbrauch in den Griff zu bekommen. Die Begrenzung des Wodkapreises dürfte daher auch das Ziel haben, die Popularität Putins in der angespannten Wirtschaftslage zu festigen. (Reuters, kat, DER STANDARD, 26.12.2014)

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