Russland-Krise erfasst gesamte Raiffeisen-Gruppe

24. Dezember 2014, 12:32
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Moody's hat die Raiffeisen Bank International, die RZB und die Landesbanken herabgestuft. Die Ratingagentur befürchtet schwerwiegende Auswirkungen der Russland-Krise

London/Wien – Die Ratingagentur Moody's hat Raiffeisen ein zweifelhaftes Geschenk unter den Christbaum gelegt. Nach der Herabstufung der Moskauer Tochter der Raiffeisen Bank International (RBI) kam es in der Nacht auf Mittwoch knüppeldick für den gesamten Sektor. RBI, ihr Mutter Raiffeisen Zentralbank (RZB) und sechs Landesbanken wurden von Moody’s um eine Bonitätsnote herabgestuft.

Tenor der Agentur: Der abgestürzte Rubel und die Zinsexplosion in Russland schwächen Ertrags- und Kapitalkraft der Gruppe. Gleichzeitig erhöhten sich die Kreditrisiken in dem einstigen Hoffnungsmarkt, der bis dato der ertragsstärkste der RBI war. Moody's spricht auch die enge Verflechtung und Abhängigkeit in dem Sektor an: Sinkende Gewinne der RBI schlagen sich direkt auf deren Hauptaktionärin RZB und in weiterer Folge in Form geringerer Dividendenausschüttungen auf die Landesbanken durch. Letzteren gehört die RZB.

Von A3 auf Baa1

Konkret wurde das Rating für langfristige RBI-Schulden von A3 auf Baa1, jenes der RZB von Baa1 auf Baa2 zurückgenommen. Damit rangiert das Spitzeninstitut nur noch zwei Noten über dem Prädikat spekulativ. Moody's fügt hinzu, dass in einem "adversen" Szenario höhere Kapitalquoten erforderlich wären, um die Raiffeisen-Bankengruppe vor Verlusten zu schützen. Folglich reduzierte die Agentur auch die Bonitätseinschätzung für die Raiffeisenlandesbanken Niederösterreich-Wien und Oberösterreich von A3 auf Baa1.

Alle vier genannten Banken wurden zudem mit einem negativen Ausblick versehen, womit weitere Abstufungen drohen. Vier weitere Landesbanken (Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg) werden in Bezug auf die Abschwächung ihrer finanziellen Stärke noch unter die Lupe genommen.

Russland-Turbulenzen

Wie berichtet hat der Markt in den letzten Wochen äußerst nervös auf die Russland-Turbulenzen reagiert. RBI waren unter den früheren Tiefstwert von zwölf Euro auf ein Alltime-low gestürzt, die Risikoaufschläge (Credit Default Swaps; CDS) verdoppelten sich. Auch eine Entwarnung der Bank, wonach die Russlandgeschäfte heuer trotz der Krise deutlich profitabel bleiben sollen, konnte die Zweifel nicht zerstreuen. Spekulationen über eine Privatplatzierung von nachrangigen Anleihen der RZB wurden nicht kommentiert. Zudem wurde bekannt, dass RBI ihre Tochter in Polen verkaufen will.

Ebenfalls von der Russlandkrise getroffen wird die Bank Austria. Moody's hat den Ausblick ebenfalls in der Nacht auf Mittwoch auf negativ gesetzt. (as, derStandard.at, 24.12.2014)

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