Die kultigsten und skurrilsten Retro-Games für die Feiertage

24. Dezember 2014, 10:38
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Von "Jazz Jackrabbit" bis "Elf Bowling" und Drogen-Pudding für Santa Claus - ein Überblick

Wenn die Geschenke ausgepackt, die Weihnachtsgans verspeist ist und die Gäste gegangen sind, verschlägt es so manchen an den langen dunklen Winterabenden vor den Rechner. Die Festzeit bietet dabei Gelegenheit zu einem Rückblick der besonderen Art, versprühen doch Schnee und Weihnachtszeit oft einen besonderen Reiz auf Spieleentwickler.

Nach den besten Gratisspielen für Weihnachten hat der GameStandard in der Vergangenheit geforscht und allerlei kultige und skurrile Spiele-Oldies für gemütliche Stunden aufgetan.

foto: jazz jackrabbit

"Jazz Jackrabbit: Holiday Hare"

DOS

Mitte der 1990er-Jahre versuchte Epic Megagames mit dem grünen Hasen "Jazz Jackrabbit" einen Konkurrenten zu Segas Sonic und anderen Plattformer-Helden zu erschaffen. Anno 1994 schickte man den grünen Nager auf zur Rettung der Prinzessin Eva, die vom Schildkröten-Bösewicht Devan Shell entführt worden war.

Das Spiel erfreute sich nicht nur dank seines Gameplay, sondern auch aufgrund seines jazzig-rockigen Synthesizer-Soundtracks großer Beliebtheit. Mit "Holiday Hare" und "Holiday Hare 95" schickte Epic dem Shareware-Game zwei Add-ons mit Weihnachtslevels hinterher.

Auch der 1998 erschienene Nachfolger "Jazz Jackrabbit 2" (Windows, Mac) bekam ein Weihnachts-Addon namens Holiday Hare 98. Für Langlebigkeit bis heute – laut Wikipedia gibt es eine aktive "Jazz2"-Szene mit rund 500 Mitgliedern – sorgten der beigelegte Leveleditor und die Möglichkeit, sich auf einem Rechner, über das lokale Netzwerk und das Internet miteinander in verschiedenen Spielmodi zu messen.

Mit einem späteren Auftritt am Gameboy Advance (2002) endete die bisherige Karriere von Jazz. Eine ursprünglich geplante 3D-Umsetzung des Jump-&-Runs wurde vor Fertigstellung eingestampft. "Jazz Jackrabbit 2" läuft auch auf aktuellen Windows-Systemen (getestet mit Windows 8.1 x64) problemlos, Teil 1 kann über die DOS-Box gestartet werden (am besten mit der D-Fend-Oberfläche zu verwenden).

foto: ski or die

"Ski or Die"

Amiga, C64, DOS, NES

Das 1990 erschienene "Ski or Die" von Electronic Arts war für den heutigen Games-Giganten eine wohl logische Wintersport-Auskopplung zum drei Jahre zuvor releasten "Skate or Die". Der Spieler konkurriert in fünf Events gegen Computergegner oder im Hotseat gegen einen Mitspieler.

Zu bestreiten sind Abfahrtsrennen mit waghalsigen Sprunggelegenheiten, ein Reifenrennen mit der Möglichkeit, den gegnerischen Untersatz mit Gabel oder Messer zu bearbeiten, ein klassischer Freestyle-Trickbewerb jeweils für Ski und Snowboard (in der Half-Pipe) und eine Schneeballschlacht. Ebenfalls mit dabei: Der legendäre Highscore-Wärter Rodney Recloose.

Das Spektakel auf Brettern lässt auch heute noch spielen. Notwendig dafür ist allerdings ein Emulator, wie etwa die bereits genannte DOS-Box.

foto: xmas lemmings

"Xmas Lemmings"

u.a. DOS, Windows, C64, Amiga

Keine sehr vorteilhafte Darstellung erfuhren die Lemminge, eigentlich eine Wühlmausart, im bekannten Knobelspiel "Lemmings" von Psygnosis. Das erschien im Februar 1991 zum ersten Mal und stellt die possierlichen Nager als uniforme Bleichgesichter mit grünen Haaren dar.

Sie vom jeweiligen Levelbeginn an ihr Ziel zu führen, obliegt dem Spieler, der den Rackern dafür unterschiedliche Aufgaben zu teilen kann. Das Reperoir reicht vom Gräber, bis zum Stopper oder Brückenbauer. Gelegentlich muss sich einer der Lemminge auch mittels Selbstsprengung für das höhere Ziel aus dem Spiel nehmen.

1991 und 1992 erschienen mit "Xmas Lemmings" zwei kostenlose Demos mit jeweils vier Level in festlicher Optik. 1993 und 1994 wurden diese auf 16 Level aufgestockt und kommerziell vertrieben, wobei es auch eine weiterhin gratis verfügbare, vier Level starke "Mini-Version" zu ihrer Bewerbung gab. Die 1994er-Ausgabe bietet darüber hinaus alle 64 Karten des Spiels in einer Zweispielerausführung. "Lemmings" wurde später auch für Windows 95 und in verschiedener Ausführung für unzählige andere Plattformen umgesetzt.

Wer sich heute am Original versuchen will, kann wiederum zum Emulator greifen. Alternativ bietet sich auch diverse kostenlose Klone und eine Browserumsetzung des Games zum Zeitvertreib an.

foto: mario64

"Mario 64: Cool, cool Mountain"

N64, Nintendo DS, Wii Virtual Console

Marios erster 3D-Auftritt in "Mario 64" ist ein Erlebnis, von dem heute noch viele Spiler schwärmen. Im Schloss von Prinzessin Peach und zahlreichen dort zugänglichen Welten sucht der Klempner nach goldenen Sternen, um sich einmal mehr Erzfeind Bowser entgegen stellen zu können.

Ein besonderes Highlight des Abenteuers ist die Winterwelt "Cool, cool Mountain". Hier beschafft Mario einem Schneemann seinen verlorenen Kopf, spürt ein vermisstes Pinguinbaby auf und muss sich außerdem im Eisbahnrutschen gegen den amtierenden Champion beweisen. Der frostige Berg ist auch 18 Jahre nach Erscheinen von "Mario 64" immer wieder einen Ausflug wert.

foto: santas xmas caper

"Santa's Xmas Caper"

C64

Einen eher skurrilen Beitrag zur Kategorie "Weihnachtsgames" lieferte 1990 die Softwareschmiede Zeppelin-Games. "Santa's Xmas Caper" sticht mit eigenartigen Spielzielen und einer wahnwitzigen Hintergrundstory hervor.

Diese geht, wie bei TheFW nachgelesen werden kann, folgendermaßen: Die Elfen haben den Pudding des Weihnachtsmannes mit Drogen angereichert, weswegen der gutmütige Herr an Heiligabend zu bedient ist, um seinen jährlichen Geschenkerundflug zu machen. Der Spieler schwingt sich also in den Rentierschlitten, um sich in dem Sidescroller gegen fliegende Züge, Pinguine, Wasserbälle und andere Widersacher zu wehren.

Das Spiel wird außerdem oft mit einem anderen Titel verwechselt. Im gleichen Jahr brachte Zeppelin auch "Santa's Christmas Caper" für den Amigaauf den Markt, bei dem es sich allerdings um ein klassisches Jump-&-Run handelt. Dieses spielt, so die Beschreibung, in einer "magischen Welt namens 'Lappland'".

foto: elf bowling

"Elf Bowling"

Windows

Späte Rache für den Pudding-Anschlag nahm Santa Claus schließlich 1998 in "Elf Bowling". Dort halten seine grünjackigen Helfer nämlich als Kegel für ein Bowlingspiel her.

Der Titel wurde ursprünglich als kostenloses Flashgame veröffentlicht. Zufallselemente wie auf die Bahn wandernde Elche und Frösche sollen den Weihnachtsmann am sportlichen Erfolg hindern. Die spätere Veröffentlichung als kommerzielles Game für den Nintendo DS und Gameboy Advance resultierte in verheerenden Kritiken, die das Spiel sogar in der Wikipedia-Liste herausragend schlecht bewerteter Spiele der 1990er landen ließ. Nichtsdestotrotz fand der skurrile Titel eine Fangemeinde, sodass die Entwickler von Nstorm bis 2007 insgesamt acht Teile produzierten, die allesamt für Windows erschienen.

Am erinnerungswürdigsten dürfte allerdings die trashige Verfilmung des Spieles sein, die eine etwas andere Geschichte über die Entstehung des Weihnachtsfestes und einen Konflikt zwischen Ex-Pirat Santa Claus und seinem Bruder Dingle erzählt. (Georg Pichler, derStandard.at, 24.12.2014)

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