Experiment zeigt: Ameisen zieht es bevorzugt nach links

9. Jänner 2015, 15:30
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Britische Forscher stellten bei Temnothorax albipennis eine klare Tendenz fest

Bristol - Lateralisation, also die Wahrnehmung unterschiedlicher Aufgaben durch linke und rechte Gehirnhälfte, ist ein beim Menschen und mit ihm verwandten Spezies wohlerforschtes Phänomen - nicht zuletzt in Zusammenhang mit der sogenannten Händigkeit. Dass es auch außerhalb der Wirbeltiere - etwa bei Insekten - etwas Ähnliches geben könnte, stand bei weitem nicht so oft im Fokus von Untersuchungen.

Experiment

Nun berichten Forscher der University of Bristol im Fachjournal "Biology Letters", dass sie bei Ameisen eine klare Bevorzugung einer Seite festgestellt hätten: Temnothorax albipennis, eine Vertreterin der in Europa verbreiteten Knotenameisen, zieht es offenbar nach links.

Die Forscher um Edmund Hunt beobachteten die Ameisen sowohl bei der Erkundung eines neuen Nestes als auch bei ihren Bewegungen durch ein Labyrinth. In beiden Fällen stellten sie eine signifikante Bevorzugung der linken Seite fest.

Hintergrund

Hunt hält verschiedene Erklärungen für möglich. Zum einen könnte es eine Art Aufgabenteilung zwischen den Augen geben - etwa dass das linke Auge hauptsächlich der Feinderkennung und das rechte der Navigation dient. Davon abgesehen sei es einfach eine gute Strategie, sich beim Durchqueren eines Labyrinths - bzw. eines labyrinthähnlichen Nests - immer in die gleiche Richtung zu wenden.

Inwieweit der Linksdrall ein Phänomen ist, das sich auf diese bestimmte Ameisenspezies beschränkt, geht aus der Studie nicht hervor. Hunt glaubt jedoch, dass solche Untersuchungen an wirbellosen Tieren letztlich Aussagen über den evolutionären Ursprung der Lateralisation ermöglichen könnten. (red, derStandard.at, 9. 1. 2015)

  • Die Gretchenfrage: Soll ich nach links oder nach rechts?
    foto: edmund hunt, university of bristol, uk

    Die Gretchenfrage: Soll ich nach links oder nach rechts?

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