Ein Jahrzehnt nach der Jahrhundertflut: Tsunami-Gedenken in Asien

26. Dezember 2014, 08:00
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Bis zu 250.000 Menschen verloren am 26. Dezember und in den folgenden Tagen ihr Leben

Am 26. Dezember 2004 rollte nach einem Seebeben im Indischen Ozean ein Tsunami über die Küstenregionen. Der Ablauf der Ereignisse, der heute klar erscheint, war in den ersten Tagen weitgehend völlig unbekannt: Die ersten Nachrichten über ein Erdbeben in Südostasien haben das Ausmaß der Katastrophe nicht erahnen lassen. Das Epizentrum des Bebens der Stärke 9,0 nach Richter, das sich um 1.59 Uhr MEZ ereignet hatte, lag im Indischen Ozean etwa 150 Kilometer vor der westindonesischen Insel Sumatra. Was in den ersten Studnen niemand wusste: Als Folge des Bebens bildete sich ein gewaltiger Tsunami mit Wellen von bis zu zehn Metern Höhe, der zunächst auf die Küsten der indonesischen Provinz Aceh zuraste.

Mit voller Wucht traf der Tsunami in Aceh auf. Mehr als 160.000 Menschen wurden innerhalb kurzer Zeit in den Tod gerissen. Die Welle rollte weiter durch den Indischen Ozean: Auf Sri Lanka, das mehr als zwei Stunden nach dem Beben von der Welle erreicht wurde, war mit rund 45.000 die zweithöchste Opferzahl zu beklagen. In Thailand kamen mehr als 8.000 Menschen ums Leben, darunter viele Touristen. 85 der 86 Toten aus Österreich starben in den thailändischen Urlauberparadiesen Phuket, Khao Lak und auf den Phi Phi Inseln.

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Animation der Ausbreitung des Tsunami im Indischen Ozean.

Ebenfalls massiv verwüstet wurde Südindien, vor allem der Unionsstaat Tamil Nadu. Obwohl die Flutwelle bis zu den Küsten von Tamil Nadu rund drei Stunden benötigte, starben in Indien mehr als 12.000 Menschen. Opfer waren darüber hinaus auf den Malediven (rund 80), in Burma (rund 90) und in Malaysia (rund 70) zu beklagen.

Dass die Welle nach etwa sechs Stunden auch die Küsten Ostafrikas erreichen würde, lag wohl jenseits der Vorstellungsgabe aller Beteiligten. Am Horn von Afrika, in Somalia, kamen auch noch rund 300 Menschen ums Leben.

Die Opferzahlen sind bis heute nicht genau bekannt. Als relativ gesichert gelten mehr als 230.000 Tote aus rund 50 Staaten, die gängigste Schätzung lautet auf rund 250.000 Opfer. Zehn Jahre nach der Katastrophe wurde vieles wieder aufgebaut.

Die Baitulrahman Moschee in Banda Aceh, Indonesien. Die Provinz auf Sumatra war eine der ersten, die vom Tsunami getroffen wurden.
In den ersten Tagen herrschte Chaos und Verzweiflung in den betroffenen Gebieten. Heute sind nur mehr wenige Spuren zu sehen.
Verwüstungen und Wiederaufbau in Banda Aceh, Indonesia. Das Land war eines der am schwersten von der Katatrophen betroffenen Gebiete.
Die Panglima Polem Straße in Banda Aceh in den Tagen nach dem Tsunami und zehn Jahre danach.

Nach dem Tsunami wurde eine beispiellose Hilfsaktion gestartet. Laut OECD wurden den betroffenen Staaten von EU und 22 im Hilfskomitee der OECD sitzenden Mitgliedsländern 13,6 Milliarden Dollar (damals: 9,22 Milliarden Euro) zugesagt. In Österreich wurde einmal mehr "Nachbar in Not" aktiviert.

Doch es kam auch gut gemeinte Hilfe, die sich als wenig förderlich herausstellte: Im Süden Thailands haben viele Hilfsorganisationen und Privatleute Fischerboote gespendet, mit ungewollten Folgen. "Vor dem Tsunami gab es in meinem Dorf 100 Boote, sagte der thailandische Fischer Manit Komsan aus dem Dorf Baan Tha Klang der Zeitung "Nation" ein Jahr nach der Katastrophe. "Jetzt sind es fast 400". Die Bucht sei überfischt. In einer Siedlung in Sirikandurawatte in Sri Lanka stürzten Wände zusammen, Dächer fielen ein und Böden brachen nur wenige Jahre nach dem Bau auf . "Anstatt Eisenstangen wurde Maschendrahtzaun in den Wänden verbaut", sagte Bewohner Ajith Priyantha Rajakaruna. "Auch die Betonblöcke haben Löcher."

Gedenken

Mit bewegenden Gedenkgottesdiensten und Schweigeminuten haben Tausende Menschen rund um den Indischen Ozean der Opfer des verheerenden Tsunami. Neben dem Erinnern an die Toten stand auch der Dank für die Hilfe aus aller Welt im Fokus.

"Ich habe noch nie eine so außergewöhnliche Solidarität und Großzügigkeit erlebt", sagte Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla am Freitag bei einer Gedenkveranstaltung in Banda Aceh.

Beten in Indonesien

In Indonesien kamen die Menschen schon in der Nacht und am frühen Morgen in zahlreichen Moscheen zusammen. Viele von ihnen weinten und klagten. Andere gingen zu den Massengräbern, um zu beten. "Ich habe im Tsunami zwei Kinder verloren, aber ich weiß nicht, wo sie beerdigt sind", sagte die 51 Jahre alte Maimunah an einem Massengrab. "Aber hier bete ich für alle Opfer", erklärte sie.

Aceh war die am schlimmsten betroffene Region. Etwa 170.000 Menschen starben dort; große Teile der Provinzhauptstadt Banda Aceh waren nur noch Trümmerteile und Mauerreste.

Gedenkzug in Sri Lanka

In Sri Lanka fuhr ein Sonderzug mit Überlebenden bis zu genau der Stelle in Peraliya, wo damals eine gewaltige Welle den Zug traf. Unterwegs waren sie mit der Lok und Waggons von damals, wie Organisator Ralph Gunawardena sagte. Der Zug sei nach dem Unglück restauriert worden. Die tonnenschweren Waggons waren aus den Schienen gerissen und weit ins Landesinnere gespült worden. Rund 1.600 Menschen starben in dem Zug. Die überlebenden Passagiere - darunter auch der Schaffner von damals - gedachten in einer religiösen Zeremonie der Opfer. Einige brachten alte Fahrkarten von damals und Fotos der Toten mit.

In Indien trafen sich die Menschen zu interreligiösen Gebeten, etwa auf den schwer getroffenen Andamanen und Nikobaren. Vor dem Tsunami-Denkmal in der größten Inselstadt Port Blair gedachten sie zwei Minuten lang der Toten, wie Distriktsprecher Arun Kumar Jha erklärte. Im Süden des Subkontinents setzten viele Dorfbewohner Süßigkeiten und Blumen ins Meer. In staatlichen Schulen sei der toten Kinder gedacht worden, sagte Vanaja Soundrabai von der örtlichen Hilfsorganisation Sneha.

Tanz zum Dank

Um sich für die Spenden aus aller Welt zu bedanken, führten junge Indonesier in Banda Aceh Tänze in traditioneller Kleidung auf. Andere trommelten auf einer Bühne auf dem Platz Blang Padang im Zentrum von Banda Aceh, direkt neben einer Tsunami-Skulptur in Wellenform. Vizepräsident Kalla sagte dort: "Sogar die Kinder aus aller Welt, von Deutschland bis zu den Vereinigten Staaten, haben ihre Sparschweine geknackt und das Geld den Tsunami-Opfern geschickt." (stb, derStandard.at, 26.12.2014).

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