Presserat rügt "Heute": Armut verletzend dargestellt

23. Dezember 2014, 11:16
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Gremium ortet bei Darstellung von zwei Frauen Verletzung der Persönlichkeitssphäre und der Würde

Wien - Gleich zwei Beiträge der Gratiszeitung "Heute" vom 29. September 2014 verstoßen gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse. Der Presserat rügt das Medium wegen Verletzung der Persönlichkeitssphäre und der Würde.

Fall 1

In dem Beitrag "Diese Wiener Bettlerin beweist Stil" geht es um eine Bettlerin, die auf einem beigefügten Foto auf dem Boden sitzt und bettelt. Neben ihr steht eine Handtasche, die vom Erscheinungsbild eine Louis-Vuitton-Tasche zu sein scheint. Im Text wird dazu angemerkt, dass die Kärntner Straße ein nobles Pflaster sei und nicht restlos geklärt sei, ob die Bettlerin mit dieser Tasche reiche Spender anlocken habe wollen.

Fall 2

Der Beitrag "Container Taucherin" bezieht sich auf ein Foto einer Frau, die in einem Container einer Kleidersammlung nach Kleidern sucht. Sie trägt auffällige "Blumen-Leggins". Im Text zu dem Foto wird angemerkt, dass nicht überliefert sei, ob die Frau in dem Container eine neue "Blumen-Leggins" suche.

In den Veröffentlichungen werde die Situation der Betroffenen auf eine für sie abträgliche Weise beschrieben, so der Senat des Presserats, der die Persönlichkeitssphäre der abgebildeten Personen beeinträchtigt und ihre Würde verletzt sieht. Die Darstellung sei eine Geringschätzung von Personen, die mit Armut konfrontiert sind.

Eingeleitet wurde des Verfahren aufgrund einer Mitteilung eines Lesers. Der Presserat fordert "Heute" auf, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Die Gratiszeitung ist bis jetzt nicht Mitglied des Presserats. (red, derStandard.at, 23.12.2014)

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