Weihnachtlicher Kampf gegen Fett für Londons Kanalarbeiter

23. Dezember 2014, 13:54
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Bewohner der britischen Hauptstadt spülen Essensreste durch Abflüsse - Sie verstopfen das Kanalnetz und verursachen Kosten von 1,3 Millionen Euro monatlich

London - Fliegen, Fett und Fäkalien: Unter Londons Straßen kämpfen Kanalarbeiter jeden Tag gegen riesige Fettklumpen, die das Kanalnetz verstopfen. Den Londonern erweisen sie damit einen großen Dienst. Wird das mit Abfällen verklumpte Öl und Fett nicht aufgebrochen oder weggesaugt, drücken faulige Abwässer in die Wohnungen zurück. Zu Weihnachten verschärft sich das Problem.

Nach dem festlichen Truthahnessen spülen die Bewohner der britischen Hauptstadt Bratenfett im Volumen von zwei olympischen Schwimmbecken durch die Abflüsse. Den meisten ist dabei gar nicht bewusst, dass ein paar Meter unter ihren Esstischen daraus stinkende Knödel werden, die verklumpt mit Feuchttüchern, Damenbinden und Kondomen die 69.000 Kilometer Kanalisation der britischen Hauptstadt verstopfen. Und nach Angaben des Wasserversorgers Thames Water wird das Problem immer größer.

Situation beim Fett wird schlimmer

Vince Minney ist Abwassertechniker und muss seit 24 Jahren in die Kanäle. In hohen Stiefeln und Schutzanzug klettert der 54-Jährige durch ein Einstiegsloch in die Eingeweide der Stadt, auf einer Steigleiter geht es sieben Meter in die stinkende Unterwelt. "Die Situation beim Fett wird definitiv schlimmer", sagt er, während er unter der Ecke Regent Street und Victoria hüfttief in der ranzigen Schmiere steht. "In manchen Kanälen baut es sich auf wie nie zuvor."

Über dem Strom menschlicher Ausscheidungen klebt eine schwere Decke von erkaltetem Fett. Minney tippt mit einem Spaten auf die dicke Schicht, die seine Schenkel umgibt: "Es ist ungefähr das übelste Zeug, das es gibt." Mit Spaten oder Hochdruckstrahlern brechen Minney und seine Männer die Fettschichten auf. Auf der Kruste, die an Erbrochenes erinnert, wachsen Pilze. Watet Minney hindurch, zieht er eine Spur wie ein Eisbrecher.

Schwefelwasserstoff

Jeder Spatenstich setzt das Abwasser darunter frei und damit den abscheulichen Gestank von Schwefelwasserstoff, der den Männern noch bis zu zwei Wochen anhaften kann. "Es ist nicht schön, wenn man das ins Gesicht bekommt. Ich bin schon ein paar Mal ordentlich bespritzt worden. Manchmal bekommt man auch Fliegen in den Mund. Die muss man schnell ausspucken."

Das Kanalnetz, in dem sich die Techniker zurechtfinden müssen, stammt noch aus den 1860er-Jahren. "Es gibt ein London unter dem London", sagt Henderson. "Es ist eine große Ingenieursleistung. Manche Kanäle sind richtig schön, das Mauerwerk ist einfach großartig."

Kosten von 1,3 Millionen Euro

Das verklumpte Fett landet auf Deponien, doch zunächst wird es abgesaugt oder in Stücke gebrochen und zur Kläranlage gespült. Jedes Jahr gibt es laut Thames Water rund 80.000 Verstopfungen wegen Fett, was monatliche Kosten von umgerechnet 1,3 Millionen Euro verursacht. Bei rund 7.000 Londonern laufen auch einmal Abwässer zurück in die Häuser.

Minney mahnt die Bevölkerung daher, Bratfett und Speiseöl nicht mehr in den Abfluss zu spülen. "Es gehört in den Müll, dann verstopft auch nichts. Es wäre großartig, wenn Öffentlichkeit und Unternehmen helfen. Wir könnten dieses Geld besser ausgeben. Die Leute denken: Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch ein paar arme Kerle müssen sich darum kümmern. Und zu Weihnachten wird es noch schlimmer." (APA/AFP/Robin Millard, 23.12.2014)

  • Unter der weihnachtlich erleuchteten Regent Street sammelt sich in der Kanalisation klumpiges Fett.
    foto: epa/andy rain

    Unter der weihnachtlich erleuchteten Regent Street sammelt sich in der Kanalisation klumpiges Fett.

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