Kochbücher sortieren: Nigella zickt rum

1. Jänner 2015, 02:00
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Nach Weihnachten muss ein neues Kochbuchregal her, die Frage ist nur: Nach welchem System ordnen?

Die Suche nach Inspiration haben nicht wir Menschen erfunden, Appetenzverhalten kann man auch bei vielen anderen Tieren feststellen. Die Suche nach Inspiration führt viele Menschen regelmäßig in Kochbuchgeschäfte, bevorzugt Babette`s Spice and Books am Hof in der Wiener Innenstadt. Aber auch der Frick am Graben ist top sortiert.

Kochbücher müssen beschnuppert werden, müssen abgetastet werden, gewogen und durchblättert. Erst dann erfolgt ein Hineinlesen, ein Abwägen, ob sich darin Inspirationsquellen finden, und letztendlich eine Entscheidung für oder gegen den Kauf.

Und so kommt es, speziell nach Weihnachten, dass ein neues, größeres Bücherregal den Weg in die Wohnung finden muss. Endlich ist Platz für alle Kochbücher, nicht nur für die Eliten darunter. Und genau in diesem Moment beginnt eine Tätigkeit, die durch nichts ersetzt werden kann, die so wunderschön ist, dass man darin komplett aufgeht, sich verlieren und eins werde mit Raum, Zeit, Büchern und Staub. Herrlich - man darf die Kochbücher neu schlichten!

Wild drauf los

Das Schlichten der Kochbücher erfordert keinen Plan; ein Plan wäre kontraproduktiv und könnte ratzfatz umgesetzt werden. Vorbei wäre es mit dem Genuss. Nein, man muss wild drauflos einräumen. Erst die Stars zusammen: Die fetten Dinger, zum Beispiel von Ducasse, dicke Phaidonbrocken, Lafer, Ottolenghis, Robuchons, Blumenthals, aber auch Jell, Buchinger und Bacher. Die bekommen ein Fach, befreit von ihren Schutzhüllen. Diese sind meist glatt und schlecht anzufassen. Sie verhindern, einem Kondom nicht unähnlich, den echten Touch.

Dann kommen die Themenbücher dran: Italien hier, Frankreich da, die Chemie des Kochens dort ... es geht dahin. Die Trattorien kommen neben den Beisln zu stehen, die alten Slow Food Italia landen im Mist, schlechte Bücher berühmter Köche stehen ganz unten.

Nigella zickt rum

Ein Blick reicht, und das Offensichtliche wird offensichtlich: Die Buchrücken schauen in unterschiedliche Richtungen. Das bedeutet, dass man beim Lesen der Rücken einmal den Kopf nach links, dann wieder nach rechts kippen muss. Geht gar nicht. Also, alle Bücher so drehen, dass man sie von unten nach oben lesen kann. Dass einige Bücher dadurch verkehrt in ihrem Regal stehen, muss man hinnehmen. Das ist dem ästhetischen Empfinden geschuldet. Kontrollblick - passt.

Nein, passt doch nicht, was muss auch von der Lawson-Nigella ein Konterfei am Buchrücken abgedruckt sein? Weiß doch eh jeder, wie die Godel aussieht. Also, alles retour, alle Bücher so reinstellen, dass man sie von oben nach unten lesen kann. War klar, die Nigella zickt rum.

Nächster optischer Test: Die Höhe der Bücher. Diese muss halbwegs passen, zumindest innerhalb der Regalkategorie - oder würde es sich nicht anbieten, alle gleichformatigen Bücher, und da gibt es viele, nebeneinander zu stellen? Das brächte ein wenig Ruhe in die Regale, aber auch wieder ein wenig thematisches Durcheinander. Schwierige Aufgabe. Auf jeden Fall landen die "Kleinigkeiten" von Larousse neben den drei Slaters. Sie sehen so nebeneinander gut aus. Ähnlich ist es mit den Seisers vom Brandstetter.

Nächster Systemwechsel!

Es müssen die Vegetarischen beieinanderstehen, die Fleischbücher und die Garten-Küchen-Kombinationen ebenso. Natürlich auch alle zum Thema Brot und sämtliche Weinbücher - die unnötigsten, by the way. Dann gibt es die gewaltig großen Culinaria-Bände, die haben aufrecht nirgendwo Platz. Diese müssen flach liegen, gestapelt - und das nach einer sehr speziellen Reihenfolge, die es sofort wieder umzustoßen gilt: Erst nach Beliebtheit, das bedeutet ganz oben Italia, dann die Französische Küche, dann Espana, gefolgt von Russland. Was macht man jetzt mit dem geliebten Weinviertel?

Nächster Anlauf, nach Gebrauchswahrscheinlichkeit! Der Stapel dreht sich, kann man doch Italia und Frankreich längst auswendig ... Und dann sind da noch die kulinarisch verbrämten Landschafts- und Reisebücher, die verdienten sich auch ein eigenes Regal ... Himmel, alles zurück zum Start! Ach, wie ist es schön, jeden dieser Lieblinge in die Hand zu nehmen, über ihn zu sinnieren und wieder einzuschlichten. Das ersetzt locker in paar Stunden beim Psycho-Doc. (Gregor Fauma, derStandard.at, 1.1.2015)

  • Nach Koch, nach Thema und in welcher Richtung? Ein Kochbuchregal neu schlichten ist schwer.
    foto: gregor fauma

    Nach Koch, nach Thema und in welcher Richtung? Ein Kochbuchregal neu schlichten ist schwer.

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