Argentinien: Für Orang-Utan Sandra gilt Menschenrecht

22. Dezember 2014, 17:05
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Gericht in Argentinien fällte historisches Urteil – Tier könnte in Schutzgebiet kommen

Buenos Aires / Wien - Sandra ist 29 Jahre alt, wurde in Deutschland geboren und ist bereits seit ihrer Geburt eingesperrt. Nun haben Aktivisten ihre Freilassung vor einem Gericht in Argentinien erstritten. Sandra ist eine Orang-Utan-Dame und durch das gefällte Urteil eine "nichtmenschliche Person" mit gewissen Rechten. Diese seien laut Urteilsbegründung durch ihre Gefangenschaft verletzt worden.

Antrag mehrmals abgelehnt

Tierschützer der "Vereinigung von Funktionären und Anwälten für Tierrechte" (Afada) gingen mit einem "Habeas Corpus"-Antrag im vergangenen November vor Gericht. Durch diesen wird eine Haftprüfung bei Menschen beantragt. Mehrmals wurde ein Prozess abgelehnt, bis den Tierschützern zugestimmt wurde. "Das eröffnet nicht nur für Menschenaffen neue Möglichkeiten, sondern auch für andere fühlende Wesen, die unfair und willkürlich ihrer Freiheit in Zoos, Zirkussen, Wasserparks und Laboratorien beraubt wurden", zitiert die Zeitung "La Nación" den Afada-Anwalt Paul Buompadre.

Die Orang-Utan-Dame wurde im Jahr 1986 in einem Zoo in Deutschland geboren und im September 1994 nach Buenos Aires gebracht. Das Tier vermied regelmäßig die Blicke der Öffentlichkeit und lebte zurückgezogen. Der Zoo in der argentinischen Hauptstadt hat nun zehn Tage Zeit, um Einspruch gegen das Urteil einzulegen. Passiert das nicht oder wird der Einspruch abgelehnt, soll Sandra in ein Schutzgebiet in Brasilien gebracht werden, wo sie mehr Freiheit hat.

Initiative auch in Österreich

Sandras Fall ist nicht der erste seiner Art. Schon mehrmals haben Tierschützer versucht, Menschenrechte für Tiere zu erlangen. Der Fall eines Schimpansen in New York wurde diesen Dezember aber mit der Begründung abgelehnt, dass das Tier ein Besitz und keine Person sei. Auch in Österreich versuchten Aktivisten im Jahr 2008, dem Schimpansen Hiasl zu Rechten zu verhelfen. Der Fall landete schließlich im Jahr 2010 vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo er wegen eines Formalfehlers abgelehnt wurde. (bbl, DER STANDARD, 23.12.2014)

  • "Orang-Utan" ist indonesisch und bedeutet "Waldmensch". Die 29-jährige Sandra  hat nun ein Menschenrecht erhalten.
    foto: reuters/marcos brindicci/files

    "Orang-Utan" ist indonesisch und bedeutet "Waldmensch". Die 29-jährige Sandra hat nun ein Menschenrecht erhalten.

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