Forschungsprojekt untersucht Wandel im Tal des Toten Meeres

2. Jänner 2015, 12:37
3 Postings

Interdisziplinäre Plattform verbindet Meteorologie, Hydrologie, Geophysik und Erdsystemwissenschaften

Karlsruhe/Jerusalem - Die Wasserverdunstung im Tal des Toten Meeres, die wesentlich zum Sinken des Seespiegels beiträgt, variiert je nach Jahreszeit und meteorologischen Bedingungen. In einem Messprojekt untersuchen Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) derzeit Verdunstung, Dunstschicht und lokale Windsysteme. Die Datensammlung ist eingebettet in das Helmholtz Virtuelle Institut "DESERVE – Dead Sea Research Venue", in dem Wissenschafter aus Deutschland, Jordanien, Israel und Palästina zusammenarbeiten. Dabei bearbeiten mehrere Helmholtz-Institute zusammen mit Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen Themenfelder interdisziplinär.

Das Tote Meer ist ein abflussloser See, der 428 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und einen Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent aufweist. In dem weltweit einzigartigen Natur- und Kulturraum mit Salzsee, Steinwüste, Halbwüste und mediterranen Landschaften vollziehen sich Umweltveränderungen besonders schnell. Die Region fasziniert Klima- und Umweltforscher schon lange, denn die Erkenntnisse, die sie dort gewinnen, lassen sich auch auf andere Regionen übertragen, in denen der Wandel langsamer abläuft.

Sinkender Wasserspiegel

Das interdisziplinäre DESERVE-Projekt verbindet Meteorologie, Hydrologie, Geophysik und Erdsystemwissenschaften und befasst sich mit drei großen Themen: Wasserverfügbarkeit, Klimawandel und Umweltrisiken. Um Daten zu den sommerlichen und winterlichen Dunst- und Verdunstungsverhältnissen im Tal des Toten Meers zu sammeln, nutzen KIT-Forscher ein Beobachtungssystem, dass einen Ausschnitt der Atmosphäre mit einer Kantenlänge von rund zehn Kilometern vermessen kann. In das System sind verschiedene Messgeräte für alle relevanten meteorologischen Parameter integriert.

Eine erste Übersicht über die Daten bestätigt, dass die Verdunstung wesentlich dazu beiträgt, dass der Wasserspiegel des Toten Meeres um mehr als einen Meter im Jahr sinkt. "Dies ist ein Durchschnittswert; die Verdunstung variiert je nach Jahreszeit und meteorologischen Bedingungen", erklärt Ulrich Corsmeier. Wenn der Wind stark genug ist, um im Tal rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel Einfluss zu nehmen, können Luftfeuchten unter zehn Prozent auftreten, was auf der Erde sonst kaum vorkommt. Mit dem Wasserspiegel des Sees sinken auch die Grundwasserpegel, da Süßwasser ins Tote Meer strömt.

Einsturzlöcher und Flutwellen

Dies gefährdet nicht nur die Versorgung der Region mit Trinkwasser - mehr als vier Millionen Menschen sind auf die unterirdischen Ressourcen angewiesen. Vielmehr löst das strömende Süßwasser auch unterirdische Salzschichten, wodurch Hohlräume entstehen, die schließlich einbrechen. Solche Einsturzlöcher gefährden Gebäude und führen zur Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen. Daneben sind große Flutwellen ein Problem: Sie treten nach lokal begrenzten starken Regenfällen auf, die zu schnellen Abflussprozessen führen. Insgesamt aber gehen die Niederschläge in der Region seit einigen Jahren zurück

Neben Wasserhaushalt und Wasserverfügbarkeit sowie geophysikalischen Phänomenen wie Einsturzlöchern und Flutwellen gehören wechselwirkende Prozesse in Atmosphäre, Hydrosphäre und Lithosphäre sowie geophysikalische Risiken wie Erdbeben zu den Forschungsthemen von DESERVE. Projektpartner sind neben dem KIT das Helmholtz-Zentrum Potsdam (GFZ) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig sowie die jordanische Al Balqa Applied University, die israelischen Universitäten Hebrew University und Tel Aviv University sowie die Universität Nablus in Palästina. Dazu kommen weitere assoziierte Institutionen aus Deutschland, Jordanien, Israel und Palästina. (red, derStandard.at, 2. 1. 2015)

  • Die tiefstgelegene meteorologische Messstation der Erde ragt am Toten  Meer sechs Meter in die Höhe.
    foto: ulrich corsmeier

    Die tiefstgelegene meteorologische Messstation der Erde ragt am Toten Meer sechs Meter in die Höhe.

Share if you care.