Medienjahr 2015: Song Contest, Paid Content und vielleicht doch wieder Medienpolitik

22. Dezember 2014, 13:14
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ORF hostet mit Song Contest größtes Unterhaltungsevent der Welt - Medienhäuser weiter auf der Suche nach Erlösquellen - Urheberrechtsreform soll vorangetrieben werden

Wien - Die NZZ.at wird es ab 21. Jänner vormachen, und auch für das Nachrichtenmagazin "profil" werden entsprechende Pläne kolportiert: 2015 dürfte es mit Paid Content-Modellen in Österreich ernst werden. Und es wird höchste Zeit, glaubt man aktuellen Studien zur Umsatzentwicklung von Printprodukten. Abseits davon geben der Song Contest und Urheberrechtsreform den Takt im Medienbusiness vor.

Verlangen einzelne Blogger oder die Rechercheplattform "Dossier" bereits jetzt für Online-Inhalte in der ein oder anderen Form Geld, kann der Start des Österreich-Ablegers der "Neuen Zürcher Zeitung" dennoch als wichtiger Schritt gewertet werden. Bis dato haben sich reichweitenstarke tagesaktuelle Medien eher zurückgehalten, ihren digitalen Content hinter einer Bezahlschranke zu verstecken. Der STANDARD forderte im Herbst 2014 User, die Ad-Blocker verwenden, zwar zum Abschluss eines "FairUse"-Abos auf, wirklich breit experimentiert wurde publizistischen Online-Erlösquellen in Österreich bis dato noch wenig.

Das könnte sich nun ändern: Neben dem Online-Ableger NZZ.at sollen nämlich auch ausgewählte Beiträge des Nachrichtenmagazins "profil" hinter einer Paywall verschwinden. Die Suche nach zusätzlichen Erlösquellen zum Printgeschäft wird die Branche jedenfalls weiter beschäftigen: Einer Studie von mediareports Prognos zufolge sollen sich die Digital-Umsätze von Tageszeitungen bis 2018 zwar verdoppeln, aber nicht zuletzt kostenlose News-Angebote würden einen "gefährlichen Stolperstein" für die Entwicklung von funktionierenden Bezahlmodellen darstellen.

Den Run auf digitale Inhalte will sich künftig auch der ORF stärker zunutze machen: Im ersten Quartal soll die überarbeitete Version der Video-Plattform Flimmit an den Start gehen, an der sich der öffentlich-rechtliche Sender beteiligt hat. Ein Versuch, den Video-on-Demand-Sektor abseits von frei zugänglichen Inhalten der TVthek für sich zu gewinnen. Auch die gemeinsame TVthek-Vermarktung mit den Mitgliedsmedien des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) dürfte 2015 Gestalt annehmen.

Im Video-on-Demand-Markt hat sich nicht zuletzt seit dem Netflix-Start im Herbst einiges getan. Neben dem ORF haben auch Anbieter wie der Bezahlsender Sky ihre Aktivitäten erhöht. Um künftig auch Radiohörer aktiv in ihrem von Smartphones geprägtem Alltag zu begleiten, plant der ORF im kommenden Jahr eine Radiothek. Die Privatradios arbeiten an der Entwicklung eines österreichischen Radioplayers, der 2015 starten und alle heimischen Radiosender auf einer Plattform anbieten soll.

Auf ORF-Ebene gilt es für die Geschäftsführung rund um ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz 2015 die neue Organisationsstruktur des öffentlich-rechtlichen Senders zu erarbeiten und mit einem Zeitplan zu versehen. Ö1, ORF eins und ORF 2 sollen ein eigenes Channel Management bekommen und die Entwicklung des trimedialen Newsrooms im neuen ORF-Zentrum sowie die Planungen für die Zusammenlegung der Wiener Standorte genutzt werden, um sich inhaltlich entlang der vier Bereiche Information, Kultur, Unterhaltung und Sport neu aufzustellen.

Änderungen könnte es 2015 auch auf gesetzlicher Ebene geben. Der ORF wünscht sich etwa im Rahmen des Digitalradiotests DAB+ die Möglichkeit eines neuen jungen Radioprogramms namens FM21, die Aufhebung der APP-Beschränkungen, die Reduzierung von Auftragsvorprüfungsverfahren auf wichtige Fälle, die Aufhebung des Cross-Promotion-Verbots für ORF III oder die Aufhebung der besonderen Beschränkung von Printwerbung. Für die Privatradios könnten im Gegenzug Erleichterungen bei Kooperationen und Funkhauslösungen kommen.

Die entsprechenden ORF- und Privatradio-Gesetzesnovellen könnten nach Meinung von Experten im ersten Halbjahr 2015 umgesetzt werden. Ob dabei von der Politik auch gleich ein zuletzt wiederholt kolportiertes Vorziehen der ORF-Wahl ermöglicht wird, hängt wohl an der personellen Ausarbeitung der künftigen ORF-Organisationsstruktur. Planmäßig steht die nächste Wahl des ORF-Direktoriums jedenfalls erst in der zweiten Jahreshälfte 2016 an.

Im ersten Halbjahr 2015 wird den öffentlich-rechtlichen Sender aber ohnedies ein anderes Großprojekt beschäftigen: Im Mai geht der Eurovision Song Contest (ESC) in Wien über die Bühne. Der Sieg von Conchita Wurst in Kopenhagen brachte dem Land schließlich nicht nur internationale Anerkennung und einen jedenfalls kurzzeitig toleranten Ruf, sondern auch das größte Unterhaltungsevent der Welt ein. Immerhin schalten regelmäßig mehr als 100 Mio. Fernsehzuschauer zu.

Ein nicht minder breites Publikum erreicht die Suchmaschine Google mit ihren Diensten. Auf das US-Unternehmen haben sich zuletzt europäische Verleger eingeschossen, die sich für eine Vergütung ihrer Inhalte einsetzen. Dass die Causa nicht einfach zu lösen ist, zeigen die Fälle in Deutschland und Spanien. In Österreich plädiert der Verlegerverband weiterhin für ein Leistungsschutzrecht, das im Zuge der lang angekündigten Urheberrechtsreform kommen könnte. Zuletzt war das Thema wieder ins Stocken geraten: Nach der Wirtschaftskammerwahl im Februar sein, könnte sich aber wieder etwas in der Causa tun.

Punkto Medienpolitik waren die Anzeichen für Bewegung 2014 mit der Lupe zu suchen. Während der Presseclub Concordia "wieder ein Jahr Stillstand" konstatierte, blieben Themenkomplexe wie die Neuaufstellung der Presseförderung oder ein modernes Informationsfreiheitsgesetz nicht bzw. nur unzureichend behandelt. Raum für Verbesserung scheint also gegeben. (APA, 22.12.2014)

  • Conchita Wurst mit der Trophäe: Der Song Contest wird auch 2015 das Mediengeschehen im ersten Halbjahr dominieren.
    foto: /epa/georg hochmuth

    Conchita Wurst mit der Trophäe: Der Song Contest wird auch 2015 das Mediengeschehen im ersten Halbjahr dominieren.

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