Motorrad: Hochs und Tiefs auf zwei Rädern

22. Dezember 2014, 17:39
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Zum Jahresende machen auch wir einen Strich unter den Testkalender und schauen zurück, welche Motorräder uns 2014 am meisten beeindruckt haben

So schnell stand noch nie ein Sieger fest: BMW nineT. Sie war die herausragende Überraschung, ein Retrobike mit hervorragenden Fahreigenschaften und einem tollen Motor. Auf den ersten Metern drückt es dir die Gänsehaut durchs Leder. Unglaublicher Wurf von BMW. Die Maschine ist aber auch die Niederlage des Jahres. Bereits im Februar hat mich der Bock abgeworfen. Und damit war sie auch gleich die beeindruckendste Maschine des Jahres. Leder und Zylinderkopf bestätigen das. Eine großartige Siegerin also.

Schwer beeindruckend, wenn auch nicht im stürzenden Sinne, war eine ausführliche Runde auf einer Polizei-Harley-Davidson. Der Original-Exekutivbock aus den Staaten hat sich auch verschlungenen Wegen nach Österreich verirrt, mit Folgetonhorn und Funkellicht. Das Lalülala darf man zwar nicht einschalten, aber man darf ja auch nicht in der Nase bohren und kaum jemanden kümmert das. Das Arge an dieser Harley ist aber: Die Maschine ist so extrem fahrbar, dass man meint, man fahre gerade auf einem Fremdprodukt. Man sitzt höher und weiter vorne, das Fahrwerk ist erbarmungslos und gibt sogar echtes Feedback. Schade eigentlich, dass es dieses Bike in Echt bei uns gar nicht gibt.

Die E-Mobilität erobert zunehmend auch den realen Zweirad-Bereich. Und wir meinen damit abseits von Rollern die einen mit 25 km/h im Rundkurs von Arzt, Wirtshaus, Supermarkt und Wohnung herumführen. Mit der BMW C evolution kam der erste ernstzunehmende Großroller auf den Markt und beeindruckt mit unbändiger Kraft. Die E-Mobility-Wertung gewinnt aber der Johammer. Das arge Design, die frechen Lösungen wie die Anzeigen in den Spiegeln und die eigenwillige Lenkung, an die man sich erst einmal gewöhnen muss, machen den skurrilen E-Cruiser zum Gewinner der Kategorie.

Der Loser des Jahres kommt ebenfalls aus der E-Mobilitäts-Welle. Herr Lohner versprach uns den Marktstart seines Rollers und damit den neuen Aufstieg der Marke Lohner. Gefahren ist den E-Roller aber anscheinend noch niemand. Im Moment kursieren Bilder eines Fahrrades mit Tret-Unterstützung aus Akkus durch die Sozialen Medien. Schade eigentlich. Ein paar echte Lohner-Fans gibt es nämlich schon, die sich bestimmt so einen Roller vor die Steckdose gestellt hätten.

Der Sehnsuchtspreis 2014 – also Platz 1 für das Gefährt, das wir auch mit viel Winseln nicht bekommen haben – der geht an Vespa. Denn so gerne hätten wir die Ape an ihre Grenzen gebracht – aber leider. Keine Ape, kein Überschlag, kein Stau im Berufsverkehr den wir auslösen durften. Aber wir geben nicht auf. Vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr, wo wir auch auf die erste Tour mit der CCM GP 450 hoffen, auf die uns Leser Christoph nachdrücklich hingewiesen hat.

Die Vorschusslorbeeren für hat sich Kawasaki mit der Ninja H2R gesichert. Die Studie zeigt ein martialisch-schönes Design und mit dem dem 300 PS starken Kompressor-Motor sprengt sie schamlos Grenzen. Wir freuen uns schon auf die zivile Version, die Kawasaki als H2 nachschieben wird. 300 PS wird die dann aber nicht haben, aber mit mehr als 200 PS aus einem Liter Hubraum dürfen wir schon rechnen, denn 200 PS sind ja inzwischen auch in der Supersportklasse Standard geworden. (Guido Gluschitsch, derStandard.at, 22.12.2014)

  • Ein Highlight 2014: Ein Ausflug mit einer Harley, die so gar keine Harley ist.
    foto: harley davidson

    Ein Highlight 2014: Ein Ausflug mit einer Harley, die so gar keine Harley ist.

  • Der Johammer: Eigenwilliges Design, eigenwillige Haltung. Der Sieger in der E-Mobility-Wertung.
    foto: guido gluschitsch

    Der Johammer: Eigenwilliges Design, eigenwillige Haltung. Der Sieger in der E-Mobility-Wertung.

  • Der Poser 2014: Die Studie H2R von Kawasaki. 300 PS!
    foto: kawasaki

    Der Poser 2014: Die Studie H2R von Kawasaki. 300 PS!

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