Frauen verdienen um 39 Prozent weniger als Männer

22. Dezember 2014, 11:21
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Bei Vollzeitjobs beträgt der Einkommensnachteil noch immer 18 Prozent. Am geringsten sind Unterschiede im öffentlichen Dienst

Wien - Egal, welche Rechnungsvariante genommen wird, unterm Strich verdienen Frauen in Österreich noch immer weniger als Männer: Das zeigt der neue Einkommensbericht 2014 des Rechnungshofs (RH), der am Montag veröffentlicht wurde. Darin ist zu lesen: "Frauen verdienen nach wie vor und in allen Beschäftigtengruppen deutlich weniger als Männer."

2013 betrug demnach das mittlere Einkommen der Frauen (ohne Lehrlinge) 61 Prozent des mittleren Männereinkommens. Das entspricht also einem Einkommensvorteil für die Männer von 39 Prozent. Die Rede ist nicht vom "Durchschnittseinkommen", sondern vom Medianeinkommen. Der Median wäre jenes Einkommen, das, wenn alle Einkommen ihrer Größe nach gereiht werden, genau in der Mitte liegt. Als Medianeinkommen versteht man die Einkommenshöhe, bei der gleich viele Menschen höhere und niedrigere Einkommen aufweisen.

Öffentlicher Dienst am gerechtesten

Ausgeglichener ist die Entlohnung im öffentlichen Bereich. Beamtinnen verdienen 95 Prozent des mittleren Männereinkommens, weibliche Vertragsbedienstete im öffentlichen Bereich müssen allerdings auch einen Einkommensnachteil von 23 Prozent hinnehmen, sie verdienen 77 Prozent des mittleren Männereinkommens.

In der Privatwirtschaft liegen die mittleren Fraueneinkommen laut Rechnungshof dagegen deutlich unter jenen der Männer. Weibliche Angestellte verdienen nur die Hälfte (51 Prozent) von dem, was ihre männlichen Kollegen am Monatsende auf dem Gehaltszettel vorfinden. Arbeiterinnen kommen überhaupt nur auf 43 Prozent des mittleren Einkommens ihrer männlichen Kollegen.

Teilzeitarbeit drückt nach unten

Da sich ein Teil der Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern auf Teilzeitarbeit zurückführen lässt, haben die Rechnungshofprüfer diese Gruppe herausgerechnet - und das Ergebnis wird nicht entscheidend besser: Der Median der Fraueneinkommen beträgt nur 82 Prozent des mittleren Männereinkommens.

2013 waren von den rund 2.864.100 ganzjährig Erwerbstätigen (ohne Lehrlinge) 30 Prozent teilzeitbeschäftigt. Mehr als vier Fünftel (84 Prozent) aller ganzjährig Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Und von den ganzjährig erwerbstätigen Frauen hat jede zweite (52 Prozent) einen Teilzeitjob (bei den Männern liegt dieser Anteil bei 9 Prozent).

Der häufigste Grund, den Frauen für Teilzeitarbeit angeben ist die Betreuung von Kindern und pfegebedürftigen Erwachsenen. Bei Männern ist dies der am seltensten genannte Grund. Aus- und Weiterbildung und der Mangel an Vollzeitstellen sind für Männer die häufigsten Gründe teilzeit zu Arbeiten.

Im öffentlichen Dienst verdienen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Beamtinnen "etwa gleich viel wie ihre männlichen Kollegen", weibliche Vertragsbedienstete kommen auf 94 Prozent des mittleren Männereinkommens in ihrem Bereich.

In der Privatwirtschaft sind die Einkommensdifferenzen größer: Weibliche Angestellte verdienen 66 Prozent des mittleren Männereinkommens, Arbeiterinnen kommen auf 69 Prozent.

Über alle 4.254.630 unselbstständig Erwerbstätigen gerechnet lag das mittlere Bruttojahreseinkommen im Jahr 2013 bei 25.767 Euro. Zieht man die Lehrlinge ein, bleiben 24.956 Euro. Die niedrigsten Medianeinkommen haben ArbeiterInnen (18.662 Euro), die höchsten BeamtInnen (51.408 Euro). Wobei vom Rechnungshof ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass BeamtInnen überdurchschnittlich häufig AkademikerInnen, im Schnitt deutlich älter als andere Beschäftigungsgruppen und deutlich seltener in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis bzw. weniger oft nicht ganzjährig beschäftigt sind.

Große Branchendifferenzen

Der Branchenvergleich der Einkommen weist die Energieversorgung (Median 2013: 53.236 Euro), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (42.726 Euro) und Information und Kommunikation (40.847 Euro) als die Sektoren mit den höchsten Einkommen aus. Während die niedrigsten Einkommen in den Bereichen "Beherbergung und Gastronomie" (Median 2013: 10.069 Euro), "Kunst, Unterhaltung und Erholung" (13.921 Euro) und "Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen" (15.480 Euro) gezahlt werden.

Im Hinblick auf die Geschlechterverteilung zeigt sich hier, dass Frauen überproportional in Branchen mit niedrigem Einkommensniveau tätig sind. Innerhalb der Branchen verdienen Frauen im Mittel zwischen 54 Prozent (Erbringung sonstiger Dienstleistungen) und 81 Prozent (Erziehung und Unterricht).

Auch wenn nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte verglichen werden, bleibt das Frauengehalt deutlich hinter dem der Männer zurück (62 Prozent für die Erbringung sonstiger Dienstleistungen und 95 Prozent für "Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden").

Unterschiede bei Selbstständigen

Für die Selbstständigen wurden die als aktuell verfügbaren Daten aus dem Jahr 2011 ausgewertet. Daraus ergeben sich mittlere Jahreseinkünfte der ausschließlich selbstständig Erwerbstätigen vor Steuern und nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge von 10.944 Euro (Frauen 7.797 Euro, Männer 14.027 Euro).

Bei den Selbstständigen gibt es große Unterschiede je nach Wirtschaftsbereich. Die höchsten Medianeinkommen erzielen Personen, die freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen erbringen (19.530 Euro), gefolgt von selbstständig Tätigen in der Informations- und Kommunikationsbranche (16.597 Euro) sowie im Bauwesen (14.030 Euro).

Die niedrigsten Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit werden im "Grundstücks- und Wohnungswesen" (7.960 Euro) und mit "Kunst, Unterhaltung und Erholung" (7.861 Euro) erzielt.

Pensionistinnen hinken weit nach

Die 2.081.708 PensionistInnen in Österreich kamen 2013 auf ein mittleres Bruttojahreseinkommen von 18.742 Euro. Die Frauenpension ist weit vom Niveau der Männereinkommen im Ruhestand entfernt: 14.462 Euro im Vergleich zu 24.529 Euro.

Alle zwei Jahre muss der Rechnungshof (RH) einen Einkommensbericht über die (durchschnittlichen) Einkommen aller Erwerbstätigen (unselbstständig und selbstständig) sowie der Pensionistinnen und Pensionisten vorlegen. Der am Montag veröffentlichte Bericht, der an den Nationalrat, den Bundesrat und allen Landtagen übermittelt. (Lisa Nimmervoll, derStandard.at, 22.12.2014)

Link zum Einkommensbericht: www.rechnungshof.gv.at

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