Diebe erbeuten Bargeld in Millionenhöhe von Securityfirma

22. Dezember 2014, 11:29
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Unbekannte hatten Zahlencodes für Tresorraum

Innsbruck - Zwei Unbekannte haben bei einer Innsbrucker Geldtransporterfirma einen Bargeldbetrag in Millionenhöhe erbeutet. Der Coup lief laut Polizei äußerst professionell ab. Da die Täter über einen Schlüssel für das Zufahrtstor verfügten und die Zahlencodes der Tresore kannten, gingen die Kriminalisten von Insidern aus. "Oder um Täter, die mit Insiderwissen gefüttert wurden", sagte ein Ermittler der APA.

Wie hoch genau der erbeutete Betrag ist, war vorerst unklar. "Das müsse erst eruiert werden", so der LKA-Beamte. Der Diebstahl wurde am Samstag kurz vor 17.30 Uhr verübt, wurde aber erst am Sonntag entdeckt und angezeigt. Vorerst fehlte von den Tätern jede Spur. "Die Tatortsicherung ist abgeschlossen, jetzt läuft die Spurenauswertung", erklärte Katja Tersch vom LKA am Montag. Zudem seien Befragungen der Mitarbeiter und etwaiger Zeugen im Gange.

Schaum auf den Objektiven

Der Diebstahl lief laut Polizei äußerst professionell ab: Die beiden maskierten Männer fuhren mit einem Wagen mit zuvor gestohlenen Kennzeichen rückwärts in die Tiefgarageneinfahrt und öffneten mit einem Schlüssel das Zufahrtstor des Schleusenraumes. Nachdem das Duo mit dem Auto in die Schleuse gefahren war, warteten die beiden zunächst, bis sich das Tor wieder vollständig geschlossen hatte. Dann sprangen sie aus dem Wagen und setzten die Videokameras außer Gefecht, indem sie Schaum auf die Objektiven spritzten.

Anschließend machten sie die Schiebetür zum Tresorraum auf und öffneten dort alle mit elektronischen Zahlenschlössern gesicherten Tresore. Nachdem sie den Bargeldbetrag in Millionenhöhe in den Pkw geladen hatten, sprangen sie in den Wagen und machten sich aus dem Staub. Der gesamte Coup dauerte laut Polizei etwa 20 Minuten.

Die Kennzeichen wurden zwischen Freitag 16.30 Uhr und Samstag 8.30 Uhr von einem auf einem öffentlichen Anwohnerparkplatz im Bereich der Sonnenstraße 12 in Innsbruck abgestellten Wagen gestohlen. Die Polizei bat um Hinweise. (APA, 21./22.12.2014)


Chronologie: Frühere Geldtransporter-Überfälle in Tirol

Der Coup am Samstag reiht sich in eine Serie spektakulärer Verbrechen auf Geldtransporter in der jüngeren Tiroler Kriminalgeschichte. In den vergangenen 20 Jahren gab es sechs aufsehenerregende Überfälle. Einige davon sind nach wie vor ungeklärt.

Februar 2006: Unbekannte stehlen am Faschingsdienstag vor einem Innsbrucker Einrichtungshaus im Stadtteil Amras aus einem Geldtransporter rund eine Million Euro. Die Bediensteten der Werttransportfirma stellen den Geldtransporter an der Ostseite des Gebäudes ab und lassen entgegen der Vorschriften das gepanzerte Fahrzeug unbeaufsichtigt. Als die beiden Angestellten nach vier Minuten zum Fahrzeug zurückkehren, bemerken sie die geöffnete Schiebetür und das Fehlen des Geldes.

April 2008: Der Diebstahl zweier Werttransportfahrzeuge des Paketpostamtes in Hall in Tirol sorgt für Aufsehen. Ein 40-jähriger Tiroler schult im Vorfeld seine drei Komplizen für den Diebstahl ein und übergibt ihnen sämtliche Schlüssel und Codes für die Transporter. Zwei Wochen später werden die Täter geschnappt und die Beute zur Gänze sicher gestellt.

März 2012: Bei einer Botenfahrt ins Zillertal verschwinden 365.000 Euro aus dem Geldtransporter einer Innsbrucker Sicherheitsfirma. Der 26-jährige Fahrer gibt an, dass ihm der Geldschwund erst in der Zentrale des Spezialunternehmens aufgefallen sei. Wenige Wochen später gerät der Fahrer ins Visier der Ermittler. Ein gutes halbes Jahr später wird der 26-Jährige, der stets seine Unschuld beteuerte, schließlich verurteilt. Das Geld bleibt verschwunden.

14. Februar 2014: In Hall in Tirol kommt es zu einem filmreifen Raubüberfall auf einen Geldtransporter. Die drei Täter geben sich als Zivilstreife aus und zwingen den Geldboten zu einem Halt auf einem Parkplatz an der Inntalautobahn (A 12). Dann bedrohen sie den Lenker mit einer Faustfeuerwaffe, fesseln und legen ihn am Innufer ab. Anschließend machen sie sich mit der Beute aus dem Staub.

15. Mai 2014: Zwei vorerst Unbekannte überfallen einen Geldtransporter in Innsbruck. Das bewaffnete Duo nimmt den Lenker des Wagens als Geisel und sperrt ihn im Transportraum ein. Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen, lassen sie von dem Vorhaben ab und machen sich aus dem Staub. Wenige Tage später werden zunächst ein Brüderpaar und danach der Vater festgenommen. Das Trio landet schließlich vor dem Richter und wird im November zu Haftstrafen verurteilt. (APA)

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