"Tatort: Der Maulwurf" in der ARD: Erfurter Meisterdetektive

Ansichtssache21. Dezember 2014, 19:22
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Sie stutzen selbst bei den größten Eindeutigkeiten nicht und kratzen sich stattdessen verzweifelt am Kopf

orf/ard/andreas wünschirs

Als "Fohlen-Tatort" wurde der Erfurter Tatort bereits verspottet. Das ist zum einen eher milder, fast schon liebevoll zu nennender Spott - zum anderen stimmt es irgendwie ja auch. Die drei Ermittlerinnen und Ermittler Grewel (Alina Levshin), Funck (Friedrich Mücke) und Schaffert (Benjamin Kramme) sehen aus und benehmen sich manchmal auch, als wären sie maximal die Enkelkinder der Kollegen Leitmayr und Batic.

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Auch in ihrem neuesten, zweiten Fall, "Der Maulwurf", müssen Chefin Petra Fritzenberger und Polizeihochschulleiter Römhild dem großäugig dreinschauenden Nachwuchs noch des Öfteren unter die Arme greifen. Manchmal wäre es besser gewesen, sie zu schubsen. Denn: Wer der rätselhafte "Maulwurf" ist und was für eine vertrackte Intrige da schließlich in Fritzenbergers Entführung endet, das schwant der Zuschauerin, dem Zuschauer wesentlich eher als der Polizistin und ihren beiden Kollegen. Was sich da für korrupte Schmutzkampagnen im Herzen der Exekutive abspielen, das lassen sich die braven Jungpolizisten, selbst bar jeder kriminellen Energie, nicht einmal träumen. Auch das ein Generationenkonflikt.

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Sie stutzen selbst bei den größten Eindeutigkeiten nicht und kratzen sich stattdessen verzweifelt am Kopf. Wer mag nur dieser Maulwurf sein? Das Versteck, in dem Fritzenberger gefangen gehalten wird, finden sie dagegen umso einfacher: ein zufällig aus dem Fotoalbum des Verdächtigen herausgegriffenes Bild von anno dazumal, die pensionierte Kollegin zum Entziffern der Sütterlin-Schrift angerufen - und schon eilen die drei der Chefin zur Rettung. Meisterdetektiv Kalle Blomquist, Anders und Eva-Lotta hätten es nicht besser gekonnt. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 22.12.2014)

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Nicht gerade gut fällt das Urteil von sueddeutsche.de aus: "Im Erfurter Tatort werden tolle Schauspieler verbraten, die - in einem Shitstorm aus mutmaßlich gebrauchten Toilettenartikeln und umweht von Schülertheaterbeschimpfungen - hölzerne und holzige Dialoge vortragen müssen: 'Alles klar?' (Schaffert) - 'Die haben ja sonst nicht so viel Spaß hier' (Grewel).

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Wenig schmeichelhaft resümiert auch welt.de: "So rauscht dieser "Tatort" gediegen vorbei, aber am Ende ist nichts haften geblieben, kein Bild, keine Emotion. Nicht einmal das zwielichtige Spiel von Christian Redl oder Oliver Stokowski, unvergessen als zu Tode gequälter "Büdchen"-Besitzer in "Das Experiment". Für die Zukunft der Mutter aller TV-Krimis ist das nicht genug." (red, derStandard.at, 21.12.2014)

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