Tolino Vision 2 im Test: Mit dem eBook-Reader in die Wanne

25. Dezember 2014, 13:38
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Thalia-Reader kann gegenüber der Konkurrenz von Amazon und Kobo seine Stärken ausspielen

Der größte Feind aller elektronischen Geräte war lange Zeit über Wasser. Ein unachtsamer Moment und das teure Gadget war unbrauchbar. Vereinzelte IT-Hersteller haben den natürlichen Feind erkannt und bieten mittlerweile wasserdichte Versionen ihrer Smartphones, Tablets oder Kameras an. Beim eBook-Reader setzte dieser Trend erst recht spät ein. Den Anfang machte PocketBook mit dem „Aqua“ im Sommer 2014, mittlerweile bieten fast alle Hersteller eine wasserdichte Version an. So auch der Buchhändler Thalia mit dem Tolino Vision 2. Der WebStandard konnte den eBook-Reader an Land und unter Wasser testen.

Der Tolino Vision 2 ist ein eBook-Reader aus dem Hause Thalia für 129 Euro (UVP).

Tolino verträgt auch Meerwasser

Gleich vorweg: Der Tolino Vision 2 ist tatsächlich wasserdicht. Ein ausgeschüttetes Wasserglas, sowie ein Badewannen-Tauchgang setzten den eBook-Reader nicht außer Gefecht. Das Wasser drang zwar in das Gerät ein, nach kurzer Zeit war die Flüssigkeit entronnen und der Vision 2 wieder einsatzfähig. Thalia verspricht, dass der Reader einen halbstündigen Süßwasser-Tauchgang bis zu einen Meter Tiefe überlebt. Sollte das Gerät mit anderen Flüssigkeiten in Kontakt kommen, empfiehlt der Hersteller den Vision 2 abzuwaschen und 48 Stunden lang zu trocknen.

Geringeres Gewicht als Kindle Paperwhite

Die Maße des eBook-Readers können sich ebenso sehen lassen: So wiegt der Vision 2 bei einer Größe von 163 x 114 Millimeter und einer Dicke von 8,1 Millimeter nur 174 Gramm. Zum Vergleich: Amazons Kindle Paperwhite ist mit einer Größe von 169 x 117 Millimeter und einer Dicke von 9,1 Millimeter minimal größer wiegt jedoch in der WLAN-Variante um 32 Gramm mehr. Das beim Vision 2 verwendete Kunststoffmaterial macht einen guten Eindruck, zieht auf der Rückseite jedoch Fingerabdrücke an. Insgesamt liegt der Thalia-eBook-Reader angenehm in der Hand, einhändiges und längeres Lesen ist daher problemlos möglich.

daniel koller/derstandard.at
Ein verschüttetes Wasserglas oder ein kurzer Badewannen-Tauchgang machen dem Thalia-Reader nichts aus.

Scharfe Darstellung - geringes Ghosting

Auch an der Darstellungsqualität ist nur wenig auszusetzen. Im unbeleuchteten sowie beleuchteten Modus ist das Schriftbild scharf. Mit einer Pixeldichte von 212 ppi weist der Vision 2 den gleichen Wert wie beispielsweise der Kindle Paperwhite auf. Bei einem Vergleich mit dem Pixelwunder Kindle Voyage mit 300 ppi ist mit freiem Auge kein besonderer Unterschied auszumachen. Im zweiwöchigen Test wies der eBook-Reader von Thalia allerdings vereinzelt Ghosting-Probleme auf. Das Firmware-Update 1.5.3 brachte Verbesserung, sodass die Schattenanzeige deutlich reduziert wurde.

Mehrere Möglichkeiten umzublättern

Umblättern kann man beim Vision 2 einerseits mit einem Fingerdruck auf den Bildschirm, andererseits durch einen kurzen Klopfer auf die Rückseite des Geräts. Dies funktioniert in der Praxis recht gut und sorgt bei einhändiger Nutzung für deutlich mehr Lesekomfort. Auch in Puncto Geschwindigkeit kann sich der Vision 2 sehen lassen, nur bei PDFs treten vereinzelt Verzögerungen auf. Bei der Akkulaufzeit verspricht Thalia sieben Stunden durchgehende Nutzung. Im Test konnten zwei Bücher mit 150 Seiten über einen Zeitraum von zwei Wochen ausgelesen werden, ohne dass der Akku schlapp machte.

daniel koller/derstandard.at
Ein kurzer Klopfer auf die Rückseite des Geräts reicht aus, um umzublättern. Dies erhöht beim einhändigen Lesen deutlich den Lesekomfort.

Formatkraftprotz

Für Fans von fremdsprachigen Büchern stehen Wörterbücher zur Verfügung. Derzeit sind deutsche, englisch, französische, italienische, niederländische und spanische Nachschlagewerke inkludiert. Zusätzlich können zu Textpassagen oder Wörtern Markierungen und Notizen erstellt werden. Dies fällt bei PDFs weg. Auch ein Landscape-Modus ist weiterhin nicht verfügbar. Insgesamt stehen zwei Gigabyte Speicherplatz für eBooks in den verbreiteten Formaten EPUB, PDF und TXT zur Verfügung. Bücher mit dem Kopierschutz Adobe DRM werden ebenso unterstützt.

Bücher, Bücher, Bücher

Aufgrund der Zusammenarbeit mit T-Mobile haben Tolino-Nutzer zusätzlich Cloudspeicher zur Verfügung, in der sämtliche bei den Partnerhändlern (Thalia, Hugendubel, Weltbild und Club Bertelsmann) gekaufte Bücher gespeichert werden. Zusätzlich ist ein kostenloser Zugriff auf die rund 180 T-Mobile-WLAN-Hotspots in Österreich möglich. Über diese und den eigenen WLAN-Zugang können Bücher problemlos auf das Gerät heruntergeladen werden. Bei einem internen Speicher von zwei Gigabyte und 25 Gigabyte Cloud-Speicherplatz ist somit ein Zugriff auf ein riesiges Bücher-Repertoire möglich. Zusätzlich können auch Bücher direkt am Gerät gekauft werden, hierbei verspricht der Hersteller eine Sammlung von einer Million eBooks. Ein microSD-Slot ist übrigens nicht mehr verbaut.

daniel koller/derstandard.at
Die Textdarstellung ist scharf, vereinzeltes Ghosting wurde durch ein Firmware-Update gemindert.

Fazit

Mit dem Tolino Vision 2 liefert Thalia insgesamt einen überzeugenden eBook-Reader zu einem vernünftigen Preis (129 Euro UVP). Besonders hervorzuheben ist der Wasserschutz und die Format-Freiheit. Wer also abseits von Amazon und Kobo auf der Suche nach einem ordentlichen eBook-Reader ist, kann beim Vision 2 mit gutem Gewissen zugreifen. (Daniel Koller, derStandard.at, 25.12.2014)

Hinweis im Sinn der redaktionellen Leitlinien: das Testgerät wurde der Redaktion von Thalia zur Verfügung gestellt.

Link

Tolino Vision 2

Nachlese

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