Nach Schüssen auf indische Fischer: Eiszeit zwischen Rom und Delhi

21. Dezember 2014, 15:54
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Die Schüsse italienischer Soldaten auf indische Fischer vor drei Jahren lasten noch immer schwer auf den diplomatischen Beziehungen

Der Vorfall liegt fast drei Jahre zurück, aber er lastet nach wie vor schwer auf den Beziehungen zwischen Italien und Indien: Am 19. Februar 2012 erschossen die italienischen "Marò" (Marinesoldaten) Salvatore Girone und Massimiliano Latorre im Rahmen eines Einsatzes gegen Piraten vor der indischen Küste zwei indische Fischer - ein folgenschwerer Irrtum. Die Italiener wurden von den indischen Behörden verhaftet und unter Mordanklage gestellt. Im Land gilt die Todesstrafe, vollstreckt wird sie aber selten.

Seither versucht Rom, Girone und Latorre zurückzuholen, muss aber dabei immer wieder herbe Niederlagen einstecken. Eine kalte Dusche erfolgte vor wenigen Tagen: Das indische Höchstgericht entschied, dass Girone über die Feiertage keinen Hafturlaub erhält und dass Latorre, der nach einem Herzinfarkt in Italien medizinisch behandelt wird, Mitte Jänner nach Indien zurückkehren muss.

Italiens Außenminister Paolo Gentiloni droht nun offen mit diplomatischen Schritten, und sogar Staatspräsident Giorgio Napolitano zeigte sich "sehr verdrossen".

Fehler vonseiten Italiens

Grund zur Verstimmung hat aber auch Delhi, denn Rom hat sich eine Reihe schwerer Patzer geleistet. Den unglaublichsten Affront hatte sich 2013 noch die Regierung von Mario Monti erlaubt: Auf eine Garantie Roms hin, wonach Latorre und Girone wieder nach Indien zurückkehren würden, hatte Delhi den beiden erlaubt, im Februar für die Parlamentswahlen nach Italien zu reisen. Dann kam der Wortbruch: Rom ließ Delhi wissen, dass die Marò in Italien bleiben würden.

Erst als Indien über den italienischen Botschafter eine Ausreisesperre verhängte, knickte Rom ein und schickte die beiden Soldaten zurück.

Hart auf hart

Auch unter Montis Nachfolgern Enrico Letta und Matteo Renzi änderte sich der Ton kaum. Rom hat nie versucht, sich an die indische Öffentlichkeit zu wenden, die den Fall der beiden Fischer als rücksichtslosen Mord empfindet. Heikel daher auch die Ankündigung von Verteidigungsministerin Roberta Pinotti, dass der rekonvaleszente Latorre "sicher nicht" nach Indien zurückkehren werde - das gleicht dem Wortbruch von 2013. (Dominik Straub aus Rom, DER STANDARD, 22.12.2014)

  • Die italienischen Soldaten Girone (links) und Massimiliano Latorre beteuern, der Tod von zwei indischen Fischern sei kein Mord, sondern ein Unglück gewesen.
    foto: ap

    Die italienischen Soldaten Girone (links) und Massimiliano Latorre beteuern, der Tod von zwei indischen Fischern sei kein Mord, sondern ein Unglück gewesen.

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