YouTube: Milliarden Zuseher - und trotzdem Probleme

21. Dezember 2014, 14:07
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Der Werbeumsatz hinkt TV und Googles Suchmaschine immer noch weit hinterher – jetzt sucht YouTube nach neuen Erlösmodellen

Eigentlich ist YouTube eine spektakuläre Erfolgsgeschichte: 2005 von ehemaligen PayPal-Mitarbeitern gegründet, etablierte sich die Website schnell als Nummer Eins fürs Videoschauen im Netz. Schon ein Jahr darauf schlug Suchmaschinist Google für die Summe von 1,65 Milliarden Dollar zu. Jeden Tag sehen rund eine Milliarde Menschen weltweit ein YouTube-Video, in den USA steuerten rund 83 Prozent aller Internetnutzer vergangenen November die Seite an.

Extrem hohe Abonnenten-Zahlen

YouTube hat eigene Stars herausgebildet, etwa PewDiePie oder Smosh. Sie halten bei Abonnentenzahlen von bis zu 33 Millionen, erreichen also potenziell fast doppelt soviele Menschen wie die erfolgreichsten US-Fernsehserien. Filmstudio Dreamworks sicherte sich vor einem Jahr die Rechte an einer Reihe von YouTube-Kanälen, die sich seitdem zehnfach im Wert gesteigert haben sollen.

Kein Erfolgsmodell ökonomischer Natur

Und dennoch: YouTube ist gleichzeitig noch kein Erfolgsmodell. Denn der durch Werbung erzielte Umsatz belief sich 2014 auf "lediglich" 1,13 Milliarden Dollar. Facebook erzielte doppelt soviel, traditionelle Fernsehsender weltweit gemeinsam rund 200 Milliarden. Auch Videostreaming-Konkurrent Netflix, das keine Werbung ausspielt, schlug YouTube mit einem Umsatz von 1,41 Milliarden.

Reihenhaft Probleme

YouTube könnte also viel besser abschneiden – denn gerade der Videomarkt lässt Werbung zu. Allerdings hat das Portal laut New York Times eine Reihe von Problemen. So verweisen Werbeunternehmen, die Anzeigen auf YouTube buchen, immer darauf, dass es sich bei einem Werbeplatz auf YouTube um kein "begrenztes Gut" handelt. Sprich: Im US-Fernsehen gibt es eine Hand voll großer Fernsehsender, die täglich 24 Stunden senden. In dieser Zeit gibt es Werbeplätze, mehr gibt es nicht. Bei YouTube werden allerdings minütlich hunderte Stunden Videomaterial hochgeladen – der Werbeplatz ist theoretisch also nahezu unbegrenzt.

Google Preferred

Zusätzlich hatte YouTube lange Zeit kein Modell, wie die Werbeanzeigen auf den eigenen Inhalt verteilt werden: Startet der Spot bei allen Videos in einem bestimmten Land? Oder kommt die Werbung nur bei bestimmten Themengebieten? Wie wird verhindert, dass die Werbung vor "schmuddeligen", qualitativ mangelhaften Clips ausgespielt wird? Mit Google Preferred will YouTube hier erstmals eine Auswahl ermöglichen.

Zu gierig?

Gleichzeitig beklagen viele YouTube-Produzenten, dass sich Google zu wenig um die eigenen Stars kümmert. Der Suchmaschinist streift 49 Prozent der Werbeeinahmen ein, investiert allerdings nur selten in Content-Produzenten (eine Ausnahme erfolgte vor einigen Jahren, als YouTube für 200 Millionen Hollywood-Stars anwarb, eigene Kanäle zu gründen). So passiert es schon mal, dass etwa Netflix erfolgreiche YouTube-Kanalbetreiber abwirbt. Auch die neue Firma des Hulu-Gründers soll schon kräftig rekrutieren. Ein eigenes "House of Cards" auf YouTube? Für Branchenbeobachter undenkbar.

Facebook macht Druck

Zusätzlich setzt YouTube die Konkurrenz immer mehr unter Druck: Facebook fokussiert sich plötzlich auf Videos, da diese in mehreren internen Studien als beliebteste Art von Content erkannt wurden. Auch Amazon forciert Webshows mit Instant Prime Video. Zum Gegenschlag will YouTube nun mit der neuen Chefin Susan Wojcicki ausholen. Sie hat bereits Googles Werbenetzwerk bei Suchmaschinenergebnissen profitabel gemacht und gilt als Google-Veteranin (angeblich soll Google sogar in ihrer Garage gegründet worden sein).

Bezahlabo

Eine erste Idee aus ihrer Feder ist etwa Google Music Key: Nutzer können für acht Dollar monatlich werbefrei Musikvideos sehen, die noch dazu über eine bessere Audioqualität verfügen. Außerdem hält Wojicki laut New York Times regelmäßig Meetings mit den größten Konzernen, um ihnen das Werben auf YouTube näher zu bringen. Und auch um ihre Produzenten will sich die Google-Managerin besser kümmern: Ziel wird es sein, YouTube-Stars zu Stars zu machen – ohne die Betonung auf YouTube, so Wojicki. Seit Februar 2014 ist sie im Amt, nächstes Jahr soll man ihren Einfluss dann wirklich spüren. Damit aus Milliarden Zusehern auch Milliardenumsätze werden. (fsc, derStandard.at, 21.12.2014)

  • YouTube-Stars wie PewDiePie sollen zu wenig unterstützt werden
    foto: screenshot/youtube/pewdiedie

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  • Insgesamt hat YouTube noch große Probleme, seine Nutzerzahlen zu monetarisieren
    foto: reuters

    Insgesamt hat YouTube noch große Probleme, seine Nutzerzahlen zu monetarisieren

  • Die seit Februar amtierende neue Chefin Susan Wojcicki soll das ändern
    foto: reuters

    Die seit Februar amtierende neue Chefin Susan Wojcicki soll das ändern

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