IS soll dutzende ausländische Deserteure getötet haben

21. Dezember 2014, 13:49
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Hinrichtungen in Syrien und Irak - Kämpfer wollten zurück nach Europa

London/Kobane - Die jihadistische IS-Miliz hat einem Medienbericht zufolge hundert an ihrer Seite kämpfende Ausländer hingerichtet. Die Getöteten hätten den Kämpfen entkommen wollen und versucht, das IS-Hauptquartier im syrischen Rakka zu verlassen, berichtete die Zeitung "Financial Times".

Die Zeitung berief sich dabei auf Angaben eines Aktivisten, der sowohl gegen den IS als auch gegen die syrische Regierung agiere. Dieser habe Berichte über die Hinrichtungen überprüft und könne "100 Tötungen" bestätigen.

IS-Kämpfer an Rückreise gehindert

Nach Angaben von IS-Kämpfern hat die Jihadistenmiliz eine eigene Militärpolizei aufgebaut, um gegen ausländische Mitglieder vorzugehen, die desertieren wollen. Medienberichten zufolge sollen einige Jihadisten desillusioniert sein von der Realität der Kämpfe in Syrien.

Britischen Medienberichten vom Oktober zufolge wollten fünf Briten, drei Franzosen, zwei Deutsche und zwei Belgier zurück in ihre Heimat, nachdem sie sich beklagt hatten, dass sie mehr gegen andere Rebellen als gegen die syrische Regierung kämpfen würden. Sie sollen vom IS gefangen gehalten werden. Insgesamt sollen zwischen 30 und 50 Briten in ihre Heimat zurück wollen, fürchten aber laut dem Internationalen Zentrum für Radikalisierungsstudien am Londoner King's College dort eine Gefängnisstrafe.

Auch in Mossul Hinrichtungen

Indes hat IS auch im Irak Kämpfer aus ihren eigenen Reihen hingerichtet. Augenzeugen berichteten der dpa, 45 Mitglieder seien in der nordirakischen Stadt Mossul getötet worden. Die Jihadisten seien für ihre Niederlage im Kampf um das Sinjar-Gebirge bestraft worden.

Die Sunnitenmiliz IS hatte im Sommer zunächst Mossul erobert und dann große Teile des Nordiraks überrannt. Zehntausende Flüchtlinge hatten sich daraufhin in das Sinjar-Gebirge geflüchtet, der IS hatte das Plateau seitdem eingekesselt. Vergangene Woche befreiten kurdische Peschmerga-Kämpfer in einer Offensive den Sinjar und die IS-Kämpfer mussten fliehen.

Massengrab entdeckt

Nach der Befreiung des Sinjar-Gebirges im Nordirak sind kurdische Peschmerga-Kämpfer auf ein Massengrab mit den Überresten von rund 70 Menschen gestoßen. Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw vom Samstag soll es sich um von der IS getötete Jesiden handeln. Die Miliz hatte seit August Tausende Flüchtlinge der religiösen Minderheit im Sinjar-Gebirge eingekesselt.

Die Peschmerga hatten in einer Offensive am Donnerstag IS-Stellungen in dem Hochplateau angegriffen. Dabei gelang es ihnen, einen Korridor zum Sinjar-Höhenzug frei zu schlagen. Rudaw zufolge rückten die Peschmerga am Samstagnachmittag bis in die zuvor vom IS beherrschte Stadt Sinjar südlich des gleichnamigen Gebirges ein. Der arabische Fernsehsender Al-Arabiya berichtete, Sinjar sei bereits komplett zurückerobert worden.

Wochenlange Hungersnot

Von der Stadt aus hatten die Jihadisten im Sommer Zehntausende Jesiden in die Berge getrieben. Viele konnten nach Wochen der Hungersnot gerettet werden, zuletzt befanden sich noch rund 9.000 Flüchtlinge im Gebirge.

Auch im nordsyrischen Kobane verkündeten kurdische Kämpfer Erfolge. Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hätten einen seit Freitagabend andauernden Angriff der IS abgewehrt und 26 IS-Milizionäre getötet, berichtete Rudaw. Sieben weitere Jihadisten seien anschließend bei einem Gegenangriff an der Ostfront der belagerten Stadt getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung der Zahlen gab es zunächst nicht.

Kobane wird seit Mitte September eingekesselt. Syrische Kurden verteidigen die Stadt erbittert. Seit Ende Oktober werden sie von Einheiten der nordirakischen Kurdentruppe Peschmerga unterstützt, die über die Türkei nach Syrien gelangten. (APA, 20.12.2014)

  • Blick auf das Sinjar-Gebirge.
    foto: reuters/rodi said

    Blick auf das Sinjar-Gebirge.

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