"Hot" im Test: Hofers neuer Do-it-yourself-Mobilfunk

23. Dezember 2014, 13:54
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Angebot überzeugt mit Preisen und Benutzerfreundlichkeit – großzügige Datentaktung problematisch

Der österreichische Mobilfunkmarkt stand 2013 und 2014 im Zeichen der Konsolidierung. Für die Konsumenten hatte dies unangenehme Folgen. Schon bald nachdem die Übernahme von Orange durch den Konkurrenten "3" abgesegnet und vollzogen war, erhöhten die drei großen Mobilfunker und auch ihre eigenen Diskontmarken, die Tarife

Die Hoffnung auf einen gegensätzlichen Trend schürte der Start von weiteren Virtuellen Operatoren (MVNOs). Jener der UPC enttäuschte allerdings – der Internet- und TV-Anbieter verzichtete selbsterklärt darauf, ein Preisbrecher zu sein und startete mit unspektakulärer Preisgestaltung.

Anders will es die Diskont-Supermarktkette Hofer machen. Während der bisher dort vertriebene Anbieter "Yesss" zur Rewe-Gruppe (u.a. Billa, Penny und Merkur) wandert, versucht man sich unter dem Namen "Hot" (Hofer Telekom) selbst als Mobilfunker. Der WebStandard hat das Angebot getestet.

foto: derstandard.at/georg pichler

Nutzte Yesss noch das A1-Netz, hat sich Hot bei T-Mobile eingemietet. Gemäß der diesjährigen Tests ist man dort im zweitbesten Netz des Landes unterwegs, wobei das Niveau allgemein hoch ist. Nach eigenen Angaben deckt man 99 Prozent der Bevölkerung mit GSM-Sprachtelefonie und 94 Prozent mit Datenfunk ab. Rückschlüsse über den aktuellen Stand des LTE-Ausbaus lässt die Online-Abdeckungskarte allerdings nicht zu, da LTE dort mit 3G-Breitband zusammengefasst wird.

Drei SIM-only-Tarife - folglich ohne Bindefrist und Servicepauschale - bietet Hot zum Start an: Hot flex, Hot fix und Hot data, die SIM-Karte lässt sich in Standardgröße nutzen oder im microSIM- und nanoSIM-Format herausbrechen. Hot flex ist ein klassisches Prepaid-Angebot. Jede Minute, SMS und jedes verbrauchte Megabyte an Daten wird vom aufgeladenen Guthaben abgerechnet. Pro Minute Telefonie sowie SMS verrechnet man 3,9 Cent. Pro Megabyte sind es 0,9 Cent. 100 Megabyte kosten also mit 90 Cent etwas weniger als einen Euro, ein Gigabyte rund neun Euro, womit das Angebot nicht unbedingt etwas für Vielsurfer ist.

Hot fix bietet ein Paket von 1.000 Minuten oder 1.000 SMS (die gemeinsam einen Pool von 1.000 Einheiten bilden) sowie 3.000 MB für 9,90 Euro. Damit liegt man auf dem Niveau von Anbietern wie Delightmobile (2.000/2.000/2.000 für 14,90 Euro), deren Zielpublikum Menschen mit hohem Bedarf an Telefonaten ins Ausland sind. Mit 6,90 Euro für 3.000 MB ist der reine Datentarif Hot data beinahe das günstigste Angebot auf dem Markt.

foto: derstandard.at/georg pichler

Zum Vergleich: Gigabob verlangt 9,90 für neun GB oder 1,10 EUR/GB. Allerdings liegt die maximal erreichbare Transferrate bei Hot mit 7,2 Mbit/s (Hot fix) bzw. 21 Mbit/s (Hot data) deulich höher als bei Bob (4 Mbit/s).

Die Bandbreite bei Hot fix lässt sich mit einer eigenen Zusatzoption für monatlich zwei Euro auf bis zu 21 Mbit/s steigern. Attraktiv dürfte dies vorerst aber nur für Nutzer mit guter 3G-Abdeckung abseits von Ballungszentren sein. Denn selbst die 7,2 Megabit/s werden in Wien trotz aktiviertem Highspeed meist nicht einmal ansatzweise erreicht.

Bei kurzen Nachprüfungen über die Ookla-Speedtest-App (Android) gelang zur Mittagszeit in der Standard-Redaktion nahe des Bahnhofs Wien-Mitte mit acht bis elf Mbit/s der Höchstwert. Am späteren Nachmittag kroch die Verbindung sowohl am Stephansplatz, als auch vor dem Westbahnhof im Schneckentempo dahin. Im Downstream wurden im günstigsten Fall zwei bis drei Mbit/s erreicht, der Upstream war mit teils weniger als 100 Kbit/s ebenfalls dramatisch belastet, was natürlich auch dem winterlichen Besucheraufkommen in der Bundeshauptstadt geschuldet ist. Etwas abseits vom Schuss reichte es in Wien-Meidling am späteren Abend für acht bis neun Mbit/s im Downstream und zwei bis drei Mbit/s für den Upload.

foto: derstandard.at/pichler

Zu diesen Ergebnissen sei aber gesagt, dass von belastungsbedingten Einschränkungen freilich nicht nur Hot-Kunden betroffen sind, sondern prinzipiell jeder Nutzer, der T-Mobile oder einen Mobilfunker in dessen Netz in Anspruch nimmt. Bessere Geschwindigkeiten sollten sich im Schnitt erzielen lassen, wenn Hot im Laufe des nächsten Jahres LTE-Zugang ermöglicht.

Wenngleich die günstigen Datentarife verlockend sind – selbst das Zubuchen von 1.000 MB ist mit 3,90 Euro verhältnismäßig leistbar – ist aber Vorsicht geboten. Denn die Taktung bei Hot beträgt ein MB. Das bedeutet, dass der Verbrauch jeder angefangenen Verbindung nach Beendigung auf das nächste Megabyte gerundet wird. Zum Vergleich: Bei Bob wird nach 64kb-Blöcken abgerechnet, bei S-Budget immerhin noch per 512kb.

Werden mit Hot zum Beispiel innerhalb einer Verbindung lediglich Messengernachrichten oder E-Mails synchronisiert, schrumpft das Datenkontingent um ein Megabyte, selbst wenn der effektive Verbrauch nur 150 Kilobyte beträgt. Vielsurfer sollten daher immer ein Auge auf ihren aktuellen Guthabenstand haben. Auch die Telefonie-Taktung von 60/60 könnte niedriger sein.

foto: derstandard.at/georg pichler

Dieser Punkt bietet eine gute Gelegenheit, auf das Kundeninterface von Hot einzugehen. Dieses steht sowohl im Browser, als auch über eine eigene App bereit. Der erstmalige Login erfolgt über die Eingabe der eigenen Hot-Telefonnummer und einem per SMS an diese zugesandten Code, der binnen weniger Sekunden zugestellt wird.

Danach kann der User frei entscheiden, ob er sich mit seiner E-Mail-Adresse und anderen Daten registriert und damit künftig mit einem selbst gewählten Passwort einloggt, oder weiter SMS-Einmalcodes verwendet. Ein angenehm unkomplizierter Zugang.

Übersichtlich und modern gestaltet zeigt sich auch das Menü. Große Schaltflächen weisen den Weg zu den wichtigsten Punkten, zu denen auch die Kontoauszüge gehören. Dort finden sich Nachweise für Verbindungen und Einzelgespräche, letzteren gibt es auf Wunsch auch unverkürzt.

foto: derstandard.at/pichler

Einen groben Verbrauchsstand von Daten und Sprachkontingent bieten zwei allgegenwärtige, jedoch recht kleine "Ladestreifen" am unteren Rand des Hauptmenüs. Wer konkrete Zahlen wissen will, klickt auf den Punkt "Verbrauch" und erhält sie dort.

Vorbildlich sind dafür die Einzeleinstellungen für die Kostenkontrolle. So lässt sich eine Sperre einrichten, die nach einem frei gewählten Betrag an vertelefoniertem und versurftem Geld in Kraft tritt. Dazu lassen sich auch Dinge wie passives und aktives Roaming oder die Datennutzung im In- und Ausland einfach deaktivieren oder wieder einschalten.

Auf der Hot-Hauptseite findet sich darüber hinaus ein praktisches Tool, das die genauen Anrufkosten für Telefonate von und nach Ländern mit Hot-Roamingpartnern anführt. Wer wissen möchte, wieviel ein Gespräch via Hot von Estland nach Japan kostet, wird hier fündig.

foto: derstandard.at/pichler

Möchte man Guthaben aufladen, findet man dafür drei Optionen vor. Kunden können eine monatliche Aufladung mit einem vorher gewählten Betrag einrichten, oder eine automatische Aufladung bei niedrigem Guthabenstand triggern. Beides ist allerdings nur mit Eingabe von Name und Adresse und Erteilung eines Abbuchungsauftrags möglich.

Daneben gibt es die klassische Einmalaufladung um 10, 20 oder 30 Euro. Diese erfolgt entweder mit dem Code eines gekauften Ladebons oder per OnlineBanking, Kreditkarte oder Paypal. Eine Testaufladung über den letztgenannten Bezahldienst klappte reibungslos, eine Bestätigung kam unmittelbar auch per SMS. Auch das Wählen von Tarifen und Zusatzpaketen wird auf diesem Wege zusätzlich verifiziert.

Ebenso gelungen wie das Kundencenter im Browser ist der Zugang per App. Das Menü ist hier anders, aber ebenfalls übersichtlich aufgebaut. Der Umfang ist weitgehend ident, lediglich die Auswahl von Tarif und Zusatzpaketen steht leider nicht zur Verfügung. Ärgerlich: Auch eine Übersicht über das verbrauchte Kontingent fehlt, hier gibt es lediglich Zugriff auf die Einzelgesprächsnachweise.

foto: derstandard.at/georg pichler

Nicht getestet wurde die Service-Hotline, da Hot erst am 2. Januar in den allgemeinen Betrieb startet. Telefonische Hilfe wird ab dann unter einer kostenlosen Nummer von Montag bis Samstag zwischen 7 und 22 Uhr angeboten.

Fazit

Im ersten Test macht das eigene Mobilfunkangebot einen guten Eindruck. Hot bietet attraktive Tarife, sowohl im Gesamtpaket für Telefonie, SMS und Daten, als auch als reines Surfangebot. Wermutstropfen sind allerdings die hohen Taktungen für Sprach- und Datenabrechnung.

Die Einrichtung des gewünschten Tarifes erfolgt über die Homepage flott und unproblematisch. Das Online-Kundencenter präsentiert sich insgesamt als sehr benutzerfreundlich und ausgereift, ohne dabei wichtige Optionen auszusparen. Entsprechend unkompliziert gehen das Zubuchen von Paketen, das Aufladen von Guthaben oder die Bedienung der Kostenkontrolle von der Hand. Sofern es nicht zu technischen Problemen kommt, werden Kunden einfach nach dem Do-It-Yourself über die Runden kommen.

Es bleibt aber natürlich abzuwarten, wie sich die Homepage und auch die Hotline schlägt, sobald Hot kurz nach Neujahr offiziell startet. Dann bietet Hofer auch entsperrte Medion-Smartphones an, denen ein Starterpaket beigelegt ist. (Georg Pichler, derStandard.at, 21.12.2014)

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