Nach Finanzskandal droht Bettelorden der Ruin 

19. Dezember 2014, 17:16
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Verwicklungen des Franziskaner-Ordens in dubiose Geschäfte aufgedeckt

"Liebste Brüder! In der Verpflichtung, wie die Söhne des Lichts zu leben, wollen wir eine schwerwiegende Situation ans Licht tragen" - mit diesen Worten enthüllt Michael Perry, Generalminister der Franziskaner, in einem Brief einen Finanzskandal im eigenen Orden. Es geht um die "finanzielle Stabilität des Ordens und seines Vermögens. Die Schwierigkeiten seien "ernst", die Schulden und Zinsbelastungen "beträchtlich", so der Amerikaner. Man könnte sagen: Dem Orden droht der Konkurs.

Grund für den Schlamassel sind, wie Perry einräumt, "dubiose Finanzoperationen": Laut Medien hat der Bettelorden, der dem Armutsideal verpflichtet ist, hohe Beträge in Gesellschaften investiert, gegen die inzwischen wegen Waffen- und Drogenhandels ermittelt werde; die Schweizer Justiz habe Konten mit Dutzenden Millionen Euro beschlagnahmt.

Als große Belastung hätten sich außerdem der Kauf und die Renovierung eines Luxushotels in Rom herausgestellt; hier scheinen sich die Verantwortlichen des Ordens finanziell übernommen zu haben.

Verdächtigter Pater Giancarlo Lati

Die Transaktionen gehen auf die Zeit zurück, in der Perrys Vorgänger José Rodríguez Carballo den Orden leitete. Dieser war 2013 von Papst Franziskus in die Kurie geholt und zum Erzbischof ernannt worden. Auf die Machenschaften stieß nun die neue Führung. Eine zentrale Rolle scheint Pater Giancarlo Lati gespielt zu haben. Der 62-Jährige hatte auch eine Führungsposition bei der Skandalbank Monte dei Paschi di Siena innegehabt und ist als Schatzmeister der Franziskaner inzwischen zurückgetreten - "aus gesundheitlichen Gründen".

In Perrys Brief ist die Rede von "Mitbrüdern, denen die Verwaltung des Vermögens anvertraut war" und deren Transaktionen weder der früheren noch der aktuellen Führung vollumfänglich bekannt gewesen seien. Bei dem Debakel hätten aber auch ordensfremde Personen eine "maßgebliche Rolle" gespielt; aus diesem Grund habe die Ordensleitung einstimmig beschlossen, die zivile Justiz einzuschalten.

Versprechen: Transparenz schaffen

Perry versicherte, alles zu tun, um Transparenz zu schaffen und das Finanzgebaren wieder "vereinbar mit den franziskanischen Werten" zu machen. Gleichzeitig bat Perry die Mitbrüder in aller Welt um einen Beitrag, um aus der aktuellen schwierigen Situation wieder herauszufinden. (Dominik Straub aus Rom, DER STANDARD, 20.12.2014)

  • Die Ordensregel verpflichtet die Franziskaner zur Armut - dies dürfte  zuletzt nicht ernst genommen worden sein.
    foto: ap / sebastian scheiner

    Die Ordensregel verpflichtet die Franziskaner zur Armut - dies dürfte zuletzt nicht ernst genommen worden sein.

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