Die Allgegenwart des Bösen

Kolumne19. Dezember 2014, 17:11
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Die blanke Mordlust und/oder eine konstruierte "Zwangslage" haben immer wieder große Gruppen von Menschen zu durch und durch bösen Handlungen getrieben

Ob es das absolut Böse in der Welt gibt, ist eine philosophische Streitfrage. Sie stellt sich erneut angesichts bärtiger Finsterlinge, die eine pakistanische Schule überfallen, um gezielt weit über hundert Kinder zu ermorden, sowie anderer Bärtiger, die im Einflussbereich des "Islamischen Staates" sogenannte Ungläubige ermorden, kreuzigen und köpfen, darunter auch kleine Kinder (Fotos im Internet).

Das alles geschieht im Namen eines absoluten, absolut "reinen" Islam. genauso wie vor 70 und mehr Jahren junge Männer in Wehrmachts- oder SS-Uniform im Namen einer wahnwitzigen völkischen Reinheitsideologie reihenweise auch kleine Kinder erschossen. Die Zeugnisse sind da, unter anderem in Stefan Ruzowitzkys Film Das radikal Böse, in dem Briefe der Mörder an ihre Familien verlesen werden: Das hätte halt sein müssen, sonst würden die Juden noch die ganze Welt beherrschen.

Dieser mörderische Wahnsinn ist von genügend "normalen" Menschen geglaubt worden, ebenso wie von bis dahin für halbwegs normal angesehenen jungen Leuten geglaubt wird, dass für das Reich Allahs eben Kleinkindern der Kopf abgeschnitten werden muss.

Es finden sich übrigens genug Menschen, die derlei relativieren, verharmlosen oder mit dem unheilvollen Einfluss anderer entschuldigen. Massenmorde und Versklavung von Frauen seien ja irgendwie erklärlich, weil "der Westen" die armen Massenmörder ja dazu getrieben habe.

Analog dazu gab und gibt es jede Menge Leute, die die Massenmorde der Nazis zwar vordergründig verurteilen, aber doch auch immer wieder "Erklärungen" dafür suchen und auch "finden": Stalin hätte Hitler ja sozusagen gezwungen, präventiv zu handeln (siehe etwa die Version des deutschen Historikers Ernst Nolte vor einigen Jahrzehnten, die Macht der Juden sei ja wirklich so groß gewesen und auch heute noch so groß, dass man verstehen müsse ...)

Faktum ist, dass blanke Mordlust und/oder eine konstruierte "Zwangslage" immer wieder große Gruppen von Menschen zu durch und durch bösen Handlungen treiben. Die Nazis in Europa, die Japaner in China, Stalins Hungermorde an drei Millionen Ukrainern, die Khmer rouge in Kambodscha, die Ermordung von mindestens 800.000, wenn nicht einer Million Tutsis in Ruanda durch ihre Nachbarn, die Hutus, alles binnen 100 Tagen - alles vorher undenkbar, dann aber doch mit entsetzlicher Leichtigkeit durchgeführt.

Der einzige Schluss, den man aus alldem ziehen kann: Solche Greueltaten, seien sie spontan oder Ergebnis einer sorgfältigen Planung, sind jederzeit möglich. Und das in fast jedem denkbaren gesellschaftlichen System. Ideologien, vor allem jene, die auf "Reinheit", Ausschließlichkeit und absoluten Heilslehren beruhen wie der Nationalsozialismus oder eben auch der Salafismus, Islamismus, Fundamentalismus begünstigen das Böse im Namen einer "höheren Idee". Verdrängung, Verharmlosung, Verleugnung nützen daher nichts. Derzeit sind es die mörderischen Islamisten, die die Welt verdunkeln, morgen jemand anderer. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 20.12.2014)

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