Saubere Dollar gegen soziale Geschichte

20. Dezember 2014, 17:00
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Die kanadische Unternehmerin Barb Stegemann verkauft Parfum aus Krisenregionen. "Make Perfume not War" lautet das Motto

Toronto/Wien - Die kanadische Unternehmerin Barb Stegemann wird mittlerweile von den Medien ihres Landes viel gefeiert: Women Entrepreneur of the Year. Gewinnerin der TV-Serie "Dragon's Den", wo Jungunternehmer vor einer finanzkräftigen Jury um einen Investor buhlen. Gern gesehener Gast in Talk-Runden zu Entwicklungshilfe und Business-Start-ups.

Denn die Idee, mit der Barb Stegemann 2006 eine Firma namens Seven Virtues gründete, wirkt bestechend einfach, ist kommerziell erfolgreich und gleichzeitig eine Art Entwicklungshilfeprojekt. Obwohl Stegeman alles meidet, was mit Charity zu tun hat und stattdessen auf den langfristigen Geschäftscharakter mit den Bauern verweist. "Wir bringen saubere Dollars in Länder wie Afghanistan", betont sie auf der Firmenhomepage.

Blütenöle

In Afghanistan begann das Unternehmen. Stegemann hatte einen Zeitungsartikel über einen Bauern gelesen, der keine Abnehmer für seine Blütenöle fand. Denn jede wirtschaftliche Struktur war durch die langen Kriege zerstört. Die verbliebenen landwirtschaftlichen Aktivitäten konzentrierten sich auf den illegalen Anbau von Mohn für die Opiumherstellung. Um 2000 Dollar kaufte Stegemann Abdullah Arsala, dem Besitzer von Gulestan Essential Oils in Jalalabad, das Rosenöl ab. Eine Geschäftsbeziehung war geboren. Stegeman lies das Öl, gerade mal ein Becher voll, nach Toronto bringen und daraus eine erste Edition von Parfüms herstellen.

Das klingt einfach, war es aber nicht, denn Handelsembargos machten und machen der Unternehmerin das Leben schwer. Dennoch war sie mit ihrer Parfümdestillerie sehr schnell erfolgreich. Sie stieß in eine Nische. Kanadische, später die US- und neuerdings auch die europäischen Konsumentinnen schätzen es, wenn ein Produkt auch eine soziale Geschichte hat. "Retail Activism" wird dies in der Handelsfachsprache genannt. Mit einem Kauf wird ein Statement gesellschaftlicher Natur abgegeben. Es wird ein politisches oder ökologisches oder sonst ein Projekt unterstützt.

Schneller Erfolg

Durch den schnellen Anfangserfolg stieß Stegemann, eigentlich eine Physiotherapeutin, mit Seven Virtues schnell an unternehmerische Grenzen. Eine Finanzspritze musste her. Kanadische Banken hielten sich mit Krediten zurück, zu ungewöhnlich war das Geschäftsmodell. Die 45-jährige Jungunternehmerin trat deshalb bei der kanadischen Start-up-Fernsehserie "Dragon's Den" auf, wo Firmenideen präsentiert und Investoren gesucht werden. Prompt errang sie den ersten Preis; der Investor W. Brett Wilson stieg ins Unternehmen ein. Mittlerweile wurde etwa eine Viertelmillion kanadischer Dollar (175.000 Euro) in das Unternehmen gesteckt.

Aus fünf Düften besteht die Kollektion mittlerweile. Zwei mit afghanischen Blütenölen, sowie welchen aus Haiti, Ruanda und dem Mittleren Osten. Als der ehemalige US-Präsident Bill Clinton 2013 Haiti besuchte, um mit seiner Foundation zu sondieren, wie dem vom Erdbeben verwüsteten Land geholfen werden könnte, war sie mit dabei. Nicht als Geld- sondern als Ezzes-Geber. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 20.12.2014)

  • Für ein Parfüm bezieht Barb Stegemann Öl aus Patschuliblüten aus Ruanda. Zu fairen Preisen, wie sie betont. Ziel ist, den Bauern in von Kriegen gebeutelten Regionen neue Geschäftsmodelle zu eröffnen.
    foto: 7 virtues

    Für ein Parfüm bezieht Barb Stegemann Öl aus Patschuliblüten aus Ruanda. Zu fairen Preisen, wie sie betont. Ziel ist, den Bauern in von Kriegen gebeutelten Regionen neue Geschäftsmodelle zu eröffnen.

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