Am Punschstand kriegt die Leber ihr Fett weg

Kommentar19. Dezember 2014, 17:00
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Spendenideen für die Ärmsten der Armen

Es war ein durchwachsenes Jahr. In West und Ost wurde intensiv daran gearbeitet, zu frühmittelalterlichen Zuständen zurückzukehren, hier beherzt gefoltert, dort ein paar Köpfe abgeschnitten, die Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosenheere wachsen, Österreich und Bayern klagen sich wechselseitig durch Sonne und Mond.

Aber: Es gibt auch Schönes zu verkünden. So kann man etwa kaum dankbar genug dafür sein, dass das zynische Wetten, dass ...?"-Spektakel endlich in den Orkus gegangen ist, jene mit Trottelwetten verkleidete Dauerwerbesendung für Pop- und Filmstars, die nur deswegen auf der Couch saßen, um einem das Geld für ihre jeweils jüngste Hervorbringung herauszulocken.

Jetzt ist aber Schluss damit. Dafür ist die noble Zeit der Philanthropie und des Spendens gekommen: Benefiz, Benefaz, Benefuz. An jedem Punschstand kriegt die Leber zu mildtätigen Zwecken ihr Fett weg, und "Weckerstar" Robert Kratky lässt sich gar 120 Stunden in einem Container kasernieren, um Geld für "Licht ins Dunkel" zu sammeln.

Der Krisenkolumnist findet dieses Aufwallen des Guten ausgezeichnet und steuert gern ein paar Anregungen bei, wie sich den Ärmsten der Armen eine kleine Freude bereiten ließe. Die russischen Oligarchen laborieren unter dem Rubelverfall und können sich neben dem Appartement an der Côte d'Azur höchstens noch drei oder vier Edelnutten leisten: ein klarer Fall für "Nachbar in Not".

Die österreichischen Steuerzahler sollten für die Hypo Alpe Adria zusammenlegen, um ein paar abgebrannten Balkanmafiosi und dem pauperisierten Freundeskreis von Thilo Berlin finanziell unter die Arme zu greifen. Wär doch gelacht, wenn wir die zwanzig Milliarden nicht mit einem nationalen Schulterschluss zusammenbrächten! Ebenfalls zusammenkratzen sollte man für die Staatsanwaltschaft, die seit zehn Jahren offenbar nicht die Mittel hat, Licht ins Dunkel der schwarz-blauen Kleptokratenära zu bringen.

Dreckig geht es auch Walter Meischberger. Der blauen Tiroler Lachwurzen fehlt das Geld, um 13 Prozesse zu zahlen, weshalb er neuerdings die Republik um die Verfahrenskosten anschnorrt. Tipp des Krisenkolumnisten: Schnell ein Spendenkonto einrichten und ein paar Tausender Schwarzgeld an Meischi überweisen. Eine Bank in Zypern wird sich sicher finden lassen. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 20./21.12.2014)

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