Renault: Schiffsdiesel auf wackligen Rädern 

23. Dezember 2014, 12:40
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Renault hat einen neuen E-Motor und ein Ein-Liter-Auto in der Hinterhand - und forscht am Zweitaktdiesel

Paris - Gerade noch haben die Sicherheitsmänner des Technocentre von Renault die Kameras der Mobiltelefone lahmgelegt und jede Tasche gefilzt, damit wirklich nur die Neuheiten, aus dem Innovationsherz von Renault, in die ganze Welt getragen werden, die dafür auch vorgesehen sind. Das Technocentre gleicht an dem Tag einem Hochsicherheitstrakt, der in einem großen Raum mündet. In diesem stehen ein Twizy mit Anhänger, ein Vorgängermodell des Twingo, neue Motoren oder etwa auch der Eolab.

Letzterer ist der Prototyp eines Plug-in-Hybrids, den Renault bereits beim Pariser Autosalon präsentierte. Der Eolab zeigt, auf Basis des Clio, schon vorab, wie sich die Franzosen das Ein-Liter-Auto vorstellen - mit viel Carbon, einem kleinen Benzinmotor, einem Elektroantrieb und einer Drei-Gang-Automatik.

Im Rampenlicht dieser Innovationensammlung steht ein neuer E-Motor, der Renault weiterhin die Führung im E-Mobility-Segment sichern soll. Der Motor ist kompakter und leichter geworden. Ein Grund dafür ist, dass nur mehr der Power-Electronic-Controller mit Wasser gekühlt wird.

Renault setzt auf Flüssiggas

Gleich nebenan zeigt Renault einen aufgeladenen Dreizylinder-Motor, der "dank Flüssiggas hocheffizient ist" und der kurz vor der Markteinführung steht. 20 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch, bivalenter Antrieb, Stopp-Start-Automatik und Rekuperation sind die Eckpfeiler des Motors. Auf die Frage, wie Renault der österreichischen Skepsis, Flüssiggas als Autotreibstoff einzusetzen, begegnen wird, wissen die Renault-Techniker aus dem Stegreif keine Antwort. Das macht aber nichts, denn in Frankreich etwa hat man mit LPG ohnedies kein Problem.

Eine der spannendsten Innovationen steckt aber in dem alten Twingo. Oder vielmehr unter dessen Haube. Dort werkt nämlich ein Zweizylinder-Zweitaktdiesel, der mit einem Kompressor und einem Turbolader doppelt aufgeladen wird. Aus 730 Kubikzentimetern holt der Motor zwischen 48 und 68 PS, je nach Ladedruck.

Gerade in dem Bereich beißen sich die Techniker jetzt fest: "Wir wissen heute, dass für einen niedrigen Verbrauch die richtige Aufladung eine entscheidende Rolle spielt", erklärt uns der Techniker. Mit 2,5 bar kommt die Luft aus dem Turbolader in den Kompressor und verlässt diesen mit vier bar - im Idealfall ohne weitere Teile, die zum Kompressor gehören. Der Reihe nach gaben im Versuch die Kompressoren auf, weil sie die hohe Belastung nicht aushielten.

Standfestigkeit und Verbrauchsreduktion

Noch ist man nicht dort angekommen, wo Renault - übrigens gemeinsam mit Mercedes-Benz - mit dem Motorenkonzept, das wir eigentlich aus der Schifffahrt kennen, hinmöchte.

Neben der kompakten Bauweise, dem geringen Gewicht und den guten Emissionswerten arbeiten die Techniker zusammen mit den Zulieferern noch an der Standfestigkeit und der Verbrauchsreduktion. Ist das geschafft, können wir vermuten, findet der Zweitaktdiesel als kostengünstiger Selbstzünder in den Smart und Twingo.

Aber vielleicht tragen bis dahin die frechen Cityflitzer schon eine andere Innovation in sich - die Infotainment-Welt von Renault, welche das ganze Armaturenbrett bis über das Handschuhfach einnimmt und aus einzelnen Touchscreens besteht. So kann der Beifahrer im Internet surfen, spielen oder - eines der Lieblingsbeispiele aller Autohersteller, die in diesem Bereich Vorarbeit leisten - Opernkarten online kaufen.

In Wirklichkeit arbeitet Renault aber wie die meisten anderen Hersteller auch an ganz anderen Themen. Neben der E-Mobilität ist das vor allem das autonome Fahren - und bis 2020 werden die nächsten großen Schritte umgesetzt sein. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD, 19.12.2014)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Das geringe Gewicht und die kompakte Bauweise machen den Zweitaktdiesel nun  auch für kleine Autos interessant. Der  Zweitakt-Zweizylinder klingt übrigens ähnlich wie ein Viertakt-Vierzylinder.
    foto: renault

    Das geringe Gewicht und die kompakte Bauweise machen den Zweitaktdiesel nun auch für kleine Autos interessant. Der Zweitakt-Zweizylinder klingt übrigens ähnlich wie ein Viertakt-Vierzylinder.

  • Der Eolab ist Renaults Antwort auf die Frage nach dem Ein-Liter-Auto.
    foto: renault

    Der Eolab ist Renaults Antwort auf die Frage nach dem Ein-Liter-Auto.

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